Sonntag, 22. Juni 2014

Mutter: Liebe, Zärtlichkeit, Güte und Barmherzigkeit


Plinio Corrêa de Oliveira

Die Muttergottes ist der Inbegriff aller Mütter.

Manchmal empfindet ein Kind symbolisch die Güte seiner Mutter in der geordneten Atmosphäre der Familie.

Die herrschende Liebe in dieser Familie schafft die Gelegenheiten für das Herabströmen von Gnaden.

Die ersten Erfahrungen eines Kindes mit dieser gegenseitigen Zuneigung gibt ihm die Möglichkeit, selbst im jüngsten Alter, Vergleiche zu ziehen zwischen dem Leben in und außerhalb der Familie.

Es wird sagen: „Es gibt nichts wie die Familie!“
Es sieht, dass die Güte und Liebe, die es erfährt, es nirgendwo anders gibt.
Die Heilige Familie, Mutter Anna und Zacharias
All diese Hingabe und Zuneigung kann in einem Wort zusammengefasst werden: Familie.

Während man sich unter dem Wort Familie eine Mehrzahl von Personen vorstellt, gibt es ein anderes Wort, das die Quintessenz der Familie ausdrückt: Mutter.

Eine gute Mutter ist der Inbegriff von Liebe und Zärtlichkeit und folglich von Güte und Barmherzigkeit.

Durch den Kontakt mit seiner Mutter beginnt das Kind zu verstehen was unermüdliche Güte, Huld, Beistand und unerschöpfliche Liebe ist.

Es erfährt diese mütterliche Zuneigung dadurch, dass sich die Mutter niemals müde oder gelangweilt zeigt, mit ihrem Kind zu sein.

Für eine wahre Mutter besteht die Freude des Lebens darin, ihr Kind in den Armen zu halten, es herunter zu lassen und ihm nachschauen, wie es hin und her läuft und sich unaufhörlich mit den Fragen ihres Kindes zu beschäftigen.

Das Kind, das in der Welt die Freude wahrnimmt, die eine gute Mutter ihm bereitet, wird auch einmal merken, dass das Leben schwer sein kann.

Dennoch, in dem Maß, in dem es sich an seine Mutter erinnert, erinnert es sich an das Paradies seiner Kindheit.
Mit dieser Erinnerung bewahrt es die Hoffnung auf das himmlische Paradies, wo die heiligste Mutter es empfangen wird.


Auszug eines Vortrages von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira am 14. März 1993. Seine Worte wurden übersetzt und zur Veröffentlichung angepasst ohne seine Revision.

Samstag, 21. Juni 2014

Der Hass gegen das Herz Jesu während der französischen Revolution



Am Vorabend der Französischen Revolution verbreitete sich die Verehrung des Heiligsten Herzen Jesu über die ganze Welt. Die Offenbarung Jesu an die hl. Margareta Maria Alacoque, Theologen, die sich mit dem Thema befassten, machten diese Andacht überall bekannt.
Bischof Scipione de'Ricci
Im Gegenzug wurde diese Andacht von Feinden der Kirche sehr gehasst und bekämpft. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts, zum Beispiel, war Scipione de’ Ricci, der bekannte Bischof von Prato und Pistoia, Jansenist und ein aktiver Kämpfer gegen die Verehrung des Herzen Jesu. Im Empfangssaal seines Palastes hing ein großes Gemälde in dem er selbst dargestellt war, wie er ein Bild des Heiligsten Herzen Jesu zerreißt. Wenn ich mich nicht irre, gab es ebenfalls im Palast des Groß-Herzogs von Toskana (auch Erzherzog von Österreich) ein solches Gemälde.
Die Hauptstadt der Toskana ist Florenz. Man kann also ersehen wie der Hass der Feinde der Kirche sich gezielt gegen die Verehrung des Heiligsten Herzen Jesu richtete. Und das ging so weit, dass es ihnen gelungen ist diese Andacht fast gänzlich zu unterdrücken.
Dieser Hass führte dazu, dass die Revolutionäre während der Französischen Revolution, als der blutrünstige und infame Marat ermordet wurde, sein Herz als „das heiligste Herz Marats“ öffentlich wie eine Replik des Heiligsten Herzen Jesu zur Verehrung brachten. Wenn die Revolution etwas Erhabenes lächerlich machen und zerstören will, greift sie zur schändlichen und sakrilegischen Nachäfferei – man sagt, die Freimaurerei sei die Äffin der Kirche, weil sie die frommen und heiligen Übungen der katholischen Kirche spöttisch übertreibend nachahmt.
Vergleichen wir – wenn es überhaupt ein Vergleich möglich ist – das Herz Jesu mit dem Herzen Marats: Das Herz Jesu ist der unendliche Abgrund aller Tugenden; das Herz Marats war ein begrenztes aber großes, ausgefülltes Sammelbecken allen menschlichen Unrats, Schmutzes und Boshaftigkeiten. Er war ein ekelhafter Typ, eine Hyäne. Der Kontrast zum Herzen Jesu hätte nicht krasser sein können.
Jean Paul Marat
Hören wir nun, wie die Verehrung zum Herzen Marats vor sich ging (aus „Weltgeschichte“ von Dr. J. B. Weiß, Bd. 17, S. 196, Buchdruckerei und Verlags-Buchhandlung Styria, 1895):
„Dann wurde die Leiche (in das Grab) versenkt, die Tränen strömten, und mit zerrissenem Herzen kehrte jeder in sein Haus zurück“.
Hier sehen wir eine billige Nachahmung der Abnahme Jesu vom Kreuz und seiner Grablegung. Danach gingen sie mit zerknirschtem Herzen nach Hause.
„In der Kirche der Cordeliers wurde eine Chapelle ardente für das in einer der schönsten Urnen des Kronschatzes aufbewahrte Herz Marats hergerichtet. Kerzen brannten hier zu Ehren des neuen Gottes, wie jetzt in der Kirche zu Ehren der heiligen Genoveva. Man pilgerte dahin. Litaneien wurden hier mit Marats Namen abgehalten, und man betete hier zu seinen Wunden und zu seinem Herzen.“
Da war wohl sicher die Herz-Jesu-Litanei, umgestaltet auf dem Namen Marats. Dieser litt an einer Art Aussatz, einer Hautkrankheit, die seinen Körper mit Wunden übersäte und starken Juckreiz verursachte. Er befand sich in einem Heilbad in der Badewanne, wo er gewöhnlich seinen Schreibarbeiten nachging, als er von Charlotte Corday mit einem Dolch ermordet wurde.
So verehrten die Menschen alle seine Wunden, nicht nur des Herzen sondern seines ganzen Körpers in Anspielung an die Wunden die den heiligsten Leib Jesu bedeckten.
„Beaulieu erzählt, er habe ein gedrucktes Gebet in den Händen gehabt, welches mit den Worten begann:  ,O Herz Jesu, o Herz Marat! O heiliges Herz Jesu, o heiliges Herz Marat!‘ Auf dem Carrouselplatze hatte man eine Pyramide, in welcher man seine Büste, seine Badewanne, sein Tintengeschirr, seine Lampe aufbewahrte, und stellte Tag und Nacht zu ihrem Schutze eine Schildwache auf. In der Festrede wurde gleiche Huldigung für das Herz Marats, wie für das Herz Jesu gefordert, aber geschlossen mit dem Satze: ,Jesus war ein Prophet, Marat ein Gott!‘ Die Jakobiner und Cordeliers wurden den Aposteln, die Kaufleute den Zöllnern, die Aristokraten den Pharisäern gleichgestellt, und Simone Evrard der Mutter Gottes: diese habe das Jesuskind nach Ägypten, jene aber Marat vor dem Schwerte des neuen Herodes-Lafayette gerettet. – Mercier erzählt: ,Auf allen öffentlichen Plätzen errichtete man ihm zu Ehren Tempel, Mausoleen, Triumphbögen.‘“
Das sind schamlose Seiten der Französischen Revolution, die vorsichtig vertuscht werden, damit sie niemand weiterzählt.
„Von Paris verbreitete sich dieser Wahnsinn durch Frankreich. Havre de Grace (heute Le Havre) will nicht mehr von der Gnade Gottes oder des Königs wissen – es legt sich den Namen ,Havre de Marat‘ bei. Der Montmartre ist lange genug nach dem Gotte Mars benannt worden – er heißt fürder der Montmarat. In allen Departements werden Knaben nach ihm getauft, entstehen also kleine Marätchen.
„In Straßburg wurde im uralten Dome Marats Büste aufgestellt und dabei eine Rede über seine Verdienste, über sein Märtyrertum gehalten, in welcher er nicht bloß mit Sokrates, sondern auch mit Christus verglichen war: ,Wie Jesus liebte Marat nur das Volk, und liebte nur es. Wie Jesus verabscheute Marat die Könige, die Adeligen, die Priester, die Reichen, die Schurken. Wie Jesus hörte er niemals auf, diese Pest der Gesellschaft zu bekämpfen, und wie Jesus führte er ein mäßiges und ärmliches Leben. Wie Jesus, war Marat äußerst gefühlvoll und menschlich, er hatte die erhabene Seele Rousseaus. Er trug in seinem Herzen alle Unglücklichen.‘“
Wir sehen welches Ausmaß die Gotteslästerung angenommen hatte, wie weit der Hass der Revolutionäre gekommen ist, indem sie den schlimmsten Verbrecher mit Jesus verglichen und nachahmten. Es erinnert an den Moment, wo das Volk die Befreiung des Mörders Barabas wählte und Jesus ans Kreuz wünschte. Doch glaube ich, dass Marat noch schlechter war als Barabas, denn dieser war noch lange nicht mit so vielen und schlimmen Verbrechen beladen wie Marat.
Machen wir einen kleinen Exkurs.
Wir halten das hier Beschriebene für ein fürchterliches Verbrechen, eine abscheuliche Sünde gegen das Heiligste Herz Jesu. Und wir haben guten Grund dazu. Aber haben wir schon darüber nachgedacht, welche Verbrechen und Sünden dieser Art gegen die Herzen Jesu und Maria die Welt noch vorbereitet? Welchen Gotteslästerungen werden wir noch ausgesetzt sein? Gibt es heute nicht moderne Propheten, die mit Nachäffereien verkünden, das sie Jesus Nachfolgen? Wie viel Schimpf, wie viel Sünde, wie viel Blasphemie werden wir noch wahrnehmen müssen in dem unaufhaltsamen Lauf der gegenwärtigen Zersetzung aller göttlichen Werte?
In dieser Hinsicht müssen wir Folgendes betrachten: Als das Heiligste Herz Jesu blutete, als es im Ölgarten und während der ganzen Passion gelitten hat, hatte es nicht nur diese Leiden im Sinn, sondern die Schmerzen, die ihm die Sünden der ganzen Menschheit bis zum Ende der Zeiten bereiteten. Wenn die gegenwärtigen Sünden fürchterlich sind, so hat das Herz Jesu den verursachten Schmerz dieser auch damals gelitten.
Man kann wohl sagen, dass die Sünden der Gegenwart schlimmer sind als alle Sünden, die nach dem Gottesmord begangen worden sind. Da gibt es kein Zweifel. Aber dann haben diese Sünden  des 20. und 21. Jahrhunderts dem Herzen Jesu mehr zugesetzt, als die des damaligen gewalttätigen Todeswegs.
Maria folgte den Leidensweg Ihres Sohnes aus der Nähe. Das Evangelium erzählt uns, im Rahmen der Ereignisse um die Geburt Jesu, dass „Maria behielt alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen“ (Lk 2,19). Dies tat sie ihr Leben lang und besonders in Verbindung mit den Ereignissen des Leidens und Sterbens ihres göttlichen Sohnes.
„Maria behielt alles und erwog es in ihrem Herzen“. Sie dachte an all diese Dinge, sie betrachtete sie, litt wegen alldem. Alle Sünden bereiteten auch ihr Schmerzen, auch die gegenwärtigen und in Vorahnung auch die Sünden der Zukunft.
Hier haben wir nun Anhaltspunkte für die Novene zur Vorbereitung auf das Fest des Unbefleckten Herzen Mariens. Mit diesen Gedanken können wir teilnehmen an der schmerzlichen Vorahnung der Muttergottes im Hinblick auf die Sünden unserer Zeit. So bereiten wir uns entsprechend auf das Fest vor.
Es ist hier nicht fehl am Platze daran zu erinnern, dass Maria, so viel sie auch gelitten hat, das Leid immer mit großem Vertrauen annahm. Sie wusste, dass am Ende der Sieg Unserm Herrn Jesus Christus gehören würde, und folglich auch ihr. Deshalb war dieses Leiden auch durchwebt mit Freude. Sie wusste, dass die heilige Kirche auch in unseren Tagen siegen würde. Sie wusste, dass ihr Sohn in den Himmel auffahren und sie ihm glorreich folgen würde, und dass die Herrlichkeit Gottes die Sünden aller Zeiten überwinden würde.
Auch wir sollen diese Zeiten mit Freude durchschreiten, in der Gewissheit, dass, je tiefer die Trauer auch sein wird, in der wir uns befinden werden, die Freude um so größer sein wird, wenn wir sehen, dass Mariens Schmerzen gesühnt worden sind, die Revolution zerschmettert wurde und das Reich Mariens eingeführt wird. Es wird die Erhöhung der Katholischen Kirche bedeuten, von den Engeln erhoben über alles in der Welt; sie wird mit größerer Schönheit glänzen, wie nie zuvor. Diese Mischung aus Freude, Trauer und Hoffnung soll uns immer begleiten.
(Vortrag am 14. August 1969)


Freitag, 20. Juni 2014

Die Stunde der Barmherzigkeit wird kommen


Das Fest der hl. Margareta Maria Alacoque, das die Weltkirche heute (16. Oktober) feiert, brachte mir ein vergangenes Ereignis in Erinnerung, das nicht so uninteressant ist für die heutigen Tage.
Als die demütige Nonne in Frankreich lebte und ihr das Heiligste Herz Jesu erschien und so milde vertrauliche Botschaften übertrug, herrschte König Ludwig XIV., dem die weltweite Bewunderung den Titel eines Sonnenkönigs verlieh. Dieser Beiname entsprach der Wirklichkeit. Mazarin, der mit ihm eng befreundet war, sagte, dass Ludwig das Talent für fünf Könige hatte. Vom physischen wie vom moralischen Standpunkt aus verkörperte er die klassische Figur der Märchenkönige, die die Phantasie der Kinder begeistern. Seine männliche und majestätische Schönheit hervorgehoben durch perfekte adelige Haltung und Gesten und einer hervorragenden Auswahl der Kleidung, erhob ihn zum höchsten Vorbild des Edelmannes seiner Zeit. Die Eigenschaften der Intelligenz und des Charakters entsprachen dem physischen Aspekt seiner Person. Seine Intelligenz hell, umfassend, methodisch und vorbildlich ausgewogen. Sein Wille hatte eine gebieterischen Kraft, der jedes Hindernis nachgab. Er besaß eine souveräne Selbstbeherrschung, dass er sich keine extremen Äußerungen von Zorn, Freude oder Schmerz erlaubte. Im Gegenteil, alle Ereignisse trafen ihn wie immer gleich gelassen, gleich mächtig und gleich überlegen. Dermaßen hatte sich sein Wesen mit den Pflichten seines Metiers als König abgefunden, dass das Protokoll für ihn seiner Natur entsprach und selbst in seinen niedrigsten Obliegenheiten zeigte sich das hohe Bewusstsein seiner Würde und seiner Pflichten.
*    *    *
Wenn Gott jemanden außerordentliche natürliche Eigenschaften schenkt, welcher Natur auch immer, bürdet er ihm auch schwere Verantwortung auf.
Es wird erzählt, dass Voltaire bei den Jesuiten seine Ausbildung erhielt. Diese waren hoch beeindruckt von der Intelligenz des Jungen, so dass sie meinten, daraus würde einmal ein Heiliger oder ein Teufel werden.
Ludwig XIV. war eine dieser privilegierten Seelen, die Gott zu großen Unternehmungen berufen hat. Solche Berufenen sind deshalb immer in Gefahr, in die tiefsten Abgründe zu fallen, wenn sie von der Berufung abweichen. Wenn Ludwig ein neuer Heiliger wie Ludwig IX. hätte sein wollen, wäre wahrscheinlich die Französische Revolution nicht ausgebrochen, hätten die Folgen der Reformation unheilbaren Schaden erlitten und der Lauf der Geschichte, statt die Abgründe zu durchschreiten, in denen wir uns befinden, wäre in eine ganz andere Richtung gegangen.
Doch Ludwig XIV. wollte kein neuer hl. Ludwig sein. Sinnlich, lustgierig, ehrgeizig und äußerst eitel, opferte er seiner Unzucht und dem, was er meinte sein Ruhm zu sein, Zeit, Mittel und Ruf auf, die Gott ihm für einen ganz anderen Zweck gegeben hatte. Durch sein schlechtes Beispiel stürzte er sein Reich ins Verderbnis, verursachte Kriege, um seine Länder zu vergrößern, spaltete die katholischen Mächte, die gegen die Ausbreitung des Protestantismus zu kämpfen hatten, traf in ein Bündnis mit dem Islam gegen das Heilige Römische Reich. Durch all dies verstieß er gegen die elementarsten Pflichten eines Königs und erhielt den verdiente den Tadel der aller echt katholischen Franzosen seiner Zeit, selbst derer, die ihm treu ergeben waren.
Der Gerechtigkeit Willen muss jedoch hinzugefügt werden, dass das Leben dieses großen Königs Höhen und Tiefen zeigte. Wenn in gewisser Hinsicht er ernsthaft seinen Verpflichtungen gegenüber der Kirche nicht nachgekommen ist, so hat er doch andererseits ihr auch gute Dienste geleistet, unter denen die weise Aufhebung des Edikt von Nantes (...).
Doch Alles in Allem, wahr ist, dass der König nicht seiner Aufgabe nachgekommen ist, zu der er von der göttlichen Vorsehung berufen worden war.
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Nun kommt die demütige Nonne aus Paray-le-Monial dazwischen. In einer Offenbarung teilte ihr der göttliche Erlöser mit, sie solle dem König sagen, er solle sich und sein Reich dem Heiligsten Herzen weihen. De Mitteilung wurde in Befehlston gesprochen und ließ deutlich vormerken, dass eine Ablehnung von Seiten des Königs, ihm und Frankreich die strengsten Leiden aufbürden würde.
Es ist eindeutig, dass das Heiligste Herz Jesu nicht nur eine Weihe „pro forma“ wollte, sondern eine echte Weihe, die eine Entsagung aller Sünden und Irrtümer des Monarchen voraussetzte.
Die hl. Margareta Maria schickte dem König die Botschaft über einen Adeligen, mit dem sie in Verbindung stand, der sie ihm überreichte. Doch Ludwig gab ihr keine Achtung, hielt sie für nicht wichtig. So wurde die Weihe nicht vollzogen.
Mit der Ablehnung dieser von der Vorsehung gesandten Gnadenquelle, schlitterte das Reich in die Abgründe der Gottlosigkeit und der Freigeisterei, bis das der Überlauf dieser Übel, die Französische Revolution, den Thron der Bourbonen zu Boden stürzte und über die ganze Welt die diabolische und zündende Fackel des Geistes der Aufruhr verbreitete.
Ludwig XVI im Gefängnis
Man weiß jedoch nicht, ob die Erinnerung an die Mitteilung der hl. Margareta in der Familie der Bourbonen sich erhalten hat oder ob folgende Handlung Ludwig XVI. eine spontane fromme Bewegung war. Es wurde nämlich unter den Papieren, die der König im Gefängnis des Tempels hinterlassen hat, ein Schriftstück gefunden, in dem er Gott versprach, falls er die Revolution lebend überstehen würde, sich und Frankreich feierlich dem Heiligsten Herzen Jesu weihen, und dass er sofort im Gefängnis diese Weihe privat vollziehen würde. So glaubte er hoffen zu können, dass das Heiligste Herz Jesu Frankreich aus den Gräueln der Revolution herausziehen würde.
Der fromme und unglückliche Monarch vollzog also im Gefängnis den Weiheakt, den sein Vorfahre sich geweigert hatte in der Pracht und Herrlichkeit des Schlosses von Versailles durchzuführen. Es scheint aber, dass die Stunde der Barmherzigkeit schon abgelaufen und es schon zu spät war, den Lauf der göttlichen Gerechtigkeit aufzuhalten.
Persönlich wurde Ludwig XVI. mit der Gnade belohnt, auf erbaulicher Weise zu sterben. Einige meinen er sei den Tod eines Märtyrers gestorben. Als er zum Schafott hinaufstieg, erzählt man, wollte der Henker seine Hände mit Stricken fesseln, was er mit aller Entschiedenheit verweigerte, so dass es zu einem kurzen Handgemenge kam. Der König wandte sich dann zu seinem Beichtvater, der ihn begleitete, und fragte, was er davon hielte. Sofort antwortete der Priester: „Wenn Eure Majestät sich fesseln lassen, wird ihr Tod ein weiteres Merkmal der Ähnlichkeit mit dem Tod unseres Erlösers haben“. Ohne zu zögern gab der König den Widerstand auf. Kurz darauf fiel sein Kopf unter der Klinge des Fallbeils. Der Priester, der ihn begleitete, rief aus: „Sohn des hl. Ludwig, steige zum Himmel hinauf“!
*     *    *
Es ist möglich, dass die Stunde die Barmherzigkeit vergangen war. Doch nicht endgültig. In Frankreich gab es von dieser Zeit an zu viele Heilige, dass man sagen könnte, die Stunde der Barmherzigkeit Gottes wäre vorbei. Selbst heute, wenn Frankreich in tiefer Trauer liegt und eine Hälfte der Bevölkerung die andere nicht mehr anerkennt, kann man behaupten, dass es Heilige gibt. Wirkliche Heilige, authentische Heilige, die im Halbdunkel des Landes leben und durch ihre Buße, Gebete und Arbeit das große Frankreich von Morgen vorbereiten, das weder das liberale Frankreich von Gestern sein wird noch das totalitäre Frankreich von Vichy, aber das katholische Frankreich Unseres Herrn Jesus Christus.
Während in Europa die Gesetzgeber eine Reform der Institutionen, das Militär eine Reform der Grenzen, die Banken eine Reform der Wirtschaft ganz nach dem Geschmack der modernen Häresien durchführen, führen im Halbdunkel die Heiligen eine Reform der Seelen durch. Durch eine echte Reform der Seelen werden sie die falschen Reformen der Institutionen und der Wirtschaft zerstören.
Therese Neumann
Keinen anderen Sinn hat das Werk der großen und heiligen Therese Neumann, die die Vorsehung wie eine Blume der Hoffnung und des Trostes in Deutschland gepflanzt hat, das von einem grauen Mantel bedrückender Traurigkeit bedeckt ist. Es sind Seelen wie Therese Neumann, die die großen Siege erreichen über Menschen wie Hitler. Mit Sicherheit ist Therese Neumann nicht die einzige Sühneseele in Deutschland und es fehlen in Frankreich bestimmt nicht ähnliche wie sie...

(Legionário Nr. 423, 20. Oktober 1940 - freie Übersetzung)

Donnerstag, 19. Juni 2014

Die 12 Versprechungen des Heiligsten Herzen Jesu

Plinio Corrêa de Oliveira

Die Versprechen des Heiligsten Herzen Jesu, die der hl. Margareta Maria mitgeteilt wurden, sind folgende:
1. Die, welche dieses heilige Herz verehren, werden nie verloren gehen.
Das ist ein Versprechen von unendlichem Wert, weil es unser ewiges Leben betrifft. Wer diese Andacht praktiziert, wird nie verloren gehen.
2. Die lauen Seelen werden eifrig werden und die eifrigen werden auf dem Weg zur Vollkommenheit voranschreiten.
Ich gebe zu, dass der erste Teil dieses Versprechen ein größeres Wunder ist als der zweite. Denn, dass eine eifrige Seele die Vollkommenheit erreicht, hat man des Öfteren gesehen, selbst darum, weil man in der Regel nur die Vollkommenheit erreicht, wenn man eifrig ist. Aber, dass laue Seelen eifrig werden, ist viel schwieriger, als eine ägyptische Pyramide mit dem kleinen Finger zu verschieben. Die Lauheit ist wie im Schlamm festgefahren sein, ein solch trostloser, abscheulicher, trauriger Zustand, aus dem man nur durch ein Wunder herausgezogen werden kann. Und das ist das Versprechen des Heiligsten Herzen Jesu.

3. Den Aposteln des Heiligsten Herzens wird die Gabe verliehen, auch die verhärtesten Herzen zu rühren.
Welch ein herrliches Versprechen für eine Zeit voller amtlicher Apostolatseinrichtungen. Man spricht viel von erfolgreichem Apostolat. Wer aber besitzt diese Gabe, die verhärtesten Herzen zu rühren? Wie anders wären viele Angelegenheiten in der Welt, wenn es Seelen gäbe, die die verhärtesten Herzen bewegen könnten. Wie leicht wäre es durch diese Andacht und durch die Verehrung des Unbefleckten Herzen Mariens dies zu erreichen! Wenn wir so oft bedauern, dass unser Apostolat nicht so schnell läuft, wie wir es wünschen, müssen wir das der Tatsache zuschreiben, dass keine Verbundenheit zwischen uns und dem Herzen Jesu und Mariä besteht. Welch eine ideale Erfindung! Doch sie wurde von Anfang an verschmäht.
Erinnern wir uns an den Bischof von Pistoia, der letzte General der Gesellschaft Jesu bevor sie durch Papst Klemens XIV. aufgehoben wurde: Er ließ ein Selbstbildnis malen, das er im Nobelsalon seines Palastes aufhängte (das war im 18. Jahrhundert), auf dem er sich darstellte, beim Zerreißen eines Bildes des Heiligsten Herzen Jesu.
4. Alle Wohnungen, in welchen das Bild des Heiligsten Herzens aufgestellt und verehrt wird, werden mit einer Fülle von Segen bedacht.
Für die Spendung von Segen in Fülle, reicht es ein Bild des Herzens Jesu zu verehren.
5. Getrennte Familien werden wieder vereinigt und ihnen wird Frieden geschenkt. Er wird all denjenigen beistehen, die in Not sind und sich an Ihn mit Vertrauen wenden.
Was von den Familien gesagt wird, gilt natürlich weit mehr für Seelenfamilien, damit sie die Einheit erlangen. Nicht nur eine Einheit in der es keine Streitigkeiten gibt, sondern eine immer tiefere Einigkeit der Seelen.
6. Er, Jesus, wird die süße Salbung seiner brennenden Liebe über alle Gemeinden auszugießen, welche ihn verehren und sich unter seinen besonderen Schutz stellen werden: Er wird die Züchtigungen seiner göttlichen Gerechtigkeit entfernen, um sie wieder eifrig zu machen, wenn sie lau geworden sein sollten.
7. Im Übermaß der Barmherzigkeit seines Herzens verspricht der Herr, dass seine allmächtige Liebe all denen, welche neun Monate nacheinander am ersten Freitag kommunizieren, die Gnade der endlichen Bußfertigkeit gewähren wird; sie werden nicht in seiner Ungnade, noch ohne Sakramentenempfang sterben und sein Herz wird für sie eine sichere Zuflucht in dieser Stunde sein.
Wir sehen, es sind Versprechen, jedes einzelne wunderbarer als das andere. Es sind unfassliche Versprechen, die so leicht eingelöst werden können.
Zum Schluss noch ein Wort des Heiligsten Herzen Jesu an Sr. Josefa Menendez vom 8. Juni 1923:
„Öffne mir dein Herz und lass mich hinein, denn ich selbst werde dich reinigen. Lege alles ab, damit du nichts von deinen Wünschen, deinen Vorlieben, deinen Urteilen zurückhältst. Dann füge dich ganz dem Willen dessen, den du liebst. Lass mich mit dir tun, was ich will und nicht was du erwartest. Du musst in meinem Willen so weit kommen, dass mein Wille in dir, der Deine sei. Ich will die vollständige Unterwürfigkeit und die Vereinigung deines Willens mit meinem Willen und meinem Belieben. Du hast mir alle Rechte zu dem gegeben durch dein feierliches Gehorsamsgelübde. Wenn die Seelen verstehen würden, dass sie niemals so frei sein werden, wie wenn sie sich mir so ganz hingeben und dass ich nie mehr bereit bin ihre Wünsche zu erfüllen, als wenn sie meinen Willen tun.“
Wenn wir sozusagen Gott befehlen wollen, brauchen wir uns nur durch Ihn regieren lassen, das heißt, wenn wir seinen Willen tun, wird er auch unseren tun.
(Vortrag am 4. Juni 1964)


Mittwoch, 18. Juni 2014

Die Botschaft der hl. Margareta Maria

„Tut, was Er euch sagt“.

Das Heiligste Herz Jesu an die hl. Margareta Maria Alacoque.
Plinio Corrêa de Oliveira

„Als ich mich eines Tages in der Fronleichnamsoktav vor dem Allerheiligsten Sakrament befand, empfing ich von meinem Gott überschwängliche Gnadenerweise Seiner Liebe und fühlte mich vom Verlangen ergriffen, Ihm etwas zu vergelten und Ihm Liebe für Liebe zu erweisen. Und Er sagte zu mir: „Du kannst mir keine größere Liebe erzeigen, als wenn du tust, was ich schon so oft von dir verlangt habe“.
Er enthüllte mir Sein göttliches Herz und fuhr fort: „Sieh da, dieses Herz, das die Menschen so sehr geliebt hat, dass es nichts sparte, ja sogar sich erschöpfte und verzehrte, um ihnen seine Liebe zu bezeigen. Als Anerkennung erhalte ich von den meisten nur Undank durch ihre Unehrerbietigkeiten und ihre Sakrilegien, durch die Kälte und Verachtung, die sie mir in diesem Sakrament der Liebe entgegenbringen. Aber am schmerzlichsten ist es mir, dass auch Herzen, die Mir geweiht sind, es so behandeln.
Darum verlange Ich von dir, dass am ersten Freitag nach der Oktav des Fronleichnamsfestes ein eigenes Fest zur Verehrung meines Herzens begangen werde. An diesem Tage soll man die heilige Kommunion empfangen und ihm durch eine feierliche Abbitte Ehrenersatz leisten zur Sühne für die Unbilden, die es während der Aussetzung auf den Altären erfahren hat. Ich verspreche dir auch, dass mein Herz sich erweitern wird, um über jene, die ihm diese Ehre erwiesen oder andere dazu bestimmen, dass sie ihm erwiesen werde, die Wirkung seiner göttlichen Liebe im Überfluss zu ergießen.“
Jeder Satz dieser Botschaft ist ein echter Juwel. Um diese Worte angemessen zu verstehen, müssen wir uns erinnern, dass sie in einer Zeit gesprochen wurden, in der die Keime der Revolution schon tief in die Gesellschaft eingedrungen waren und die Welt, zu der Er gesprochen hatte, dieselbe war, die der hl. Ludwig von Montfort mit glühenden Worten beschrieben hat.
Man versteht also, dass es eine Menschheit war, die noch teilnahm an den Sakramenten der Kirche, die noch betete, aber doch sich in einer großen Krise der Undankbarkeit und der Lauheit befand. Um diese Situation der Undankbarkeit und Lauheit zu sühnen, sprach Jesus die Worte: „Sieh da, dieses Herz, das die Menschen so sehr geliebt hat, dass es nichts sparte, ja sogar sich erschöpfte und verzehrte, um ihnen seine Liebe zu bezeigen.“
Tatsächlich ersparte Unser Herr nichts, aber unternahm alles. Dieser Satz entspricht dem Sinn der Heilandsklagen am Karfreitag: „Mein Volk, was habe ich dir getan? Womit nur habe ich dich betrübt?“
Hier das gleiche: Alles habe ich für euch getan. Ich habe mich ausgegeben und ausgezehrt, um alles für euch zu tun. Doch erhalte ich von den meisten nur Undankbarkeit durch Verachtung, Lästerung und Kälte, die sie mir in diesem Sakrament der Liebe entgegenbringen. Es ist etwas fürchterliches, aber in der Eucharistie, die die höchste Äußerung der Liebe Unseres Herrn ist, dort selbst bekommt Er nichts als Kälte und Lästerung. Und das in jener Zeit, in der die Revolution schon weit fortgeschritten war.
„Aber am schmerzlichsten ist es mir, dass auch Herzen, die Mir geweiht sind, es so behandeln.“ Wir wissen schon, dass die geweihten Herzen diejenigen der Priester und Ordenleute sind, die sich mit Ihm besonders verbunden haben, und ihn deshalb am meisten verletzen. Miteinbeziehen können wir die Seelen, die Er zu einem besonderen Apostolat berufen hat, wenn auch ohne Gelübde sich ihm doch auf besonderer Art weihen sollten, aber doch vielmals in gleicher Weise mit Ihm vorgingen.
„Darum verlange Ich von dir, dass am ersten Freitag nach der Oktav des Fronleichnamsfestes ein eigenes Fest zur Verehrung meines Herzens begangen werde. An diesem Tage soll man die heilige Kommunion empfangen und ihm durch eine feierliche Abbitte Ehrenersatz leisten zur Sühne für die Unbilden, die es während der Aussetzung auf den Altären erfahren hat.“
Der eigentliche Zweck dieser Bitte ist: Da Er, in der Zeit in der Er auf den Altären ausgesetzt ist, viele Beleidigungen erleidet, wo Er doch nur erscheint, um Gutes zu tun, wir besondere Sühne leisten sollen für diese Beleidigungen. Die Belohnung, die Er uns gibt: „Ich verspreche dir auch, dass mein Herz sich erweitern wird, um über jene, die ihm diese Ehre erwiesen oder andere dazu bestimmen, dass sie ihm erwiesen werde, die Wirkung seiner göttlichen Liebe im Überfluss zu ergießen.“
Wenn wir also wollen, dass der Einfluss der Liebe Gottes, das heißt, dass die Gnade sich in uns entzünde, dass wir das Feuer der Liebe Gottes in uns spüren, wenn wir uns entmutigt fühlen, ohne Liebe für die Sache der Kirche, wenn wir im geistlichen Leben wachsen wollen, gibt es ein Versprechen: Wenn wir an den ersten Freitagen die Kommunion empfangen, werden wir die Einflüsse der Liebe Gottes in uns verspüren. Wenn wir uns sorgen, dass auch andere das Allerheiligste verehren, werden wir die liebenden Einflüsse des Heiligen Herzen Jesu in uns vermehren.
Wie kann das angemessen getan werden? Es überfällt uns ein Gefühl der Entmutigung, wenn wir daran denken, dies durchzuführen. Wie kann ich vor Unserem Herrn treten, etwas Ihm entsprechendes durchzuführen? Wer bin ich, um etwas Ihm angemessenes zu vollbringen? Das richtige ist, dieses durch die Vermittlung des Unbefleckten Herzen Mariens zu tun.
Der Muttergottes bitten, sich uns anzuschließen, sie solle der Kanal dieses Sühneaktes sein und ihn darbringen in unserem Namen. So werden wir ihm eine makellose Andacht zur Sühne darbringen.
Zusammenfassend: Opfern wir unsere Kommunion dem Heiligsten Herzen Jesu durch die Vermittlung des Unbefleckten Herzen Mariens, in der Meinung die Beleidigungen gegen das auf dem Altar ausgesetzte Allerheiligste Sakrament zu sühnen. Durch Maria die Gnade der Gottesliebe bitten, die unsere Seele erneuern wird. So können wir hiermit abschließen und der Muttergottes bitten, sie möge die letzten Gebete dieses Tages in der Meinung aufnehmen, jeden von uns für die morgige Kommunion gut vorzubereiten.
(Vortrag am 4. Juni 1964)

Dienstag, 17. Juni 2014

Im Gespräch mit dem Mann auf der Straße


Angesichts des Zusammenbruchs des Kommunismus brachte die brasilianische TFP im August 1990 folgendes Dokument heraus 


Im Gespräch mit dem Mann auf der Straße:

IST DER KOMMUNISMUS TOT?
UND WAS IST MIT DEM ANTIKOMMUNISMUS?


Vorwort


Tagtäglich berichten uns die Medien über die Hindernisse, die Gorbatschow auf seinem Weg von Glasnost und Perestrojka überwinden muss, und dass es ihm trotz aller Schwierigkeiten immer wieder gelingt, sich an der Macht zu halten und anscheinend sein vorgenommenes Programm durchzusetzen.
Die meisten Leser, Hörer und Fernsehzuschauer schenken diesen Meldungen wohl kaum mehr große Aufmerksamkeit und nehmen sie ohne weiteres kommentarlos in sich auf. Das Ergebnis ist, dass man sich allmählich mit der Einstellung abfindet, der internationale Kommunismus stelle nun keine Gefahr mehr dar, denn Gorbatschow halte den roten Bär sicher und fest an kurzer Leine. Dies schafft unterbewusst eine Stimmung der Sorglosigkeit im ganzen Westen und veranlasst unzählige Menschen, dem Pazifismus Gorbatschows leichtsinnig volles Vertrauen zu schenken und instinktiv alles tun um dieses Vertrauen nicht zu verlieren.
Dieser geistige Prozess der Entwaffnung führt über kurz oder lang zur Ansicht, die kommunistische Gefahr sei faktisch vom Antlitz der Erde verschwunden. Folglich habe auch der Antikommunismus seinen Grund zur Existenz verloren.
Indem also die Zahl derjenigen zunimmt, die auf Gorbatschow als den Wächter des Westens ihre sichere Hoffnung setzen, der in der Sowjetunion dafür sorgt, dass eine nukleare Katastrophe nicht ausbricht, wird der Antikommunismus als eine psychologische Einstellung der Wachsamkeit und des Kampfes angesehen, die von den Tatsachen überholt, unnötig und sogar lästig geworden ist. Dass diese optimistische und oberflächliche Auffassung unrealistisch ist, zeigt die hier wiedergegebene Analyse von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira. Die aufgeführten Argumente basieren nicht nur auf der Unbeständigkeit und dem tragischen Aspekt der täglichen Ereignisse, sondern auch und hauptsächlich auf einem weiten Überblick, der die Vorstelllungen von Glasnost und Perestrojka, die Beziehungen dieser Begriffe zu den Zielen der weltweiten kommunistischen Revolution und den allgemeinen historischen Weg berücksichtigt, den der Marxismus seit Lenin mit einmal mehr, einmal weniger überzeugenden Veränderungen, jedoch unerbittlich, eingeschlagen hat.
Mit der Veröffentlichung dieser aktuellen Überlegungen möchten wir auf die Notwendigkeit einer weiterhin beständigen, klugen Wachsamkeit hinweisen. Wir sind der Meinung, dass es angebracht ist, so zu handeln, solange die Ereignisse in der Sowjetunion nicht vom Nebel der Ungewissheit befreit sind und ihre Auswirkungen im Westen nicht mit Gelassenheit, Besonnenheit und Zuversicht bewertet werden können.
Frankfurt am Main, im August 1990 – TFP-Büro Deutschland
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Der sogenannte ,,Mann auf der Straße“ ist nicht unbedingt ein ungebildeter Mensch. Im Gegenteil. Der typische Durchschnittsmensch hat die Mittlere Reife oder das Abitur hinter sich und sehr oft sogar die Hochschule absolviert. Er besitzt einen gewissen Grad an kultureller Bildung und hält sich auf dem laufenden durch die Lektüre der Tageszeitung. Das Studieren der wöchentlichen Beilagen von Magazinen und Feuilletons überlässt er den Fachleuten, oder er blättert sie doch in der Freizeit manchmal durch und nimmt auf, was ihm gerade gefällt oder interessieren könnte.
Doch seine Lebenserfahrung im persönlichen Bereich, in Familie, Gesellschaft und Beruf und die Ausübung von Tätigkeiten, die Verantwortung, Sorge und Überlegung verlangen, verleihen ihm eine gewisse geistige Kompetenz, die ihm einen selbstverständlichen Einfluss in seiner Umwelt gewährt. Er ist daher ein wichtiger Bestandteil der öffentlichen Meinung. Sein gesunder Menschenverstand ist so auf natürliche Weise ein Gegengewicht zu dem in vieler Hinsicht wertvollen Einfluss der Intellektuellen, Technokraten und Bürokraten, der im Extrem aber zu einem stubengelehrten, technischen und bürokratischen Totalitarismus führen könnte, dessen Planungen und Lösungen auf unrealistischer, utopischer und bornierter Basis beruhen.
In einer solchen Atmosphäre erstickt die Lebenskraft; die Realität mit ihren feinen Abstufungen entflieht und löst sich auf; die öffentliche Meinung wird überwältigt und beherrscht durch einseitige, sinnlose Ideologien, die sie in ein Chaos von Verwirrungen, Widersprüchen und dramatischen Entwicklungen stürzen, in dem ganze Nationen jahrzehntelang, wenn nicht Jahrhunderte lang schmachten können.

Die Sowjetunion: Eine bekannte Bühne für politische Melodramen
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http://www.pliniocorreadeoliveira.info/DE_1990_GesprachmitdemMann.pdf



Maria an die hl. Brigitta

Die Muttergottes spricht über das Heiligste Herz Jesu
Plinio Corrêa de Oliveira 
Ich möchte hier die Worte der Muttergottes an die hl. Brigitta über das Heiligste Herz Jesu kommentieren.
„Das Herz meines Sohnes ist überaus lieblich wie Honig und gar rein wie die allerreinste Quelle, aus welcher alles, was tugendhaft und gut ist, hervorgeht. Er ist auch der Süßeste. Denn was ist für einen vernünftigen Menschen süßer, als die Liebe meines Sohnes bei der Schöpfung und Erlösung, bei seinen Arbeiten, Lehren, in seiner Freundlichkeit und in seiner Geduld zu betrachten? Seine Liebe ist nicht vorüberfließend wie das Wasser, sondern anhaltend dauerhaft, weil seine Liebe bis auf den letzten Augenblick bei den Menschen bleibt, so dass, wenn der Sünder schon an der Pforte des Verderbens stünde, aber noch von dort, mit dem Willen, sich zu bessern, zu ihm riefe, er demselben entrissen werden würde. Zum Herzen Gottes zu gelangen, sind ferner zwei Wege. Der erste ist die Demut einer wahren Reue, und diese führt den Menschen in das Herz Gottes und in die geistliche Unterredung ein; der zweite Weg ist die Betrachtung des Leidens meines Sohnes, welche die Härte aus dem Herzen des Menschen hinwegzieht, und ihn fröhlich zum Herzen Gottes den Lauf nehmen lässt.“
Diese Botschaft enthält etliche Lehren.
Die erste, die ich hervorheben möchte ist diese: Das Heiligste Herz Jesu enthält alles was tugendhaft und gut ist im Universum; es enthält es nicht nur sondern es entspringt aus ihm, als seine Quelle.
Was bedeutet diese Behauptung? Sie ist so poetisch, dass man zunächst meint, sie hätte keinen definierbaren Sinn. Wir sind nämlich an soviel leere Poesie gewohnt, dass wir davon ausgehen, dass alles was poetisch ist, keinen Sinn hat.
Doch es ist hier drinnen ein sehr tiefer Sinn, und der ist folgender: Wir sollen Unseren Herrn Jesus Christus als Gott-Mensch betrachten; in Ihm den Menschen und Gott unterscheiden. Wenn wir Ihn als Gott wahrnehmen, ist es klar, dass die vorhandenen Schönheiten und die Herrlichkeiten des Universums von Ihm ausgegangen sind, denn Er ist der Schöpfer und alles wurde nach Seinem Bild und Ähnlichkeit, zu Seinem Ruhm erschaffen. So ist alles Gute und Lobenswerte in der Schöpfung unter allen Umständen ein Abbild Gottes, es ist Gott ähnlich.
Wenn wir Unseren Herrn Jesus Christus als Mensch betrachten, wird das Verständnis dieser beschriebenen Tatsache etwas schwieriger, so dass es angebracht ist, es ein wenig ausführlicher zu erklären.
Jesus als Mensch ist wahrhaftig Mensch. Er hat einen menschlichen Körper und eine menschliche Seele. Zugleich ist Er intim verbunden mit der zweiten Person der göttlichen Dreifaltigkeit. Das bedeutet, es gibt in Jesus nur eine Person mit zwei Naturen.
In seiner menschlichen Natur ist Jesus der königliche Herrscher der Schöpfung in dem Sinn, da Er Mensch ist, ist er der vollkommenste Mensch, den es je gegeben hat und geben wird, und das nicht nur im moralischen Sinn, sondern auch als menschlicher Typus, Er ist das Urbild des Menschen.
Dem menschlichen Geschlecht ist es nicht gegeben, eine Person hervorzubringen, die Unserem Herrn gleichen könnte. Er ist der Gipfel des Menschengeschlechts in seinem Verstand, da Er alle möglichen Formen und Stufen des Verstandes besitzt, die der Geist des Menschen besitzen kann. Er Besitzt die vortrefflichsten Eigenschaften, die der menschliche Wille in der Lage ist zu besitzen. Er besitzt alle möglichen Formen und Arten des menschlichen Gefühles. Sei ehrwürdiger Körper besitzt alle Wahrnehmungsfähigkeiten, mit denen ein menschlicher Körper ausgestattet werden kann. Sein Antlitz hat alle Vollkommenheiten, die ein menschliches Antlitz nur haben kann. Sein Blick hat alle Schönheiten, die ein menschlicher Blick nur haben kann. Er ist wahrhaftig der Gipfel der sichtbaren Schöpfung, weil der Mensch der Höhepunkt der Schöpfung ist und Er als vollendeter Mensch über der Menschheit steht. Da Er der wahrhaftige Monarch der Menschheit ist, ist Er der wahre Monarch der Schöpfung. Die ganze Schöpfung spiegelt die Vortrefflichkeiten des Menschen wider, aber vor allem des Menschen schlechthin, Jesus Christus in seiner Menschlichkeit.
Ein Beispiel zum besseren Verständnis: Wir sagen, zum Beispiel, eine Person hat einen Verstand, der dem Flug eines Adlers gleicht. In Wahrheit ist es aber umgekehrt: Der Flug des Adlers gleicht den Bewegungen des Verstands des Menschen. Das ist kein Wortspiel. Denn wenn eine Ähnlichkeit zwischen etwas Größerem und etwas Kleinerem besteht, ist der Kleinere in der Tat dem Größeren ähnlich und nicht der Größere dem Kleineren.
Nehmen wir, zum Beispiel, die Königin von England und eine Schneiderin, die der Königin sehr ähnlich sieht. Wir werden niemals sagen, die Königin und die Schneiderin sind sich sehr ähnlich, aber schon, die Schneiderin sieht der Königin ähnlich. Das Kleine sieht dem Großen ähnlich und nicht umgekehrt.
Wenn also die ganze Schöpfung Ähnlichkeiten mit den guten Eigenschaften des Menschen aufweist oder auch mit seinen Fehlern – denn auch das hat Gott so eingerichtet –, so ist es auch wahr, dass alles Schöne der Schöpfung Unserem Herrn Jesus Christus ähnlich ist. In Seiner Menschlichkeit konzentrieren sich in einem unvorstellbaren hohen Grad alle Schönheiten der Schöpfung.
Im obigen angeführten Text wird gesagt, dass alles, was tugendhaft und gut ist, aus Ihm hervorgeht. Doch Christus wurde als Mensch geschaffen, als diese Tugenden und Schönheiten schon existierten. Wie können sie also aus Ihm hervorgehen?
Dies hat einen genauen Sinn: Alle minderen Dinge wurden erschaffen, um die Höheren hervorzuheben. Das Höhere ist die Endursache des Niederen. So sagt man, dass die Pflanzen zum Nutzen der Tiere erschaffen wurden und nicht die Tiere zum Nutzen der Pflanzen. Das Tier ist also nicht die Ursache der Pflanze, sondern die Pflanze ist zum Zweck der Nahrung des Tieres erschaffen worden. Die Philosophie nennt das die Endursache.
Unser Herr Jesus Christus ist als Mensch die Endursache der ganzen Schöpfung, das heißt, alles wurde erschaffen zum Dienste und Nutzen dieses vollkommenen Menschen, den Gott erschaffen würde. So geht sozusagen alles von Ihm aus, selbst das, was vor Ihm da war.
Das hilft uns die fast unendliche Weite und Breite der Vollkommenheiten Unseres Herrn zu verstehen. Wenn wir also groß und vollkommen sein wollen, können wir das nur erreichen indem wir Jesus in allem nachahmen. Es gibt keinen anderen Weg. Er hat ja gesagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!“
Das war eine kleine philosophische Betrachtung über die Verehrung des Heiligsten Herzen Jesu, bzw. seiner heiligsten Menschheit, in hypostatischer Union mit der zweiten Person der göttlichen Dreifaltigkeit. Es war keine gewöhnliche Betrachtung einer Gefühlsfrömmigkeit, die sich damit begnügt, süßliche Gefühle in Bewegung zu setzen und Tränen der Rührung zu vergießen. Unsere Frömmigkeit muss auf Vernunft und Verstand ruhen, um die Tiefen der göttlichen Geheimnisse zu erforschen, zu finden und zu lieben und dann die praktischen Konsequenzen ziehen. Nur das ist gottgefällig.

(Vortrag am 22. Mai 1969)


Dienstag, 10. Juni 2014

Die Homosexuelle Revolution

Wenn die revolutionäre Bewegung zugunsten der Homosexualität so weit kommt, eine ausreichende Zahl an Anhängern zu haben, um wirkliches Gewicht auf die öffentliche Meinung zu erlangen; wenn die Masse jener über ein bestimmtes Maß anwachsen wird, die sich zwar nicht an die Seite der Homosexuellen stellen, aber nicht über die Begünstigung der Homosexualität empören, und aufgrund von liberalen Vorurteilen nicht wollen, daß diese unterdrückt wird, könnten die Promotoren der homosexuellen Revolution versuchen, den Papst Schach Matt zu setzen, indem sie sagen:
„Der Block aus Homosexuellen und Toleranten hat inzwischen in den USA eine Stärke gewonnen: Hätten Sie, Heiliger Vater, den Mut, die Homosexualität zu verurteilen, wohl wissend, daß dieser Block Ihnen nicht folgen und sich daher von der Kirche lösen könnte? Wie viele würden in diesem Fall treu bleiben? Und zudem, Heiliger Vater, wissen Sie, daß es inzwischen organisierte homosexuelle Bewegungen auf der ganzen Welt gibt und daß die Zahl der Toleranten überall wächst. Was wären die Auswirkungen dieses Schismas auf die Katholiken in anderen Ländern?”

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Montag, 9. Juni 2014

Tränen, wunderbare Mahnung!

 
Am 21. Juli 1972 veröffentlichte die „Folha de São Paulo“ ein Foto aus New Orleans, auf der eine Statue Unserer Lieben Frau von Fatima Tränen vergoss. Das dokumentarische Foto erweckte lebhaftes Interesse in der Öffentlichkeit von São Paulo. Deshalb nehme ich an, dass einige Informationen und berechtigte Fragen zu diesem Thema, die sich viele Menschen wahrscheinlich stellen, nützlich sein werden.
Ich kenne keine bessere Quelle für dieses Anliegen als einen Artikel, der den typisch amerikanischen Titel trägt: „Die Tränen benetzten meinen Finger“. Der Autor ist P. Elmo Romagosa. Sein Artikel erschien am 20. Juli 1972 im „Clarion Herald“, einer Wochenzeitung aus New Orleans, die in elf Pfarreien des Staates Louisiana vertrieben wird.
Die Vorgeschichte des Ereignisses ist allgemein bekannt. Im Jahr 1917 erlebten die portugiesischen Hirtenkinder Lucia, Jacinta und Francisco mehrere Erscheinungen Unserer Lieben Frau in Fatima. Die Authentizität dieser Erscheinungen wurde durch verschiedene übernatürliche Zeichen und ein Sonnenwunder bestätigt, das von einer großen Menschenmenge, die zugegen war, erlebt und bezeugt wurde, als die Jungfrau sich offenbarte...
Ohne in Einzelheiten einzugehen, sei hier kurz gesagt, dass Unsere Liebe Frau den Hirtenkindern den Auftrag gab, der Welt mitzuteilen, dass Sie über die Gewissenlosigkeit und Verderbtheit der Menschen sehr betrübt sei. Sollten sich diese nicht bessern, werde eine schreckliche Strafe über die Menschheit kommen, mehrere Nationen würden vernichtet werden. Russland werde überall seine Irrtümer verbreiten. Der Heilige Vater werde viel zu leiden haben.
Die Strafe würde nur dann abgewendet, wenn sich die Menschen bekehren, Russland und die Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht würden und am ersten Samstag eines jeden Monats (mindestens fünf aufeinanderfolgende Monate) die Sühnekommunion gehalten würde.
Nun fragt man sich natürlich, ob die Menschen diesen Bitten nachgekommen sind.
Papst Pius XII. hat 1942 die Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht. Schwester Lucia behauptet, dass diesem Akt gewisse von Unserer Lieben Frau geforderte Merkmale fehlten. Ich will hier nicht näher auf diese komplexe Frage eingehen, sondern lediglich festhalten, dass es für strittig gehalten wird, ob diese zweite Bitte der Mutter Gottes tatsächlich erfüllt wurde.
Was die erste Bitte, nämlich die Bekehrung der Menschheit angeht, liegt es auf der Hand, dass sie nicht erfüllt worden ist. Deshalb halte ich es für überflüssig, diese Tatsache im einzelnen darzulegen ...
Da Unsere Liebe Frau die Erfüllung Ihrer Bitten als Voraussetzung verlangt hat, um die von ihr angekündigten Strafen von der Menschheit abzuwenden, ergibt sich die logische Folge, dass der rächende und reinigende Zorn Gottes über die Menschheit kommen wird bevor wir die Bekehrung der Menschheit und die Errichtung des Reiches Mariens erleben werden.
Von den drei Seherkindern von Fatima lebt heute nur noch Lucia als Karmelitin in Coimbra. Unter ihrer Anleitung hat ein Künstler zwei Statuen aus Holz geschnitzt, die so gut wie möglich die Gesichtszüge Unserer Lieben Frau bei den Erscheinungen in Fatima wiedergeben sollen. Die beiden Pilgerstatuen sind von Priestern und Laien überallhin auf der Welt gebracht worden. Eine davon hat neulich auch New Orleans erreicht und dort Tränen vergossen.
P. Romagosa, der Verfasser des von mir erwähnten Berichts, hatte über P. Joseph Breault M.A.P., dem die Betreuung der Statue anvertraut war, von dem Tränenereignis erfahren; es widerstrebte ihm jedoch, das Wunder anzuerkennen. Er bat deshalb den anderen Priester, ihm Bescheid zu geben, wenn das Phänomen sich wiederholen würde.
Als nun P. Breault am 17. Juli in den Augen der Statue eine Feuchtigkeit bemerkte, rief er P. Romagosa an. Dieser kam um 21.30 Uhr mit Fotografen und Journalisten. Tatsächlich stellten sie in den Augen der Statue eine gewisse Feuchtigkeit fest und fotografierten das Ereignis. P. Romagosa fuhr schließlich mit dem Finger über die feuchte Oberfläche und fing einen Tropfen der Feuchtigkeit auf, der ebenfalls fotografiert wurde. Nach P. Breault war dies bereits das 13. Mal, dass er Tränen an der Statue sah.
Um 6.15 Uhr des folgenden Morgens rief P. Breault erneut bei P. Romagosa an, um ihm mitzuteilen, dass die Statue seit 4.00 Uhr morgens weine. Kurz darauf war P. Ramagosa zur Stelle und sah „eine große Menge Flüssigkeit in den Augen der Statue und einen großen Tropfen an der Nasenspitze derselben“. Es war dieser zierlich hängende Tropfen, den die von der Presse veröffentlichte Fotografie den Lesern zeigte.
P. Romagosa fügt hinzu, dass er „die Bewegung der Flüssigkeit“ beobachten konnte, „während sie langsam aus dem unteren Augenlid hervortrat“.
Er wollte jedoch alle Zweifel beseitigen. Da er gesehen hatte, dass die Statue eine Krone auf dem Haupt trug, die durch einen Metallstift im Kopf der Statue befestigt war, kam ihm der Gedanke, dass in die Öffnung, in der der Stift steckte, vielleicht eine gewisse Flüssigkeitsmenge eingeführt worden sein könnte, die dann zu den Augen gelaufen wäre.
Als die Tränen aufgehört hatten zu fließen, nahm P. Romagosa die Krone vom Haupt der Statue: Der metallene Stift war vollkommen trocken. Dann führte er in die Öffnung einen Draht ein, der mit einem Spezialpapier umgeben war, das unbedingt jede Flüssigkeit aufgesogen hätte, die sich dort etwa befunden hätte. Das Papier kam jedoch völlig trocken heraus.
Noch nicht zufrieden mit diesem Versuch, schüttete er nun eine gewisse Menge Flüssigkeit in die Öffnung, doch die Augen blieben völlig trocken. P. Romagosa  drehte nun die Statue Kopfüber, und die ganze in die Öffnung geschüttete Flüssigkeit lief normal wieder heraus. Damit war bewiesen, dass von der Öffnung am Kopf, übrigens der einzigen an der Statue, keine Flüssigkeitsführung zu den Augen möglich war.
Da kniete P. Romagosa nieder, denn jetzt glaubte auch er.
*    *    *
Die geheimnisvollen Tränen zeigen uns eine über die heutige Welt weinende Jungfrau von Fatima, wie einst unser Herr Jesus Christus über Jerusalem geweint hat. Es sind Tränen liebevollster Zuneigung, Tränen tiefsten Schmerzes in Voraussicht der kommenden Strafe.
Und sie wird noch über die Menschen des 20. Jahrhunderts hereinbrechen, wenn sie nicht von Gewissenlosigkeit und Verderbtheit Abstand nehmen. Vor allem, wenn sie nicht gegen die Selbstzerstörung der Kirche angehen, gegen diesen Rauch Satans, der nach den Worten Papst Pauls VI. in den heiligen Raum eingedrungen ist.
Noch ist es also Zeit, die Strafe abzuwenden, lieber Leser, liebe Leserin.
Mancher wird nun sagen, dass dies aber keine, zu einem geruhsamen Sonntag passende Betrachtung sei. Aber, ist es nicht vorzuziehen, frage ich meinerseits, heute diesen Artikel über die sanfte Offenbarung der prophetischen Traurigkeit unserer Mutter zu lesen, als die Tage tragischer Bitternis zu  ertragen, die über uns kommen werden, wenn wir uns nicht bessern?
Wenn diese Tage kommen, bin ich sicher, dass es  wenigstens ein besonderes Erbarmen für jene Menschen geben wird, die in ihrem persönlichen Leben die wunderbare Warnung Mariens ernst genommen haben.
Damit meinen Leserinnen und Lesern diese Barmherzigkeit zuteil werden kann, biete ich ihnen diesen Artikel an.


Dieser Artikel von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira wurde am 6. August 1972 in der Tageszeitung „Folha de São Paulo“ veröffentlicht. Im September desselben Jahres wurde er auch in der brasilianischen Zeitschrift „Catolicismo“ Nr. 261, sowie in zahlreichen anderen brasilianischen und ausländischen Zeitungen wiedergegeben.

Donnerstag, 5. Juni 2014

Muttergottes des Heiligsten Herzen


Diesen Beitrag möchte ich schreiben, aus dem Wunsch heraus, die Königin des Himmels mit dieser wunderschönen Anrufung zu ehren.
Wenn es eine Epoche gibt, deren Hoffnung in Anbetracht des vorhandenen Elends einzig und allein auf das Herz Jesu liegt, dann ist es die unsere.
Papst Plus XI. schreibt in einer seiner Enzykliken, dass die heutige Welt derart moralisch verdorben ist, dass sie schnell in ein noch tieferes geistiges Elend abstürzen könnte als jenes, das in der Zeit der Geburt Unseres Herrn herrschte.
Mit anderen Worten, die Irrtümer, die sich im Laufe der vorausgegangenen Jahrhunderte angehäuft haben, der Wahnsinn der Reformation, die teuflischen Verwegenheiten der Aufklärung, die hemmungslosen Ausschweifungen der Sitten, die Verbrechen der Französischen Revolution, die Apostasie der deutschen Philosophen, alles dies schuf ein Umfeld weltweiter Verderbnis, die in den Unruhen, den Katastrophen, der Widersetzlichkeit, der zügellosen Begehrlichkeit in diesem 20. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichte. Dermaßen tief ist der Abgrund des Bösen, in dem wir gefallen sind, dass Pius XI. befürchtete, die unendlichen Verdienste  der Erlösung, die Unser Herr Jesus Christus der Welt brachte, würden für die Mehrheit der Menschen aufgehoben.
Die Ansicht so vieler Vergehen lässt natürlich den Gedanken einer Bestrafung Gottes aufkommen, Denn, wenn wir diese sündige Welt betrachten, die unter der Folter von Tausenden von Krisen und Angstgefühlen seufzt und trotzdem keine Bußfertigkeit zeigt; wenn wir den erschreckenden Fortschritt des Neuheidentums erwägen, der sich auf der Vorstufe der Machtergreifung befindet, um über die ganze Menschheit zu regieren; wenn wir den Kleinmut, den Leichtsinn, die Uneinigkeit derer feststellen, die noch nicht auf die Seite des Bösen übergetreten sind, erschrickt unser Geist in der Vorausahnung der Katastrophen, die die verstockte Gottlosigkeit dieser Generation über sich herabruft.
Die Annahme, dass so viele Verbrechen keine Bestrafung verdienen und dass ein solcher Abfall der Massen nur ein Ergebnis irgendwelches intellektuellen Irrtums sei, ohne dass die Menschheit sich schwer versündigt hätte, entspringt eher einer liberalen Mentalität. Die Realität ist eine ganz andere: Gott distanziert sich von Seinen Geschöpfen und wenn diese sich fern von Ihm befinden, so ist das ihnen anzurechnen und nicht Gott.
Das düstere Bild, was sich der heutigen Welt stellt, ist einerseits eine ungerechte und sündige Zivilisation und andererseits der Schöpfer, der die Geißel der göttlichen Züchtigung schwingt.
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Gibt es also für die Menschheit heute keinen anderen Ausklang, als in einer Sintflut von Schlamm und Feuer zu verschwinden? Könnte man nicht für sie auf eine andere Zukunft hoffen, als ein schmählicher Untergang, bei dem die Unbußfertigkeit mit den schlimmsten Geißeln bestraft wird, wie sie in der Heiligen Schrift als Zeichen des Weltendes vorausgesagt sind?
Wenn Gott ausschließlich seine Gerechtigkeit walten lassen würde, wäre es so ohne Zweifel. Wir wissen selbst nicht, ob die Menschheit überhaupt bis ins 20. Jahrhundert gekommen wäre. Da Gott aber nicht nur gerecht ist, sondern auch barmherzig, haben sich die Pforten des Heils für uns noch nicht geschlossen. Eine Menschheit, die in ihrer Boshaftigkeit verharrt, muss alles von der Strenge Gottes erwarten. Doch Gott, der unendlich Barmherzig ist, will nicht den Tod dieser sündigen Menschheit, sondern, dass sie sich bekehre und lebe. Deshalb sucht Seine Gnade beharrlich alle Menschen, damit sie ihre bösartigen Wege verlassen und zurück zur Herde des Guten Hirten kommen.
Wenn es keine Katastrophen gibt, die eine unbußfertige Menschheit nicht befürchten soll, so gibt es auch keine Barmherzigkeit, die eine reuige Menschheit nicht erwarten kann. Dafür ist es nicht nötig, dass die Reue ihr wiederherstellendes Werk vollende. Es reicht dem Sünder, auch wenn sich noch in der Tiefe des Abgrundes befindet, dass er sich Gott zuwendet mit einem noch so geringen Wunsch wirksamer, ernsthafter und tiefer Reue, um sofort Seine Hilfe zu erwirken, denn Gott hat ihn nie vergessen. So sagt es der Heilige Geist in der Heiligen Schrift: „Wenn mich auch Vater und Muter verlassen, der Herr nimmt mich auf“ (Ps 27,10). Auch im extremsten Fall wenn das Böse den Höhepunkt erreicht und selbst die mütterliche Nachsicht am Ende ist, Gott gibt nicht auf. Die Barmherzigkeit Gottes wirkt sich auch dann aus, wenn die göttliche Gerechtigkeit den Sünder auf seinem Weg der Boshaftigkeit mit Tausend Schlägen trifft.
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Diese beiden wesentlichen Bilder der göttlichen Gerechtigkeit und Barmherzigkeit müssen immer wieder vor die Augen des heutigen Menschen gestellt werden. Das Bild der Gerechtigkeit, damit er nicht die verwegene Vorstellung hegt, ohne Verdienste das Heil zu erlangen. Das der Barmherzigkeit, damit nicht an seinem Heil verzweifle, sofern er sich zu bessern vornimmt. Wenn die derzeitigen Kriege so deutlich auf die Gerechtigkeit Gottes hinweisen, was kann besser sein, um dieses Bild zu vervollständigen als die Sonne der Gerechtigkeit, die da ist das Heiligste Herz Jesu?
Gott ist die Liebe. Deshalb erweckt die bloße Ankündigung des Heiligsten Namens Jesu in uns die Vorstellung der Liebe. Unermessliche und unendliche Liebe, die die zweite Person der Heiligsten Dreifaltigkeit dazu brachte Mensch zu werden. Es ist der Ausdruck der Liebe durch die unverständliche Demütigung eines Gottes, der sich den Menschen offenbart als ein kleines armseliges Kind, das in einem Stall geboren wird. Es ist die Liebe, die aus den dreißig Jahren eines verborgenen Lebens durchschimmert, und ebenso aus der Demut einer strengen Armut und unaufhörlichen Anstrengungen der drei Jahre der
Evangelisierung, in denen der Menschensohn Straßen und Wege beschritt, Berge, Flüsse, Seen und Wüsten durchquerte, Städte und Dörfer besuchte, zu Reichen und Armen sprach, überall Liebe aussäte und meistens nur Undankbarkeit erntete. Welch eine Liebe erwies Er den Seinen beim höchsten Mahl, dem die edelmütige Fußwaschung vorausging und gekrönt wurde mit der Einrichtung der Eucharistie! Die Liebe, mit der Er den Judaskuss erwiderte, Petrus anblickte, nachdem dieser Ihn geleugnet hatte, die Schmähungen geduldig und sanftmütig über sich ergehen ließ, die Leiden ertrug bis zum vollständigen Schwinden der Kräfte, dem Schächer vergab und ihm das Paradies versprach, das große Geschenk einer Mutter, das Er dieser elendigen Menschheit gab. Jedes dieser Begebnisse wurde gewissenhaft von den Weisen studiert, von den Heiligen mit Frömmigkeit betrachtet, von Künstlern wunderbar dargestellt und vor allem unvergleichlich in der Liturgie der Kirche gefeiert. Um über das Heiligste Herz Jesu zu sprechen, gibt es nur eins: Jedes dieser Ereignisse entsprechend zu wiederholen.
Die Heilige Kirche will mit der Verehrung des Heiligsten Herzen nichts weiter als den besonderen Lobpreis der unendlichen Liebe erweisen, die Unser Herr Jesus Christus den Menschen entgegenbrachte. Das Herz ist das Symbol der Liebe. Wenn die Kirche das Herz Jesu verehrt, feiert sie die Liebe.
So unterschiedlich und schön die Anrufungen auch sind, mit denen die Heilige Kirche sich auf die Muttergottes bezieht, so werden wir in keiner eine Beziehung zwischen Ihr und der Liebe Gottes vermissen. Diese Anrufungen ehren entweder eine Gabe Gottes, zu der Maria vollkommen treu war, oder eine besondere Macht, die Sie bei Ihrem göttlichen Sohn besitzt. Was beweisen aber die erhaltenen Gaben, als einen besonderen Liebeserweis des Schöpfers zum Geschöpf? Was beweist die Macht, die Maria bei Gott besitzt, als genau diese gleiche Liebe? Deshalb kann Maria zugleich bezeichnet werden als „der Spiegel der Gerechtigkeit“ und „die allmächtig Bittende“. Spiegel der Gerechtigkeit, weil Gott Sie dermaßen liebte, dass Sie in sich alle Vollkommenheiten, die ein Geschöpf besitzen kann und gerade deshalb in keinem sich so vollkommen widerspiegelt als in Ihr. Sie ist die allmächtig Bittende, weil es keine Gnade gibt, die wir nicht durch Sie erhalten und es keine Gnade gibt, die Sie nicht für uns erreichen kann.
Die Anrufung also der Muttergottes unter dem Titel des Heiligsten Herzen ist eine wunderbare Zusammenfassung aller Anrufungen, ein Gedenken an die reinste und schönste Ausstrahlung der göttlichen Mutterschaft, und alle Saiten der Liebe zugleich harmonisch zum schwingen zu bringen, wenn wir sie einzeln in der Lauretanischen Litanei oder im Salve Regina anschlagen.
Doch gibt es eine Anrufung, an die ich hier besonders erinnern möchte. Es ist die der „Fürsprecherin der Sünder“. Gott ist Richter, und so groß Seine Barmherzigkeit auch sein mag, kann Er nicht umhin, Seine Aufgabe als Richter zu vollziehen. Maria hingegen ist NUR Fürsprecherin. Jedermann weiß, dass ein Anwalt ausschließlich die Aufgabe hat, den Angeklagten zu verteidigen. Indem wir also sagen, Maria vom Heiligsten Herzen sei unsere Anwältin, bedeutet das, dass wir im Himmel eine allmächtige Fürsprecherin haben, in dessen Hände sich der Schlüssel eines unendlichen Meeres der Barmherzigkeit befindet.
Was gibt es also besseres, als dieser sündigen Menschheit zu zeigen, dass, wenn sie nicht über die Gerechtigkeit Gottes unterrichtet wird, wird sie mehr und mehr der Sünde verfallen; spricht man über sie, verzweifeln sie an ihrem Heil? Zeigen wir ihr die Gerechtigkeit: Dies ist eine Pflicht, deren Unterlassung die traurigsten Früchte getragen hat. Neben der Gerechtigkeit, die nur die Unbußfertigen verletzt, vergessen wir aber nie die Barmherzigkeit, die dem ernsthaft reuigen Sünder Hilfe leistet, die Sünde zu verlassen und das Heil zu erlangen.

(Übersetzung aus Legionário, Nr. 410, 21. Juli 1940)