Donnerstag, 3. Dezember 2015

Biographie

Mathias von Gersdorff

Begegnung mit Plinio Corrêa de Oliveira - Katholischer Streiter in stürmischer Zeit

Patrimonium-Verlag, Aachen 2015
Hardcover, 154 Seiten
ISBN 9783864170331, Preis: 14,80 EUR

Der deutsch-jüdische Schriftsteller Kurt Tucholsky prägte seinerzeit den wegweisenden Ausspruch: „Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“.
Zu diesen tapferen und im guten Sinne streitbaren Persönlichkeiten mit Rückgrat und Ausdauer zählt besonders ein Gelehrter und Politiker, der sich von früher Jugend bis ins hohe Alter unbeirrbar für Christus und seine Kirche eingesetzt und dabei keine notwendige Auseinandersetzung mit den Feinden des Höchsten - besonders den Nationalsozialisten und den Kommunisten gescheut hat: Plinio Corrêa de Oliveira aus Brasilien, geboren am 13.12.1908 in der Hauptstadt São Paulo; verstorben mit 87 Jahren am 3. Oktober 1995, dem Tag der Deutschen Einheit.

Mathias von Gersdorff bezeichnet seine Biographie über diesen unermüdlichen Laienapostel recht bescheiden als „skizzenhafte Beschreibung“, weil er sich in seinem 154 Seiten umfassenden Buch auf das Wesentliche konzentriert und eine „Einführung“ in Leben und Wirken dieses katholischen Schriftstellers vorlegt, die sich flüssig liest und zugleich sehr faktenorientiert ist. Der italienische Historiker und Publizist Prof. Roberto de Mattei würdigt Plinio Corrêa de Oliveira im Vorwort dieser Biographie zu Recht als „tiefgründigen Denker“ und „Mann der Tat“, wobei der aus einem aristokratischen Elternhaus stammende Katholik zugleich die „Umgangsformen eines Kavaliers der alten Schule“ besaß. Diese „Ausnahmepersönlichkeit“, schreibt R. de Mattei weiter, stellte sich in „selbstloser Hingabe in den Dienst der katholischen Kirche“. Sein leidenschaftlicher Einsatz galt der Glaubensverbreitung sowie einer umfassenden Verteidigung der christlichen Kultur und Zivilisation. Der Laienmissionar wusste, dass die Kirche sich nicht auf die „Sakristei“ beschränken darf, dass Gottes Gebote und die Botschaft Christi auch im öffentlichen Leben, in Staat und Gesellschaft wirksam werden müssen.
Dabei war ihm klar, dass äußerer Aktivismus allein letztlich im Sande verläuft, dass der Einsatz für Gott und Kirche getragen sein muss von der Glaubwürdigkeit eines christlichen Lebenswandels, von eifrigen Bemühen um die Nachfolge Christi kurz: von der „Ausübung der Tugend“. Richtschnur sind dabei die Gebote des Ewigen und das natürliche Sittengesetz bzw. das Naturrecht. In diesem Sinne äußerte sich Prof. Corrêa de Oliveira folgendermaßen:
„In dem Maße, in dem der Mensch im Gnadenleben fortschreitet, schafft er auch durch die Ausübung der Tugend eine Kultur, eine politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ordnung, in völliger Übereinstimmung mit den grundlegenden, unvergänglichen Prinzipien des Naturrechts und des göttlichen Gesetzes. Wir bezeichnen diese als christliche Zivilisation.“
Der Biograph Mathias von Gersdorff kannte Plinio C. de Oliveira jahrelang persönlich - und er hat ihn vor allem von 1990 bis 1995 häufig getroffen und viel mit ihm gesprochen. Seine persönliche Wertschätzung für den ebenso kämpferischen wie menschenfreundlichen Professor fließt in das Buch ein, ohne dass es freilich allzu subjektiv gefärbt wäre. Dem Autor gelingt es vorzüglich, bei aller Sympathie vor allem durch eine sachorientierte Darstellung und ruhige, gelassene Sprache zu beeindrucken.
M. von Gersdorff ist im christlichen Spektrum vor allem bekannt durch seine medienethischen Veröffentlichungen und seine Publikationen für Ehe und Familie sowie seine kritische Analyse der „sexuellen Revolution“ der 68er, wobei sein Schwerpunkt auf der Bekämpfung der Frühsexualisierung von Kindern liegt. In diesem Sinne leitet er in Frankfurt die Aktion „Kinder in Gefahr“ der DVCK (Deutschen Vereinigung für eine christliche Kultur e.V.). Diese wiederum ist verbunden mit der „Gesellschaft zum Schutz von Familie, Tradition und Privateigentum“, die Prof. Corrêa de Oliveira 1960 in Brasilien gründete, wobei im Laufe der Zeit Tochtergesellschaften in vielen Ländern der Welt entstanden sind.

Widerstand gegen jeden Totalitarismus

Das wichtigste Buch des katholischen Gelehrten trägt den Titel „Revolution und Gegenrevolution“. Unter „Gegenrevolution“ ist der friedliche, aber entschiedene Einsatz katholischer Christen gegen die Feinde der Kirche zu verstehen, vor allem gegen den gottlosen Totalitarismus, wie er sich politisch vor allem im Nationalsozialismus und im Kommunismus zeigte. Für jeden rechts staatlich denkenden Menschen sollte der „antitotalitäre Konsens“ selbstverständlich sein, doch viele Zeitgenossen erliegen der Faszination politischer Ideologien. Dabei steht auch die „68er Ideologie“ unter neomarxistischem Einfluss, ebenso jener Linkskatholizismus, wie er sich in Brasilien und allgemein in Lateinamerika unter dem Dach einer „Theologie der Befreiung“ (fehl)entwickelte.

Auf geschickte Weise beginnt der Autor seine „biographische Skizze“ nicht in üblicher Manier mit Kindheit und Jugend des Porträtierten, sondern mit einem politisch entscheidenden Höhepunkt im Leben und Wirken von Prof. Corrêa de Oliveira:
Unter dem Titel „São Paulo im Juni 1990“ berichtet er von dessen Unterschriftenaktion für die Unabhängigkeit Litauens, die weltweit über 5 Millionen Unterzeichner erhielt, was internationale Beachtung fand und zu einem Eintrag ins „Guinness-Buch der Rekorde“ führte. Das katholisch geprägte Litauen wurde 1940 von Sowjetrussland erobert. 1941 besetzte die deutsche Wehrmacht das Land, 1944 wurde es von Stalin zurückerobert. Dem roten Schrecken folgte der braune und dann wieder der rote Terror. Im März 1990 - die innerdeutsche Mauer war bereits seit fünf Monate gefallen - versuchte Litauen, sich von der sowjetischen Herrschaft zu befreien.
Doch der noch kommunistische Staatspräsident Gorbatschow, der viel von Demokratie und Freiheit, „Glasnost“ und „Perestroika“ sprach, bevorzugte in diesem Falle die geballte Macht der Panzer. Als er den Unabhängigkeitsdrang der Litauer im Januar 1991 mit Gewalt beendete (was zu 14 Toten und tausenden Verletzten führte), empörte sich die Weltöffentlichkeit, so dass Gorbatschow die Panzer zurückrief. Danach kam es auch zu Unabhängigkeitserklärungen der anderen baltischen Länder (Lettland, Estland), was zum weiteren Zerfall des Vielvölker-Imperiums Sowjetunion führte und· damit das Ende - genauer: die Implosion - des Ostblock-Kommunismus einläutete.
Die Aufsehen erregende Solidaritäts-Aktion des brasilianischen Publizisten de Oliveira zugunsten der Freiheit Litauens war nur deshalb möglich, weil er in den Jahrzehnten zuvor bereits eine wirksame katholische Laienbewegung aufbaute und über vielfältige internationale Kontakte verfügte. Auch dieser Erfolg war ihm nicht in den Schoß gefallen, sondern die Frucht großer Beharrlichkeit und „Frustrationstoleranz“. Dabei war ihm zeitlebens die religiöse und charakterliche Prägung wichtig, die er von seiner Mutter Lucilia Ribeiro dos Santos erhielt.
Sowohl sie wie ihr Mann stammten aus einer alten aristokratischen Familie, die monarchistisch gesinnt war und die im Kaiserreich (das schon 20 Jahre vor der Geburt Plinios gestürzt wurde) führende Stellungen einnahm. Sein Großonkel war Präsident des Ministerrats und bereitete 1888 während der Regentschaft der Prinzessin Isabella das Gesetz zur Abschaffung der Sklaverei vor.

Deutscher Einfluss und „französische Erziehung“

Plinios Vater João Paulo Corrêa de Oliveira lebte zwar sittsam, war aber religiös eher gleichgültig, doch ließ er seiner Frau volle Freiheit in der Erziehung der bei den Kinder Plinio und Rosenda. Deren tiefe Frömmigkeit war durchaus nicht selbstverständlich für die brasilianische Oberschicht, die stark vom atheistischen französischen Positivismus und einem materialistischen Fortschrittsdenken geprägt war. Ein Teil der Verwandtschaft hing antikatholischen Ideen an; einige waren sogar, wie der Biograph berichtet, „Mitglied einer Freimaurerloge, um ihre Karrierechancen aufzubessern“ (S. 20). Dabei beschränkt sich dieser kritische Befund nicht auf den weiteren Familienkreis. Mathias von Gersdorff schreibt weiter, diese nicht-katholische, liberale Gruppe sei „innerhalb der Aristokratie zahlenmäßig die stärkere und außerdem wesentlichen besser organisiert“ gewesen.
Fräulein Mathilde Heldmann
Seine klar katholische Ausrichtung und Charakterstärke hatte Plinio Corrêa de Oliveira aber nicht allein seiner Mutter zu verdanken, sondern auch der „deutschen Erziehung“ der Gouvernannte Mathilde Heldmann aus Regensburg. Dank ihr lernte der Knabe nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch die Überwindung jener Trägheit, „die vielen Brasilianern eigen ist“ (S. 20).
Die Mutter wünschte, dass der Junge und seine Schwester erst mit deutschem Einfluss aufwachsen und dann eine „Erziehung im französischen Stil“ erhalten sollten, was dazu rührte, dass Plinio in einer elitäre Jesuitenschule kam, in der jedoch „alles andere als eine katholische Gesinnung herrschte“ (S. 21). Offenbar waren die Geistlichen nicht in der Lage, die Sprösslinge, welche vielfach aus der positivistisch geprägten Oberschicht stammten, sittlich ausreichend zu disziplinieren und religiös zu formen. Für Plinio war es aber ein Trost, dass es im Jesuitenkolleg wenigstens eine Kapelle mit dem allerheiligsten Altarsakrament gab, wo er sich Kraft für den aufreibenden Alltag unter so vielen Andersdenkenden holen konnte. Diese „innere Abhärtung“ prägte ihn in seinem späteren aktiven Wirken als katholischer Organisator, Politiker, Journalist und Buchautor.
Wie der Verfasser ausführt, fand der atheistische Positivismus besonders in Frankreich starke Verbreitung. Da Brasilien unter französischem Einfluss stand, war vor allem die Elite des Landes dafür empfänglich, auch „aufgrund der starken Präsenz der Freimaurerei“ (S. 24). Matthias von Gersdorff schreibt weiter:
„Das positivistische Motto ,Ordem e Progresso‘ (Ordnung und Fortschritt) wurde sogar in die Flagge Brasiliens eingefügt. Der Positivismus gewann insbesondere in den führenden gesellschaftlichen Schichten an Einfluss und konnte so große ideologische, politische und wirtschaftliche Macht entfalten. Dies führte zu einem großen gesellschaftlichen und politischen Widerspruch: Das fast ausschließlich katholische Land wurde von einer atheistischen Oberschicht regiert.“
Dies galt ähnlich auch unter späteren politischen Verhältnissen, etwa in linkssozialistischen Republiken. Eine unhaltbar Situation, die von katholischer Seite nicht gleichgültig hingenommen werden durfte. Gottlob gab es klarsichtige und couragierte Streiter für die katholischen Anliegen und Ideale: „Gegen diesen Zustand begann sich um 1916 eine Reaktion zu bilden, die schließlich in einem von Plinio Corrêa de Oliveira angeführten politischen und gegenrevolutionären Katholizismus Form annehmen würde“ (S. 24).
Von dem jahrzehntelangen, unermüdlichen Einsatz diese kämpferisch aktiven Gelehrten für eine christliche Kultur und Zivilisation, von seinem unbeugsamen Eintreten für die katholische Glaubens- und Sittenlehre gegen alle Widerstände (auch aus innerkirchlichen Kreisen), seiner Ablehnung linkssozialistischer Ideologien und Experimente einschließlich einer marxistisch beeinflussten „Theologie der Befreiung“ berichtet diese fundierte Biographie, die zugleich viele lehrreiche Informationen über die neuere Geschichte Brasiliens (besonders im 19. und 20. Jahrhundert) enthält, aber auch aufschlussreiche Kenntnisse über die Situation der katholischen Kirche in diesem bevölkerungsreichen Land vermittelt.
Prof. Corrêa de Oliveira war zweifellos ein „Mann der Tat“, auch als Politiker, Gründer kirchentreuer Organisationen und Präsident der „Katholischen Aktion“; er war aber auch ein Mensch des Gebets, ein tiefgläubiger Katholik mit einer starken eucharistischen Frömmigkeit und innigen Verehrung der Gottesmutter, die nicht zuletzt von der „Marianischen Kongregation“ geprägt war. Kardinal Walter Brandmüller schreibt daher zu Recht in einem Brief an den Biographen: „Ihre Schrift macht auch dem Leser zugänglich, mit welcher Gesinnung Corrêa de Oliveira ans Werk ging: Treu dem katholischen Lehramt uni stets im Vertrauen in die Vorsehung Gottes und in die immerwährende Hilfe der Jungfrau Maria.“ - Kardinal Raymond L. Burke äußert sich in einem Glückwunschschreiben an Mathias von Gersdorff ähnlich positiv über diesen „großen brasilianischen katholischen Laien“, weil dieser „ein Vorbild für uns in diesen schwierigen Zeiten im Leben der Kirche“ sei.
Professor Plinio Corrêa de Oliveira sowie sein klarsichtiges Denken und konsequentes Handeln sollten nicht in Vergessenheit geraten. Dieser „Kreuzritter des 20. Jahrhunderts“ bewährte sich als hervorragender Laienapostel und als Diener des Ewigen.

Felizitas Küble
Schlesienstr. 32, 48167 Münster
felizitas. kueble@web.de

 in „Theologisches“ Nov./Dez. 2015 S. 580-584
Die Fotos wurden an dieser Stelle hinzugefügt

Sonntag, 29. November 2015

Friede, Friede ... aber welcher Friede?

Plinio Correa de Oliveira 

„Opus justitiae pax“: Gerechtigkeit schafft Frieden.
Zum Frieden gibt es zwei grundverschiedene Haltungen, die leider immer wieder verwechselt werden:
1. Die Haltung der Kirche, die den Frieden für ein unschätzbares Gut hält, den Krieg aber in gewissen Fällen als ein Recht und in anderen bestimmten Fällen sogar als eine heilige Pflicht ansieht;
2. Die Haltung der radikalen Pazifisten, die den Krieg für ein unerträgliches Übel halten und deshalb den Frieden für ein Gut ansehen, das um jeden Preis erhalten bleiben muss.
(…)
Über die Rechtmäßigkeit des Krieges führten wir zwei klassische Beispiele an: das eine ist, das der legitimen Verteidigung; das andere, das des heiligen Krieges. Im Fall der rechtmäßigen Verteidigung ist der Krieg ein unbestreitbares Recht. Im Fall des heiligen Krieges besteht nicht nur ein Recht, sondern eine Pflicht ihn zu führen.
Dies sind die Grundsätze der katholischen Lehre. Sie entstammen einem Gedanken des hl. Augustinus. So sagt der große Kirchenlehrer, dass, im Gegensatz zur allgemeinen Meinung seiner Zeit, die größten Übel des Krieges nicht in der Verstümmelung oder in der Zerstörung vergänglicher Leiber, die über kurz oder lang eines Tages im Schoße der Erde, im bescheidenen Schatten eines Grabes verwesen werden. Das große Übel des Krieges, das größte aller Übel, besteht in der durch ihn hervorgerufenen Beleidigung Gottes. Denn man kann sich keine Auseinandersetzung vorstellen, in der beide Seiten unschuldig sind. Eine Seite wird zumindest schuldig sein. Die Beleidigung, die durch die Ungerechtigkeit des Aggressors Gott zugefügt wird, ist im Grunde ein größeres Übel, das ein Krieg hervorrufen kann.
Wenn also die Gottesbeleidigung durch eine ungerechte Aggression groß ist, was soll man von dem Affront sagen, die er durch den Sieg des Angreifers erleidet und die Umwandlung der Ungerechtigkeit in eine beständige und dauerhafte Ordnung der Dinge, die eine bleibende Schmähung der göttlichen Majestät darstellt? Ein Friede, der zur Folge hätte, den Krieg zu verhindern und eine friedliche und unblutige Vollendung der Ungerechtigkeit zu erlauben, wenn diese jedoch durch Waffengewalt hätte verhindert werden können, dieser Friede wäre eine überaus große Ungerechtigkeit in den Augen Gottes und die Überlebenden des besiegten Volkes, die sich nicht mit dem elendlichen Unglück abfinden können, würden mit dem gleichen ungestümen Pathos um Rache schreien wie das Blut des unschuldigen Abel.
Anzunehmen also, dass ein Krieg um jeden Preis verhindert werden muss, wenn auch der so erreichte Frieden die Auflösung ganzer Völker bedeuten würde und die Ungerechtigkeit als das oberste Prinzip der internationalen Ordnung das Feld beherrscht, ist nichts anderes als die katholische Lehre in ausdrücklichster Weise zu widersprechen.
(…)
Niemand hat Schwierigkeiten zu verstehen, dass die Kirche etliche Kreuzzüge gegen den Islam gepredigt hat, als dieser das Grab Unseres Herrn Jesus Christus und die freie Ausübung der Religion der dort lebenden christlichen Bevölkerung bedrohte.

Quelle: Auszüge aus "A posição do Vaticano" (Die Stellung des Vatikan), in Legionário, Nr. 368 vom 1.10.1939, Freie Übersetzung.

Dienstag, 24. November 2015

Das Wochenblatt „Legionário“

„Der Legionário ist zum Kampfe geboren“

„Der Legionário ist zum Kampfe geboren.“ (150)
Von 1933 bis 1947 erhob die mutige und oftmals einsame Stimme des von Plinio Corrêa de Oliveira geleiteten Legionário die Fahne der Kirche und der christlichen Zivilisation gegen den modernen Totalitarismus jeder Prägung und Abart. Die Haltung der Zeitschrift wurde von ihm selbst so zusammengefasst:
„ Vor allem gilt unsere Liebe stets dem Heiligen Vater. Kein Papstwort haben wir je unveröffentlicht, unerklärt, unverteidigt gelassen. Wo immer ein Interesse des Heiligen Stuhles bestand, haben wir dies mit allem Eifer eingefordert. In unseren Worten ist, Gott sei Dank, kein Begriff, keine Nuance zu finden, die auch nur in einem Komma, in einer Zeile vom Lehramt Petri abweichen würde. Auf der ganzen Linien waren wir Männer der Hierarchie, deren Vorrechte wir mit aller Inbrunst gegen die Lehren jener verteidigen, die dem Episkopat und dem Klerus die Leitung der katholischen Laien entreißen wollen. Kein Missverständnis, keine Verwirrung, kein Unwetter vermochten in dieser Hinsicht auf unserer Standarte auch nur den geringsten Fleck zu hinterlassen. Auf der ganzen Linie haben wir den Geist der Auswahl, der Seelenbildung, der Abtötung und des Bruchs mit den Schandtaten der Welt verteidigt. Gegen die grässlichen Exzesse des den Staat vergötternden Nationalismus, der Europa beherrschte, gegen den Nationalsozialismus, den Faschismus und alle ihre Abwandlungen, gegen den Liberalismus, den Sozialismus, den Kommunismus und die berühmte politique de la main tendue‘ haben wir für die Lehre der Kirche gekämpft. Niemand hat sich weltweit gegen die Kirche Gottes erhoben, ohne dass der Legionário (...) nicht dagegen Einspruch eingelegt hätte. Gleichzeitig haben wir nie unsere Pflicht aus den Augen verloren, mit allen Mitteln die Verehrung der Gottesmutter und des Allerheiligsten Altarsakraments zu fördern. Jede echt katholische Initiative konnte auf unsere ganze Begeisterung rechnen. Wer je an diese Tore klopfte und nichts als die größere Ehre Gottes im Sinn hatte, stieß hier stets auf Freundschaft und Schutz bietende Säulen. Wir haben in diesem Leben einen guten Kampf zu kämpfen.Erschöpft bluten wir aus allen Gliedern. Es war dieser Kampf, der uns ermüdete und uns verwundete. Als Entschädigung wagen wir nicht mehr zu erbitten, als die Vergebung all dessen, was es an diesem Werk, das eigentlich ganz und gar Gott gewidmet sein sollte, unvermeidlich auch an menschlichem Versagen zu finden ist.“ (151)
Zehn Jahre vor Kriegsausbruch hatte sich Plinio Corrêa de Oliveira in einem Brief an einen Freund wie folgt geäußert:
„Ich gewinne immer mehr den Eindruck, dass wir uns im Vorfeld einer Epoche voller Leid und Kampf befinden. Allerorts nimmt das Leiden der Kirche zu und das Kampfgeschehen rückt immer näher. Ich habe den Eindruck, dass sich am politischen Horizont dunkle Wolken zusammenziehen. Das Unwetter wird nicht lange auf sich warten lassen und ein Weltkrieg wird lediglich seine Einleitung sein. Dennoch wird der Krieg auf der ganzen Welt ein deartiges Durcheinander hervorrufen, dass an allen Ecken und Enden Revolutionen ausbrechen werden und die traurige Fäulnis des ‚20. Jahrhunderts‘ ihren Höhepunkt erreichen wird. Da werden dann die Mächte des Bösen, die wie Würmer erst in dem Augenblick erscheinen, in dem die Fäulnis am größten ist, auf den Plan treten. Der ganze ‚bas-fond‘ der Gesellschaft wird an die Oberfläche gespült und überall wird die Kirche verfolgt werden. Es heißt aber... et ego dico tibi quia tu es Petrus, et super hanc petram aedificabo Ecclesiam meam, et portae inferi non praevalebunt adversus Eam‘. Die Folge wird ‚un nouveau Moyen Age‘ oder aber das Ende der Welt sein“.(152)




150 Plinio CORRÊA DE OLIVEIRA, 365 dias em revista, in O Legionário Nr. 595 (1. Januar 1944).
151 Plinio CORRÊA DE OLIVEIRA, 17 anos, in O Legionário Nr. 616 (28. Mai 1944).
152 Zitiert bei J. S. CLÁ DIAS, Dona Lucília, loc. cit., Bd. II, S. 181.
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Aus „Der Kreuzritter des 20. Jahrhunderts“, Roberto de Mattei, Herausgeber: TFP und DVCK e.V., 2004, S. 95.

Samstag, 21. November 2015

Das Primat der Heiligkeit

Das Primat der Heiligkeit

Plinio Corrêa de Oliveira

Für mich ist es unbestreitbar, dass, wenn in unserer materialisierten und verdorbenen Zeit ein hl. Franz von Assisi wieder erscheinen würde, würde seine Persönlichkeit den Menschen weltweit viel definitiver und schneller imponieren als es je in vergangenen Zeiten der Fall gewesen wäre.
Sicher war das tugendhafte, von katholischem Geist tief durchdrungene Mittelalter, eher in der Lage den großen stigmatisierten von Assisi zu verstehen.
Man muss jedoch bedenken, dass durch den katholischen Geist selbst und seine Verbreitung unter allen sozialen Schichten, das Verlangen nach Tugend weniger stark war, weil die Seelen zum Teil von ihr gesättigt waren, als in den trostlosen Tagen, in denen wir heute leben.(1)
Der Mensch — sagte ein heidnischer Schriftsteller — ist ein gefallener Engel. Und je mehr auch in ihm die Laster und Fehler des Verfalls herrschen, spürt er in seinem Herzen, bewusst oder unbewusst, eine große Sehnsucht nach dem Himmel.
Erforscht man mit aller Vorsicht irgendein menschliches Herz, sei es das eines Heiligen, eines Weisen, eines Unwissenden oder eines Häftlings, wird man das Vorhandensein von mehr oder weniger tiefen Gefühlen, die sich nach einem großen Ideal von Reinheit und Heiligkeit sehnen.
Solange die christliche Zivilisation lebte, war das Leben geprägt von Selbstlosigkeiten, die zu einer allgemeinen Glückserfahrung beitrug.
Als der Katholizismus als höchster Regler der Beziehungen zwischen Menschen und Völker verstoßen wurde, verkam das Leben in Egoismen, die sich gegeneinander bekämpften. Daher der „homo homini lupus“ (2)
Der tierische Teil des Menschen kann zeitlich die Äußerungen seines englischen (geistlichen) Teils ersticken. Nie jedoch kann er sie radikal zerstören.
Und je mehr der Mensch unter seiner selbst fällt, wird er doch immer den unwiderstehlichen Einfluss der Heiligkeit wahrnehmen, der seine Leidenschaften dämpft und die Tyrannei der Laster abschwächt, so wie eine Musik des Orpheus die wilden Tiere zähmte.
Dies sind die Gedanken, zu denen mich das 25jährige Jubiläum von Msgr. Pedrosa als Pfarrer von Sta. Cäcilia anregen.
Die Kirche Sancta Caecilia
in São Paulo, 1947
Nie sah ich einen Mann, der über ein so großes Aktionsgebiet einen so gesunden und tiefen Einfluss ausübte.
Ich kenne Leute, die ihm tiefe Freundschaft und Verehrung erweisen, nach einem kurzen Kontakt im Beichtstuhl.
Andere wären bereit ihr Leben und ihr Vermögen zu opfern ohne selbst die Anwandlung einer Diskussion, wenn dieses Opfer ihnen von Monsignore auferlegt worden wäre.
Griechen und Trojaner, Gläubige und Ungläubige sind sich einig in der Feier seiner ungewöhnlichen Tugend.
Selbst Personen, die behaupteten überhaupt keine katholischen Überzeugungen in ihrem Innern zu haben, erweisen dem Pfarrer mit einem nicht erklärbaren Widerspruch ihre aufrichtigste Verehrung und erkennen in ihm die echte Personifizierung der Tugend.
Unter den vielen Kommentaren, die sich über den Pfarrer bei den gegenwärtigen Feierlichkeiten vernehmen lassen, wollte ich diesen merkwürdigen Aspekt seiner Tätigkeiten als Pfarrer hervorheben. Es ist eines der vielen Lehren seines unzerbrechlichen Seelenadels, die er uns gibt.
Sie bestätigt den unbestreitbaren Einfluss der Heiligkeit auf den Menschen.
Und es kommt mir in Erinnerung die Schlussfolgerung, die Tristão de Athayde in seinen Vorträgen über das Problem des Bürgertums setzte: Brasilien und die Welt brauchen keine Weisen und Helden; sie brauchen Heilige...

* * *
(1) Der Autor benutzt hier den Ausdruck „dürsten nach Tugend“ im Sinne des „Gefühls, dass es an Tugend mangelt“, das heute größer ist als im Mittelalter.
(2) „Der Mensch ist des Menschen Wolf“

Freie Übersetzung aus O „Legionário“  Nr. 96, 21.4.1932.
Originaltitel: „O primado da santidade“

Donnerstag, 19. November 2015

Optimismus, Pessimismus oder Realismus?

Unsere Hoffnung, sei gegrüßt

Plinio Corrêa de Oliveira

Optimismus, Pessimismus, Realismus: Welche Einstellung sollten wir haben vor den Ereignissen der Gegenwart? Bevor wir diese Frage beantworten, wollen wir zunächst einmal diesen Begriffen ihre wahre Bedeutung geben.
Im Grunde ist Realist, wer die Ereignisse so sieht wie sie sind.
Optimist wäre der, der durch einen Blickfehler sich alle Ereignisse freundlicher vorstellt, als sie es in der Realität sind. Der Pessimist sähe durch einen ähnlichen aber entgegengesetzten Fehler die Fakten düsterer, als sie sich eigentlich darstellen.
So wäre ein Arzt Realist, wenn er eine objektive und wahrheitsgemäße Vorstellung des gesundheitlichen Zustandes seines Patienten hätte. Ein optimistischer Arzt würde eine diagnostizierte Krankheit nicht als so ernsthaft einstufen, wie sie in Wirklichkeit ist; der pessimistische Arzt würde eine Krankheit als schlimmer beurteilen, als sie es tatsächlich ist.
Im normalen Sprachgebrauch aber, durch eine Anpassung an die Bedeutung dieser Wörter, werden sie in einem anderen Sinn angewendet. Wenn der Arzt, nachdem er seinen Patienten diagnostiziert hat, zum Ergebnis kommt, dass die Gesundheit des Patienten nicht ernsthaft gefährdet ist, sagt man „er ist optimistisch“ im Hinblick auf die Zukunft seines Patienten. Hier versteht man "Optimist" nicht im Sinne, dass der Arzt die Lage des Patienten besser einstuft, als sie ist, sondern, dass er wirklich Hoffnung auf Besserung hat. Wenn im Gegenteil der Krankheitsbefund objektiv ernsthaft ist, sagt man, der Arzt sei "pessimistisch" aus dem Sprechzimmer gekommen. Das bedeutet nicht, der Arzt habe den Zustand des Patienten schlimmer eingestuft, als er in Wirklichkeit ist, sondern, dass er die Lage des Patienten als ernsthaft angesehen hat und in der Folge einen nicht unbedingten Guten Ausgang haben wird.
Mit der Definition dieser verschiedenen Sinne der Wörter wird es leichter und bestimmender zu sagen, ob man Optimist, Pessimist oder Realist sein soll.
Natürlich sollte man auf jeden Fall realistisch sein. Wenn nämlich Realismus die genaue, objektive Sicht der Dinge ist, und im Gegenteil Optimismus und Pessimismus falsch sind, dann sollte man die Wahrheit dem Irrtum vorziehen. Wenn wir also von „gesundem Optimismus“ hören, kommt uns ein Lächeln über die Lippen: Wenn der Optimismus die freudige aber entstellte Sicht des Wahren ist, wie kann er dann „gesund“ sein? Wie kann eine Entstellung gesund sein?
Doch wird man sagen, dass der gesunde Optimismus darin besteht, die Dinge in ihren hellen Farben zu sehen, wenn sie tatsächlich hell sind. Dem stimmen wir zu, aber in diesem Fall sollte man nicht immer von einem „krankhaften Pessimismus“ sprechen. Es müsste für einen „gesunden Pessimismus“ dann aber auch ein Platz geben, der darin bestünde, die Dinge in ihren dunklen Farben zu sehen, wenn sie tatsächlich dunkel sind. Doch für diejenigen, die immer von einem „gesunden Optimismus“ sprechen, ist der Pessimismus unbedingt „krankhaft“. Und immer wenn man optimistisch ist, ist man „gesund“, und wenn man pessimistisch ist, ist man „krankhaft“. Die Möglichkeit eines „gesunden Pessimismus“ ist gerade etwas, was viele unter allen Unständen nicht wahrhaben wollen.
* * *
Zusammenfassend: Man sollte immer und unerbittlich Realist sein. Wenn die Realität gut ist, sollte man aus ihr optimistische Perspektiven vorhersehen, im guten Sinne des Wortes. Und wenn die Wirklichkeit schlecht ist, sollte man daraus pessimistische Prognosen voraussehen, ebenfalls im guten Sinne des Wortes. „Gesunder Optimismus“ und „gesunder Pessimismus“ sind nur dann angebrachte und vernünftige Ausdrücke, wenn sie sich immer und unerbittlich mit der „absoluten Realität“ identifizieren.
Dies vorausgesetzt, folgt der Frage, ob man bezüglich der Gegenwart optimistisch oder realistisch seil soll, eine andere: Rechtfertigt unsere Zeit gute oder schlechte Prognosen?
Das möchten wir nun behandeln.
* * *
Was schlecht ist, rechtfertigt schlechte Voraussagen und was gut ist, gute Voraussagen. Denn die Wirkung kann nicht Eigenschaften haben, die in der Urasche nicht vorhanden sind. Deshalb müssen wir uns fragen, ob die Dinge in unseren Tagen gut oder schlecht gehen.
Selbstverständlich gibt es heutzutage Gutes und Schlechtes wie in allen historischen Zeiten, selbst in den schlechtesten wie in den besten.
Wenn wir wissen wollen, was sich heutzutage hervorhebt, ob die Liebe Unseres Herrn Jesus Christus, oder der Geist der Welt, brauchen wir nur die Briefe des hl. Paulus aufzuschlagen.
Der Völkerapostel sagt, die Werke des Fleisches sind: „Unzucht, Unlauterkeit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Zank, Eifersucht, Gehässigkeiten, Hetzereien, Entzweiungen, Spaltungen, Missgünstigkeiten, (Totschlag), Trinkereien, Schwelgereien und was dergleichen ist“ (Gal 5,19-21).
Im Gegenteil sind die Früchte des Geistes: „Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Milde, Enthaltsamkeit (Keuschheit)“ (Gal 5, 22-23). Ich glaube, es erübrigt sich zu fragen, ob in unserem Jahrhundert die Werke des Fleisches oder die Früchte des Geistes vorherrschen.
Betrachten wir die Tatsache aus einem anderen Blickwinkel. Würden wir es wagen zu sagen, die Zivilisation unserer Tage sei vorrangig christlich? In diesem Fall müssten wir zugeben, dass der Sittenverfall, die Gewinnsucht, die Feindlichkeiten, die Kriege, die allgemein herrschende Unordnung eigenste und typische Früchte des Einflusses der Kirche sind. Wer sieht hier nicht eine blasphemische Behauptung? So ist es notgedrungen anzunehmen: Unsere Zivilisation besteht nicht aus den Früchten des Geistes Unseres Herrn Jesus Christus. Sie bringt die typischen Früchte der von der Finsternis beherrschten Zivilisationen hervor.
* * *
Was kann man davon erwarten? In einigen zehn Jahren mehr mit Kriegen, Zwietracht, Kämpfen unter Nationen und Klassen wo werden wir hinkommen? Wenn der Zerfall der Sitten wie bisher in zunehmender Geschwindigkeit vorangeht, wo werden wir in Sachen Tänze, Ausschnitte, Ungezwungenheit im Umgang unter den Geschlechtern in fünfzig Jahren sein?
Wenn man ernsthaft darüber nachdenkt, muss man annehmen, dass wir uns nur wenig Zeit vor einer Katastrophe befinden. Wenn es in der Welt auf diesem Gleis weitergeht, werden wir in nicht langer Zeit vor einer Finsternis der Kultur und Zivilisation stehen, wie damals beim Fall des Weströmischen Reiches.
In solch einer Welt, wie sieht die Zukunft der Kirche aus? Wird sie notgedrungen wieder für ein paar Jahrhunderte sich in Katakomben zurückziehen müssen? Wird sich die Zahl ihrer Gläubigen auf eine unbedeutende Minderheit zusammengeschrumpft haben?
* * *
Die Zukunft kennt nur Gott. Niemand dürfte sich überraschen, wenn die ganze Struktur der gegenwärtigen Zivilisation auf tosender und tragischer Weise in einem großen Blutbad in sich zusammenbrechen sollte. Es gibt aber einen Grund – und es nicht der einzige – zu hoffen, dass Gott es nicht zulassen wird, dass die Heilige Kirche für lange Zeit zurück in die Katakomben müsste. Denn es gibt inmitten der gegenwärtigen Verheerungen schon die Voraussicht eines Sieges: Die sozusagen fast schon sichtbare Einwirkung der Heiligsten Jungfrau auf Erden.
Seit Lourdes, seit Fatima bis in die heutigen Tage scheint man zu merken, dass je mehr die Krisen in der Welt wachsen, desto mehr vermehren sich die Eingriffe Unserer Lieben Frau. Die Muttergottesandacht wird nicht nur außerhalb der Kirche bekämpft, sondern – horribile dictu – auch in gewissen Kreisen, die man als katholisch vermutet. Dies ist aber nutzlos. Hie und dort sieht man wie Maria weiterhin Tausende und Abertausende Seelen an sich zieht und einen Erneuerungsplan entwickelt, der überzeugend zu einem großen und spektakulären Ausgang führen wird.
Alle Umstände scheinen angemessen, einen großen Triumph der Jungfrau herbeizuführen. Die Krise ist erschütternd. Sie nähert sich ihrem Gipfel. Die menschlichen Rettungsmittel liegen sozusagen ungebraucht danieder. Wir verdienen keine außerordentliche Gnade mehr, sondern nur Strafe für unsere Sünden. Alle Eigenschaften einer von menschlicher Sicht aus verlorenen Situation scheinen sich heute mehr und mehr anzuhäufen.
Wer könnte uns erretten? Nur jemand, der eine unbegrenzte Nachsicht uns gegenüber zeigt, die Nachsicht einer Mutter gegenüber ihrem Kind, eine grenzenlos gütige, großmütige, mitleidige Mutter. Doch diese Mutter müsste zugleich die mächtigste sein, mächtiger als alle Mächte der Welt, der Hölle und des Fleisches. Sie müsste selbst Gott gegenüber allmächtig sein, der mit Recht so erzürnt ist ob unserer Sünden. In dieser Situation uns zu retten, wäre der leuchtendste Ausdruck der Macht einer solchen Mutter.
Nun, eine solche Mutter haben wir! Sie ist unsere Mutter und Mutter Gottes. Wie kann man es nicht wahrnehmen, dass soviel Unglück, soviel Sünden den Eingriff Mariens nicht herbeirufen? Wie kann man es nicht wahrnehmen, dass Sie diesem Ruf nicht nachkommen wird?
Wann? Während der großen Katastrophe, die herannaht? Nach ihr? Wir wissen es nicht. Doch eines scheint absolut wahrscheinlich: Das Maria für die Kirche als Ausklang der Krise nicht eine Zeit voller Schmerz und Leiden vorbereitet, sondern eine Ära des universalen Triumphes.
* * *
So können wir in diesem Monat, der Maria geweiht ist, unsere Augen auf Sie gerichtet, mit aller Gelassenheit die Frage beantworten, ob man optimistisch oder pessimistisch sein soll: Ein gesunder Pessimismus sollte uns überzeugen, dass wir alles verdienen und dass wir wahrscheinlich viel, sehr viel leiden müssen; doch auch ein gesunder und übernatürlicher Optimismus sollte uns überzeugen, dass der Triumph der Kirche in den gegenwärtigen Schmerzen vorbereitet wird, durch die vollständige Vernichtung des Geistes dieser Welt. Dieser Pessimismus, dieser Optimismus verbinden sich zu einem gesunden Realismus, weil er eine große Realität in Betracht zieht, ohne die, jede Erfassung der menschlichen Probleme fehlerhaft ist: Die Vorsehung Mariens.


Freie Übersetzung aus Catolicismo Nr. 17 - Mai 1952
Originaltitel: „Spes nostra, salve“

Freitag, 6. November 2015

Das durchbohrte Herz Jesu

  

Das Schöne an diesem Kreuz ist, dass es eines der tragischsten, dramatischsten Aspekte des Leidens Unseres Herrn Jesus Christus hervorhebt: das aus seinen Wunden fließende Blut. In den Wunden kommt das lebendige Fleisch sehr realistisch zum Vorschein, ebenso das Blut, das daraus den Körper hinab fließt. Um das noch besser zu veranschaulichen, wählte der Künstler kleine Rubinsteine, die die Tropfen des Blutes darstellen und durch ihren Glanz den Eindruck des noch frischen fließenden Blutes geben.
Auch die Seitenwunde, die ein römischer Soldat mit einer Lanze öffnete und das Heiligste Herz traf und aus der dann die letzten Tropfen von Wasser und Blut aus dem Leichnam Jesu flossen. Dies war das Zeichen seines Todes, dass das Opfer vollbracht war, dass das Leben ganz hingegeben war, dass sein Wesen vollständig zerstört war. So ist es auch in der heiligen Kommunion: Jesus gegenwärtig im verwandelten Brot und Wein mit seinem Leib und Blut, Seele und Gottheit wird vollständig konsumiert (zerstört) nachdem wir ihn empfangen haben.
Unser Herr setzte das eucharistische Opfer unter den zwei Gestalten, Brot und Wein, ein zum Gedächtnis an sein Leiden und Tod, wo am Ende beide, Leib und Blut, völlig getrennt waren. Sein ganzes kostbares Blut vergoss Er, um uns zu erlösen; die Eucharistie setzte Er sein, damit wir uns versammeln und durch die Einnahme der Kommunion, an dieser Erlösung teilhaftig werden. Durch seine unsagbaren Schmerzen und seinen schmählichen Tod, der gezeichnet wurde durch die völlige Trennung von Fleisch und Blut (bis zum letzten Tropfen verblutet), durch diese komplette Zerstörung wollte Er und erlösen.
Und es gibt noch einen schmerzlicheren Aspekt, den wir betrachten wollen, bezüglich seines heiligen Herzens. In der Heiligen Schrift versinnbildlichte das Herz die Seele des Menschen, seine Wünsche, seinen Willen. In den Psalmen findet man zuhauf diese symbolischen Deutungen des Herzens. Es ist auch gewissermaßen das Symbol des Lebens. Es ist das Symbol der Zuneigung und der Liebe. Doch Jesus wollte, dass es möglich sei und tatsächlich geschehen sollte, dass jemand käme und an seinem schon so geschundenen Leib diese letzte Wunde mit einem Lanzenstoß aufriss und sein Herz verwundete.
Diese Verwundung des Herzens zeigt sich als die Vollendung den Leidensweges Unseres Herrn. Wenn es auch so aussieht, dass die Lanze in sein Herz hineingestoßen wurde, um sich zu versichern, dass Er schon Tod sei, und sein Leib vom Kreuz abgenommen werden konnte, so zeigt sie doch eine letzte Tat der Rohheit. Dermaßen waren die Henker bestimmt ihn zu töten, dass sie im Zweifelsfall eine Verwundung durchführten, die ihnen dann die Gewissheit gab, dass Er nun wirklich tot ist. So groß war die Entschlossenheit ihn zu vernichten. Daher war es nicht nur ein Gnadenstoß und eine Tat der Versicherung, sondern auch der Niederträchtigkeit.
So verstehen wir auch die Gegensätzlichkeit des Geschehens. Das Heiligste Herz Jesu, das während seines irdischen Lebens die Menschen mit einer unendlichen Liebe und auf so gegensätzlichen Weg geliebt hat, dass Er bis aufs äußerste ging. Er selber hatte gesagt, eine größere Liebe hat niemand als die, dass er sein Leben hingibt für seine Freunde. Und gerade das tat er für seine Freunde, und diese Freunde sind ein jeder von uns. Er wollte es zulassen, dass dieses sein mit Barmherzigkeit und Güte überfülltes Herz durchstochen werden sollte. Durchstochen von Menschenhand, von Händen, die ihn töten wollten, falls er noch nicht tot wäre. Doch der letzte Punkt der Barmherzigkeit war gerade dieser: Man sagt, dass der Soldat, der die Lanze in sein Herz stieß, halbwegs blind war. Von dem Blut und Wasser, die aus der Seite des Herrn flossen fielen einige Tropfen auf seine Augen und er wurde wunderartig von der Blindheit geheilt. Hier sehen wir auf der einen Seite eine grausame Tat, die von Unserem Herrn erwidert wird durch eine Tat der Güte und der Vergebung. Sie beinhaltet ein Versprechen des Herzen Jesu: alle, die ihm Vertrauen, die auf seine Barmherzigkeit vertrauen, die auf seine Güte vertrauen, dürfen darauf hoffen, dass ihnen vergeben wird, dass sie die notwendigen Gnaden für ihr eigenes Heil erhalten, selbst nach den schlimmsten Sünden, wenn sie ergeben zu Ihm zurückkehren, wenn sie demütig zu Ihm zurückkehren und um Verzeihung bitten. Das heißt, Unser Herr Jesus Christus verlässt uns nie.
Wir können uns den Schmerz der Muttergottes und der heiligen Frauen in diesen letzten Augenblicken vorstellen: als die ganze Zerstörung beendet schien, das nichts mehr zu machen sei, schauten sie hinauf zu Jesus am Kreuz und merken, dass sich jemand nähert und an diesem geschundenen Körper noch eine letzte Grausamkeit verübt, indem er eine Lanze in die heilige Brust bohrt. Doch gleich vernehmen sie die letzte Vergebung. Nehmen wir an, der Soldat ruft in seiner Freude laut aus: Ich kann sehen!
Hier können wir uns den letzten großen Schmerz der Muttergottes vorstellen, indem sie sieht, wie das Heiligste Herz verwundet wird. Ein wenig später legt man den hochheiligen Leichnam ihres Sohnes auf ihren Schoß und sie betrachtet unter Schmerzen aber anbetend den geschundenen Leib und besonders die Wunde an der Brustseite. Wir dürfen annehmen, dass Maria und alle umstehenden irgendwelche Erleuchtungen hatten bezüglich der Andacht zum verwundeten Heiligsten Herzen Jesu, zumal der Heiland mit der Heilung der Blindheit des Soldaten den ersten Beweis seiner Auferstehung gab. Denn selbst als besiegter und gebrochener wirkte er im Tod noch ein Wunder, das niemand je bewirken könnte.
Das heißt, er behielt weiterhin seine vollständige Macht und Lebenskraft mit einer Beharrlichkeit gegen alles, was man ihm schlimmes angetan hatte; nichts wurde in ihm zerstört. Und deshalb sind die letzten Ereignisse schon ein erstes Vorzeichen der Auferstehung.
In der Herz-Jesu Litanei gibt es eine Anrufung, die m.E. eine der schönsten ist: Cor Jesu, lancea perforatum, miserere nobis! Herz Jesu, mit der Lanze durchbohrt, erbarme dich unser! Und wenn man an das von einer Lanze durchbohrte Herz Jesu denkt, denkt man an das Unbefleckte Herz Mariens ebenfalls durchbohrt von dem Schmerzensschwert, das der hl. Prophet Simeon im Tempel vorausgesagt hatte. Beide Herzen sind zusammenhängend. Es sind zwei Herzen voll des Leidens und der Schmerzen.
Deshalb sagen wir auch diese Anrufung als Stoßgebet und Gruß zu dem Kreuz, wenn wir in die Eingangshalle unten eintreten: „Cor Jesu, lancea perforatum, miserere nobis“. In diesem Moment erinnern wir uns auch daran, dass Maria in geistiger Weise unter allen Kreuzen der Welt steht mit all ihren Fürsprachen und Bitten. Bitten wir sie, dass sie unsere Nöte mit einbeziehe.

Möge das durch die Lanze durchbohrte Herz Jesu sich unser erbarmen, um uns die Heiligkeit und dieses hochgradige geistliche Leben zu erlangen, die zur Berufung unseres Lebens gehören. Möge uns Maria die Gabe verleihen, gegen alle Feinde des Allerheiligsten Herzen Jesu und ihres Unbefleckten Herzen mit aller Kraft energisch und furchterregend entgegenzutreten.

Vortrag am  12.2.65

Montag, 26. Oktober 2015

Die götliche Vorsehung ermöglicht das scheinbar Unmögliche

„Die wirklich gottbezogenen Handlungen gehen durch das Unwahrscheinliche und sehr oft durch das Unmögliche. Ganz gewiss durch das Unvorhersehbare. Nur diejenigen, die den Mut haben dem Unwahrscheinlichen, dem Unvorhersehbaren und manchmal auch dem Unmöglichen entgegenzutreten, sind würdig den Sieg davonzutragen.
Wenn ihr würdig sein wollt zu siegen – darüber habe ich keinen Zweifel, denn ihr seid ja deswegen hier –, wenn ihr siegen wollt, müsst ihr euren Geist vorbereiten für anscheinende Misserfolge, für den Schein einer sehr langen Dauer, den Schein einer Sache, die keine Lösung findet, denn von einem Moment zum anderen ist die Lösung da und in einer Weise, wie man sie nicht erahnte: die göttliche Vorsehung tritt ein, und alles ist gelöst“.

Plínio Corrêa de Oliveira

aus einem Vortrag an junge Leute

Samstag, 3. Oktober 2015

Philosophisches Selbstbildnis VIII - Schluss

Studien, Analysen und öffentliche Verlautbarungen

   Mein Wirken auf dem Gebiet der Glaubenslehre erstreckte sich auch auf Verlautbarungen zu den drängendsten Fragen der Zeit in Presse, Fernsehen und Rundfunk sowie auf die Übersendung von Studien und Analysen über aktuelle Themen an die Obrigkeit. Manchmal tue ich dies in meinem eigenen Namen, öfters jedoch im Namen des Nationalrats der TFP, deren Vorsitzender zu sein ich die Ehre habe. Hier einige Beispiele dieser Tätigkeit.
   - Im Dezember 1970 habe ich in der Tagespresse ein umfangreiches Manifest mit dem Titel Analyse, Verteidigung und Ersuchen um Dialog veröffentlicht, das im wesentlichen doktrinären Charakter trug. Darin verteidigte ich die TFP gegen die Angriffe des damaligen Primas von Brasilien und Erzbischofs von Salvador, Kardinal Eugenio Sales, und wies gleichzeitig auf seine ideologische Nähe zu dem linksgerichteten emeritierten Erzbischof von Recife, Msgr. Helder Camara, hin.
   - 1972 schickte ich dem damaligen Justizminister Alfredo Buzaid eine Analyse zum Vorentwurf des Bürgerlichen Gesetzbuches, in der ich auf eine generelle Tendenz zur Auflösung der Familienbande und eine nicht zu rechtfertigende Voreingenommenheit gegenüber dem Eigentümer-Status zugunsten einer kollektivistischen Auffassung der menschlichen Gesellschaft aufmerksam machte.
   - Im April 1974, als die Ostpolitik des Vatikans ihren Höhepunkt erreichte und damit in der antikommunistisch eingestellten katholischen Mehrheit zu erheblichen Gewissenskonflikten führte, sah ich mich durch die Umstände gezwungen, in aller Ehrerbietigkeit ein Dokument zu erstellen, in dem ich, gestützt auf die katholische Glaubenslehre, die Zulässigkeit einer Haltung des Widerstandes gegen die damals vom Vatikan praktizierte Détente gegenüber dem Kommunismus rechtfertige. Dieses Dokument mit dem Titel Die Entspannungspolitik des Vatikans gegenüber den kommunistischen Regierungen – Soll sich die TFP passiv verhalten oder Widerstand leisten? fand weiteste Verbreitung in der in- und ausländischen Presse.(28)

(28) Das Dokument, ein wahres Manifest, wurde in 57 Zeitungen in elf Ländern veröffentlicht: in Brasilien in 36 Zeitungen aus allen Landesteilen; in Argentinien in „La Nación“ aus Buenos Aires und „La Voz del Interior“ aus Cordoba; in Chile in „La Tercera“ aus Santiago, „El Sur“ aus Concepción, „El Diário Austral“ aus Temuco, „La Prensa“ aus Osorno; in Uruguay in „El País“ aus Montevideo; in Bolivien in „El Diário“ aus La Paz; in Ekuador in „El Comercio“ aus Quito; in Kolumbien in „El Tiempo“ und „El Espectador“ aus Bogotá; in Venezuela in „El Universal“, „El Nacional“, „Ultimas Noticias“, „El Mundo“ und „2001“ aus Caracas; in den Vereinigten Staaten in „The National Educator“ aus Fullerton/Kalifornien; in Kanada in „Speak Up“ aus Toronto; in Spanien in „Hoja del Lunes“ und „Fuerza Nueva“ aus Madrid und „Región“ aus Oviedo. Daneben erschien es auch neben dem „Catolicismo“ in den Zeitschriften und Bulletins der verschiedenen TFPs und nahestehender Vereinigungen: „Tradición, Familia e Propiedad“ in Argentinien, „Fiducia“ in Chile, „Cristandad“ in Bolivien, „Reconquista“ in Ekuador, „Cruzada“ in Kolumbien, „Covadonga“ in Venezuela und „Crusade for a Christian Civilization“ in den USA.

   - Im Februar 1990 verfasste ich angesichts des Falls der Berliner Mauer und des Eisernen Vorhangs nach den politischen Konvulsionen, zu denen es in mehreren Ländern des kommunistischen Blocks gekommen war, ein Manifest mit dem Titel Kommunismus und Antikommunismus an der Schwelle des letzten Jahrzehnts unseres Jahrtausends, in dem ich die große Unzufriedenheit analysiere, die die betroffenen Länder zersetzte und schließlich zu einer Abspaltung vom Sowjetreich führen musste. Das Manifest wurde von den verschiedenen TFP-Vereinigungen in 21 Zeitungen in Amerika und Europa veröffentlicht.
  
Ein echter Denker muss auch ein Beobachter der greifbaren Wirklichkeit des Tagesgeschehens sein

   Als Journalist habe ich meine Karriere im „Legionário“ angefangen, der damals noch das Sprachrohr der Marianischen Kongregation der Pfarrei Santa Cecília war und später zum halbamtlichen Organ der Erzdiözese São Paulo wurde. Von meiner Tätigkeit in der Leitung dieser Zeitschrift, deren Direktor ich von 1933 bis 1847 war, habe ich bereits gesprochen.
Zusammen mit dem größten Teil der früheren Mitarbeiter des „Legionário“ begann ich 1951 die  jüngst gegründete Monatsschrift „Catolicismo“ zu schreiben, die auch heute noch mit zunehmender Durchschlagskraft herausgegeben wird. Im Durchschnitt hat „Catolicismo“ eine Auflage von 15.000 Exemplaren aufzuweisen; hinzu kommen aber auch Sonderausgaben in einer Auflagenstärke von zigtausenden Exemplaren.
   In der Zeitschrift „Catolicismo“ habe ich auch den Redaktionsteil Umwelt, Sitten, Zivilisationen geschaffen und jahrelang betreut; für viele war dies der reiche, originelle Ausdruck einer ganzen Schule intellektuellen Schaffens. Der redaktionelle Teil bestand aus einer vergleichenden Analyse von Aspekten der Gegenwart und der Vergangenheit und beschäftigte sich mit historischen Monumenten, Persönlichkeiten, Kunst und Handwerk, und alles wurde dem Leser mit Hilfe von Abbildungen deutlich gemacht. Diese im Licht der Grundsätze, die ich in Revolution und Gegenrevolution näher erklärt habe, angestellten Analysen sollten zeigen, dass das Alltagsleben sowohl in seinen Höhepunkten als auch in seinen Gemeinplätzen von den höchsten Prinzipien der Philosophie und der Religion durchdrungen werden kann. Und zudem kann sie als geeignetes Mittel der Bejahung oder Verneinung dieser Prinzipien benutzt werden, was zwar auf implizite, aber nichtsdestoweniger insinuierenden und wirkungsvolle Weise geschieht. Deshalb bilden sich die Seelen häufig mehr an lebendigen Prinzipien, die Umwelt, Sitten und Zivilisationen überfluten und durchdringen, als an den manchmal formelhaften, wenn nicht sogar mumifizierten Theorien, die wirklichkeitsfremd in einer einsamen Schreibstube entstanden sind oder in einer staubbedeckten Bibliothek ihre Kraft eingebüßt haben. Daher vertrat Umwelt, Sitten und Zivilisationen den Standpunkt, dass der wahre Denker normalerweise auch ein Beobachter und Analyst der konkreten, fassbaren Alltagswirklichkeit sein sollte. Und wenn er katholisch ist, hat er außerdem die Pflicht, alles daran zu setzen, diese Wirklichkeit in den Punkten zu verändern, in denen sie der katholischen Lehre entgegensteht.
   Von 1968 bis 1990 habe ich regelmäßige Beiträge für die Tageszeitung „Folha de S.Paulo“ geschrieben, in denen ich mich unter dem Gesichtspunkt der Glaubenslehre mit aktuellen nationalen und internationalen Problemen auseinandersetzte. Mit einer selbstverständlich gewordenen Regelmäßigkeit erscheinen diese meine Beiträge auch in nord- und lateinamerikanischen Zeitungen.
  
Der traditionalistische Charakter einer geistigen Strömung hindert diese nicht daran, die Wirklichkeit zu sehen

   In meinen Büchern und Artikeln habe ich ausführlichst den großen Verschleiß des marxistischen Kommunismus angezeigt und seine Unfähigkeit, die Massen mitzureißen und so die Macht zu erobern, weshalb er sich gezwungen sah, auf die Kniffe des revolutionären psychologischen Krieges zurückzugreifen, um auf diese Weise die Revolution vorwärts zu bringen.
   Die späteren Ereignisse sollten einer erstaunten Welt auf tragische Weise die Richtigkeit meiner Behauptungen über den beeindruckenden Verschleiß des sogenannten orthodoxen Kommunismus bestätigen. Ich hebe diese Tatsache hervor, um zu zeigen, dass der traditionalistische Charakter einer geistigen Strömung diese nicht daran hindert, die Wirklichkeit zu sehen, sondern dass im Gegenteil keine weitblickende Gegenwartsanalyse die Tradition entbehren kann, die sie durchdringt und der Zukunft Form gibt, sei es gegen oder für sie.
   Ich habe absichtlich den Ausdruck geistige Strömung benutzt. Ich glaube nämlich, dass sich das Bild meines Denkens und die Früchte meines Einsatzes für die Glaubenslehre mehr als in meinen Büchern und in meiner Tätigkeit als Hochschullehrer und Journalist in einer Studien- und Aktionsgruppe widerspiegeln, die sich anfangs um den „Legionário“ und dann um den „Catolicismo“ herum gebildet hat. Hätte es sich um eine sozialistische oder kommunistische Gruppe gehandelt, so hätte die Propaganda ihren Namen angesichts der Intelligenz, der Bildung und des Urteilsvermögens, die meine noblen Kameraden auszeichnen, schon in aller Öffentlichkeit ausposaunt. Sie aber zogen es vor, uneigennützig die Folgen der Totschweigkampagne auf sich zu nehmen, die in unseren Tagen angeblicher Pressefreiheit unerbittlich die Stimme all derer, die nicht um Chor der Weltrevolution mitzusingen bereit sind, zu ersticken versucht.
   Ich möchte hier vor allem den Namen derer betonen, die die göttliche Vorsehung bereits zu sich gerufen hat: Wegen seiner brillanten Mitarbeit im „Legionário“ und im „Catolicismo“, den Ingenieur José de Azeredo Santos, der ein energischer Polemiker war; den Hochschulprofessor Fernando Furquim de Almeida, der Verfasser verdienstreicher Geschichtsstudien war; den Rechtsanwalt und ausgezeichneten Publizisten und Redakteur José Carlos Castilho de Andrade, in dessen Hand die Beiträge und Texte des „Catolicismo“ unübeltrefflichen Glanz und Korrektheit erreichten. Frucht dieser geistigen Strömung war auch das bereits erwähnte, eindringliche Buch von Fabio Vidigal Xavier da Silveira Frei, der chilenische Kerenski, dem einige politische Beobachter Chiles „prophetischen“ Charakter zugeschrieben haben.
   Aus der in dem erwähnten Studien- und Aktionskreis vereinigten Handvoll Männer ging die Brasilianische Gesellschaft zur Verteidigung von Tradition, Familie und Privateigentum hervor. Diese Gesellschaft ist nicht nur ein wertvolles Instrument zur Verbreitung aller hier erwähnten Werke, sondern auch ein öffentlicher Beweis dafür, dass in der Jugend von heute so wesentliche Werte wie Tradition, Familie und Privateigentum in der Lage sind, Enthusiasmus und eine Hingabe ohne Grenzen erwecken.
   In den Kursen, den Heimen und Sitzen, die die TFP in rund 30 Städten verschiedener Bundesstaaten unterhält, setzt sich die große Mehrheit der Besucher aus Jugendlichen zusammen, die sich später in selbstlose, eifrige Mitarbeiter verwandeln. Allein in Brasilien sind es mehr als 1200.
   Die jungen Mitarbeiter der TFP stammen aus Familien aller Gesellschaftsklassen, angefangen von Vertretern des vormaligen kaiserlichen Adels, der alten Landaristokratie der Ersten Republik und der neuen Kapitalisten aus der Welt der Industrien und Banken der Zweiten Republik, über Vertreter aller mittelständischen Gesellschaftsschichten bis hin zu Vertretern aus den Reihen von Arbeiterfamilien.
   Die TFP rechnet auch mit der Mitarbeit von Korrespondenten und Aufklärern, das heißt von Personen, die zwar nicht Mitglieder der Vereinigung sind, sich aber dennoch ohne Einschränkungen zu den Grundsätzen und Methoden der Gesellschaft bekennen und ihre freie Zeit, die ihnen ihre familiären und beruflichen Pflichten lassen, in den Dienst der Verbreitung der TFP, ihrer Lehren und Ideen stellen.
   Dank der selbstlosen, höchst idealistischen Arbeit der TFP-Mitarbeiter und der Korrespondenten im Maße ihrer Möglichkeiten vermochte die Vereinigung eine ganze Reihe von Kampagnen durchzuführen, deren Erwähnung hier durchaus angebracht ist, sind sie doch ein Widerschein des Denkens, dem ich mein ganzes Leben gewidmet habe:
   - 1966 legte die Regierung Castelo Branco ein die Scheidung befürwortendes Projekt zur Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuches vor. Nachdem sie 50 Tage lang durchschnittlich 400 Unterschriftensammler auf die Straßen geschickt hatte, konnte die TFP insgesamt 1.042.359 Unterschriften gegen die Scheidung vorlegen, und die Regierung zog ihr Projekt zurück.
   - 1968 führte die TFP in ganz Brasilien eine Unterschriftensammlung durch, die Paul VI. veranlassen sollte, Schritte gegen die Unterwanderung der katholischen Medien durch die Linke zu unternehmen. Ausgelöst wurde diese Kampagne durch die Veröffentlichung des berüchtigten Comblin-Dokuments, in dem der in Recife von Erzbischof Helder Camara verborgene belgische Priester Joseph Comblin skandalös subversive Reformen predigte. Aus diesem Anlaß haben 1.600.368 Brasilianer in nur 58 Tagen ihre Protestunterschrift gegeben. Angesichts der Probleme, die sich auch in ihren Ländern zeigten, entschlossen sich die TFP-Verinigungen in Argentinien, Chile und Uruguay, eine ähnliche Kampagne durchzuführen, so dass am Ende insgesamt 2.025.201 Unterschriften an Paul VI. geschickt werden konnten.
   - Im Jahr darauf ging es um die Verbreitung einer Sondernummer der Zeitschrift „Catolicismo“, die die sogenannten „prophetischen Gruppen“ und das IDO-C bloßstellte (29), Organismen, die in die Kirche eingedrungen waren, um sie von innen heraus zu zersetzen und sie schließlich zu subversivem Handeln zu veranlassen. Damals zogen 19 Karawanen junger Propagandisten innerhalb von 70 Tagen durch 514 Städte und Gemeinden (in 20 Bundesstaaten) unseres Landes. Insgesamt wurden 165.000 „Catolicismo“-Exemplare verkauft. Im Verlauf dieser Kampagne hat die TFP auf meine Anregung hin von ihren Mitgliedern zum ersten Mal den inzwischen so bekannten roten Umhang mit dem goldenen Löwen tragen lassen. Neben der Standarte prägen seither diese Umhänge nicht nur das Bild der TFP, sondern bei Gelegenheit der Kampagnen auch das Straßenbild der besuchten brasilianischen Städte.

(29) IDO-C ist die Abkürzung für Internationales Informations- und Dokumentations-Zentrum über die Kirche nach dem Konzil. Es ging jedoch weit über das hinaus, was sein scheinbar unschuldiger Name annehmen lässt. Es handelte sich um eine Moloch-Organisation, zu der große Verlage und einflussreiche Zeitungen und Zeitschriften in den wichtigsten Ländern Europas und Nordamerikas und sogar in einigen Ländern hinter dem Eisernen Vorhang gehörten und die auf diese Weise die Propaganda des sogenannten fortschrittlichen Katholizismus in weiten Teilen der Welt kontrollierte. Die genannte Sondernummer wurde damals von der Sociedad Cultural Covadonga (heute: TFP-Covadonga) herausgebracht. (Anm. des Übers.)

   - 1970 erlebten 50 Städte des ganzen Landes die Kampagne der TFP zur Verbreitung des von mir verfassten Artikel-Manifests unter dem Titel Die ganze Wahrheit über die Wahlen in Chile. Die Kampagne hat spürbar dazu beigetragen, den unheilvollen Einfluss zu bekämpfen, den die kommunistische Propaganda aus Anlass der Wahl des Sozialkommunisten Allende zum Präsidenten der Andenrepublik in Brasilien auszuüben gedachte. Diesmal wurden neben dem massiven Verkauf von Frei, der chilenische Kerenski 550.000 Exemplare des Manifests abgesetzt.
   - Im Dezember des selben Jahres sammelte die TFP im Laufe einer in den vier wichtigsten Hauptstädten des Landes durchgeführten öffentlichen Kampagne eine große Menge an Geld, Kleidung, Spielzeug und Nahrungsmitteln für das Weihnachtsfest der Armen. Der Ertrag wurde Wohltätigkeitseinrichtungen zur Verteilung übergeben.
   - Ende 1972 führte die TFP eine landesweite Kampagne zur Verbreitung des mutigen und äußerst opportunen Hirtenbriefs von Bischof Antonio de Castro Mayer über die Cursillos de Cristandad durch. (30) In diesem Schreiben machte der damalige Bischof von Campos die Katholiken auf die gefährlichen Lehrirrtümer, einschließlich die Öffnung gegenüber dem Kommunismus, aufmerksam, die weite Bereiche dieser Bewegung befallen hatten. In vier Monaten durchzogen dreizehn Karawanen von 120 Propagandisten 1328 Städte und Gemeinden quer durch Brasilien und verkauften insgesamt 93.000 Exemplare des Hirtenbriefs.

(30) Anmerkung der Redaktion: Das genannte Dokument wurde also 10 Jahre vor der Trennung dieses Bischofs von der TFP verfasst.

   - 1974 halfen die TFP-Mitglieder und -Mitarbeiter einsatzfreudig dem Blauen Heer Unserer Lieben Frau von Fatima bei der Durchführung der Pilgerfahrt der Statue Unserer Lieben Frau von Fatima, die in New Orleans (USA) auf wunderbare Weise Tränen vergossen hatte. Die Wohltaten die diese Pilgerstatue den Seelen in Brasilien und andernorts erwiesen hat, ist buchstäblich unschätzbar. Auf ihrer Pilgerfahrt durch Südamerika haben ihr über 500.000 Menschen die Ehre erwiesen.
   - 1975 wurde infolge von Verfassungsänderungsentwürfen das Thema Ehescheidung wieder aktuell. Und wieder ging die TFP auf die Straßen, diesmal mit dem Ziel der Verbreitung des von Antonio de Castro Mayer, dem Bischof von Campos, verfaßten von Hirtenbriefs Für die Unauflöslichkeit der Ehe. In etwas mehr als einem Monat wurden 100.000 Exemplare des Hirtenbriefs verkauft. Die genannten Verfassungsänderungen zur Einführung der Ehescheidung wurden zurückgenommen.
   - Ab Mai 1977 verbreiteten die brasilianische und die übrigen TFP-Vereinigungen Amerikas in ihren jeweiligen Presseorganen und auf Zehntausenden von Flugblättern eine bedeutende Studie, die von der nordamerikanischen TFP den Kongressmitgliedern, den Beamten des Außenministeriums und einflussreichen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in den USA übergeben worden war. Unter dem Titel Menschenrechte in Lateinamerika – Die demokratische Utopie Carters fördert die Ausbreitung des Kommunismus stellte die Untersuchung der nordamerikanischen TFP fest, dass sich die Regierung Carter „das Recht angeeignet hat, dogmatisch und mit absoluter Gültigkeit, als ob sie eine Art unfehlbarer Vatikan wäre, für alle Völker eine große Anzahl strittiger Punkte festzulegen und die Natur der Bürgerrechte zu bestimmen, an die sich alle Völker zu halten hätten“.
   - Ende 1980 kamen mehrere Vertreter der Befreiungstheologie in Taboão da Serra/São Paulo zusammen. Für die Teilnehmer des Treffens veranstalteten die CEBs gesellige Unterhaltungsabende im Theater der Katholischen Universität (TUCA). Der Abend des 28. Februar war dabei eigens der sandinistischen Revolution in Nikaragua gewidmet. Diese Veranstaltung lief schließlich auf einen Aufruf zum Guerillakampf der katholischen Linken Brasiliens und ganz Lateinamerikas hinaus. „Catolicismo“ konnte sich eine (jedem Teilnehmer gestattete) Aufnahme der Veranstaltung verschaffen und veröffentlichte die Reden mit Kommentaren von mir in der Juli-August-Ausgabe 1980. Die Propagandisten-Karawanen der TFP verbreiteten den „Catolicismo“-Bericht im ganzen Land (36.500 Exemplare). Und auch die TFP-Vereinigungen Argentiniens, Kolumbiens, Ekuadors, Uruguays und Spaniens druckten meinen Text über die Sandinistische Nacht ab, so dass der Bericht auf eine Gesamtauflage von 80.500 Exemplaren kam.
   - Auf eine Anfrage von Landbesitzern hin bestätigen die Professoren Silvio Rodrigues von der Rechtsfakultät São Paulo und Orlando Gomes von der Rechtsfakultät Bahia in ihren gut begründeten Gutachten, dass die von der Staatsgewalt im Stich gelassenen Farmer das Recht haben, sich mit der Waffe in der Hand gegen die Aufwieglerbanden zu verteidigen, die in ihre Güter eindringen, um sie illegal zu besetzen. Ab Januar 1986 setzte sich die TFP für eine möglichst weite Verbreitung dieser Gutachten der beiden hervorragenden Juristen ein und sorgte für ihre Veröffentlichung in 87 Tageszeitungen aus 76 Städten in 21 Bundesstaaten.
   - Vom 31. Mai bis Anfang Oktober 1990 sammelten die TFP-Vereinigungen und ihre Repräsentationsbüros im Laufe von 130 Tagen in 26 Ländern (31) auf der ganzen Welt 5.218.020 Unterschriften zur Unterstützung der Unabhängigkeitserklärung Litauens vom Sowjetjoch. Eine elf Mitglieder starke TFP-Delegation übergab die Unterschriften am 4. Dezember 1990 dem Präsidenten von Litauen, Vyautas Landsbergis. Am 6. Dezember ließ sich die bereits nach Moskau weitergereiste Delegation mit der im Winde wehenden Standarte auf dem Roten Platz fotografieren, dabei trugen alle Mitglieder den charakteristischen roten TFP-Umhang. Am darauf folgenden 11. Dezember überreichte die Abordnung im Kreml selbst einen an den Vorsitzenden des Höchsten Sowjet, Michail Gorbatschow gerichteten Brief aller TFP-Vorsitzenden, in dem sie ihn angesichts dieser kategorischen Meinungsäußerung der freien Welt formell baten, alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die die volle Freiheit Litauens verhinderten.

(31) Auch die argentinische TFP hat in diesem Zeitraum das ganze Land durchzogen und dabei 36.882 Unterschriften sammeln können. (Anm. des Übers.)

   - Zu den denkwürdigen Kampagnen der TFP gehören auch die Unternehmungen zur Verbreitung meiner eigenen und der übrigen unter der Schirmherrschaft der Vereinigung veröffentlichten Bücher. Unter diesen ist wegen ihrer Originalität die Reihe Gesellschaftsdialoge hervorzuheben. Sie setzt sich aus mehreren Broschüren zusammen, die verschiedene Aspekte aus dem Themenbereich Kommunismus – Antikommunismus im Hinblick auf die Wahrnehmungsebene des Durchschnittsmenschen behandeln, der diese Sachverhalte in Gesprächen zu Hause oder auf der Straße kommentiert. Die Gesellschaftsdialoge stellen dem breiten Publikum, zusammengefasst und auf das Wesentliche beschränkt, eine Reihe von Argumenten zur Verfügung, mit denen er sich gegen die Schliche der sozialistischen und kommunistischen Propaganda schützen kann. Die drei in Brasilien herausgegebenen Broschüren der Reihe tragen die Titel: Nr. 1 – Ist Privateigentum Raub? Nr. 2 – Sollen wir nur für den Staat arbeiten? Nr. 3 – Ist es antisozial für die Kinder zu sparen? In mehreren aufeinanderfolgenden Auflagen wurden in Brasilien von jeder Broschüre 100.000 Exemplare verkauft.
   - Weitere TFP-Unternehmungen: Veröffentlichung von Manifesten in Zeitungen und Zusendung von Untersuchungen an die Behörden mit Hinzuweisen auf die Sozialisierungsaspekte des Mieterschutzgesetzes.; Brief an den Präsidenten Castelo Branco zugunsten eines Pressegesetzes, das die Unterdrückung von Missbrauch mit einer gerechten und angemessenen Freiheit verbinden sollte; Jahresmessen 1. für die Seelen der Opfer, die der Kommunismus seit 1917 durch Terrorakte auf der ganzen Welt uns besonders in Brasilien verursacht hat, und 2. für die Befreiung der von der roten Sekte versklavten Völker; Kampagnen der Studenten der Vereinigung mit dem Ziel, die Jugend an den Hochschulen auf den Ursprung und die linksgerichteten Ziele gewisser Studentenrevolten aufmerksam zu machen; an das Justizministerium gerichtete Information gegen die Abtreibung; methodische Besuche in Krankenhäusern, um den kranken Menschen, vor allem aber den ärmsten und verlassensten unter ihnen, den Trost der christlichen Botschaft und materielle Hilfe zu überbringen; Sammlung von Kleidern und Nahrungsmitteln bei den Wohlhabenden zur Verteilung in den Armenvierteln.
   Wollte ich hier alles anführen, was die TFP zur Verbreitung der Glaubenslehre und im Kampf der Ideologien geleistet hat, käme ich an kein Ende. Ich habe deshalb nur die großen Kampagnen der Vereinigung erwähnt, die ich gegründet habe und deren Nationalrat vorzusitzen ich die Ehre habe. Es ist angebracht, hier von ihnen zu sprechen, denn sie vervollständigen die Darstellung der von mir verteidigten Grundsätze noch besser als mein philosophisches Bild.

Auf dem Gebiet der Ideen gibt es nicht nur das Alte und das Neue, sondern vor allem das Wahre und das Ewige

   Beim Lesen dieses Philosophischen Selbstbildnisses wird vielen von Anfang an ein Einwand gekommen sein: Das ist doch alles anachronistisch und wird in der Welt, in der wir leben, keine Wurzeln schlagen können.
   Die Fakten zeigen in die entgegengesetzte Richtung. Auf dem Gebiet der Ideen gibt es nicht nur das Alte und das Neue, wie es die Evolutionisten wahr haben wollten. Es gibt da vor allem das Wahre, das Gute, das Schöne und das Ewige im unversöhnlichen Widerspruch zum Irrtum, zum Bösen und Hässlichen. Und angesichts des verum, bonum und pulchrum verhalten sich weite Bereiche der modernen Jugend nicht nur nicht unempfindlich, sondern sie haben sich sogar für ihre Ausbreitung entschieden.
   Die Tradition des Ewigen ist nicht der Tod, sondern das Leben. Das Leben von heute und das Leben von morgen. Wie sonst wäre die offensichtliche Tatsache zu erklären, dass die verschiedenen TFP-Vereinigungen einen solchen Widerhall in den jüngsten Bereichen dieses unseres äußerst jungen Kontinents finden.
   Ich will nicht nur ein Verteidiger des Vergangenen sein, sondern – zusammen mit anderen lebendigen Kräften – an der Gegenwart mitarbeiten und die Zukunft vorbereiten. Ich bin sicher, dass die Grundsätze, denen ich mein Leben gewidmet habe, heute aktueller sind als je zuvor, und dass sie den Weg zeigen, den die Welt in den kommenden Jahrhunderten beschreiten wird.
   Die Skeptiker mögen lächeln. Doch das Lächeln der Skeptiker vermochte noch nie den siegreichen Vormarsch derer, die glauben, aufzuhalten.

   „Ubi Ecclesia ibi Christus, ubi Petrus ibi Ecclesia. Deshalb gilt dem Heiligen Vater unsere ganze Liebe, unsere ganze Begeisterung, unsere ganze Hingabe.
   Und mit diesen Gefühlen, die die Seiten des „Catolicismo“ seit seiner Gründung bewegen, haben wir uns auch für die Veröffentlichung der vorliegenden Arbeit entschlossen. In unserem Herzen gibt es nicht den geringsten Zweifel über jede der darin ausgedrückten Thesen. Dennoch unterwerfen wir sie bedingungslos dem Urteil des Stellvertreters Christi und sind bereit, unverzüglich auf jede von ihnen zu verzichten, wenn sie auch nur im Geringsten von der Lehre der Heiligen Kirche, unserer Mutter, Arche des Heils und Pforte des Himmels, entfernt sein sollte.“(32)

(32) Revolution und Gegenrevolution. Plinio Corrêa de Oliveira. Abschluß. Ed. Tradición, Familia y Propriedad, Buenos Aires, 1992.

Diejenigen, die jede Art von Pakt mit der Irrlehre zurückweisen
Wer sind wir?

   Wir sind die, die vor Baal (33) auch nicht ein einziges Knie beugen! Wir, die wir das Gesetz Gottes in Bronze in unsere Seelen geschrieben haben und nicht zulassen, dass die Lehren dieser Welt ihre Irrtümer diesem Bronze aufprägen, das die Erlösung geheiligt hat. (34-1)

   Wer sind wir?
   Diejenigen, die die unbefleckte Reinheit der rechten Lehre als den wertvollsten Schatz betrachten und jeden Pakt mit der Irrlehre, ihren Werken und Einflößungen zurückweisen ... Wir, die wir der unverschämten, auf sich selbst stolzen Gottlosigkeit und dem Laster, das sich aufbläht und die Tugend verspottet, nicht nachgeben. (34-2)
   Wer sind wir?
Diejenigen, die im Sturm, in der scheinbaren Unordnung, in der scheinbaren Trübsal, im scheinbaren Untergang von allem, was für uns der Sieg bedeuten würde, vertraut und nie gezweifelt haben, selbst wenn das Böse für immer gesiegt zu haben schien.
   Wer sind wir?
   Wir sind Söhne des Vertrauens und werden seine Helden sein, die Vorkämpfer dieser Tugend!
   Je mehr die Ereignisse die Stimme der Gnade zu widerlegen scheinen, die uns sagt „ihr werdet siegen“, desto mehr werden wir an den Sieg Marias glauben! (34-3)

(Plinio Corrêa de Oliveira)

(33) Nach dem Alten Testament, Idol des Kanaaneischen Volkes, wurde oft von den Israeliten angebetet, wenn diesen die wahre Verehrung Jehovas aufgaben und sich der Idolatrie hingaben. In dieser Hinsicht bedeutet „die Knie vor Baal beugen“ heute, von der wahren, katholischen, apostolischen und römischen  Religion abfallen und ins neuen Heidentum abzugleiten.

(34) Der erste oben zitierte Abschnitt stammt aus dem „Legionário“ vom 22. Dezember 1946; der zweite aus einem Vortrag, den Prof. Plinio Corrêa de Oliveira für die Mitglieder und Mitarbeiter der TFP am 9. August 1995 gehalten hat; und der dritte aus einem Vortrag vor dem gleichen Publikum am 20. Dezember 1991.


SCHLUSS