Donnerstag, 19. Dezember 2013

Populus qui habitabat in tenebris, vidit lucem magnam



Plinio Corrêa de Oliveira
 

         Am heiligen Weihnachtsfest überlagern sich sozusagen mehrere Vorstellungen. Vor allem öffnet uns die Geburt des Gotteskindes die Augen für die Tatsache der Menschwerdung. Die zweite Person der Allerheiligsten Dreifaltigkeit nimmt die menschliche Natur an und wird Fleisch aus Liebe zu uns. Außerdem ist dies der Anfang des irdischen Daseins unseres Herrn. Ein strahlender Anfang, der uns einen Vorgeschmack von all den wunderbaren Ereignissen seines öffentlichen und privaten Lebens gibt. Sein Höhepunkt wird ohne Zweifel das Kreuz sein. Inmitten der weihnachtlichen Freuden ist jedoch kaum Platz für finstere Gedanken. Tatsächlich ist unser Augenmerk nur auf die Erlösung gerichtet, die sich vom Kreuze her über uns ergießt. So ist Weihnachten die Ankündigung der nahenden Befreiung, ein Zeichen dafür, daß die Himmelspforten bald wieder offen stehen werden, daß sich die Gnade Gottes erneut über die Menschen ausbreiten wird, und daß Himmel und Erde unter dem Zepter eines Gottes, der nicht nur Richter, sondern auch Vater ist, endlich wieder eins werden.
Wenn wir uns jeden dieser Gründe zur Freude etwas näher ansehen, verstehen wir wohl, was dieser Weihnachtsjubel wirklich bedeutet, diese von Frieden und Liebe gesalbte christliche Fröhlichkeit, die allen Menschen einige Tage lang ein Gefühl verschafft, das in diesem traurigen zwanzigsten Jahrhundert so selten geworden ist: die Freude der Tugend.

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Der erste Eindruck, den die Tatsache der Menschwerdung in uns hervorruft, ist der Gedanke eines sinnlich wahrnehmbaren, uns sehr nahe stehenden Gottes. Vor der Menschwerdung war Gott für unser menschliches Gefühl das, was für einen Sohn ein unendlich guter Vater ist, der jedoch in weiter Ferne wohnt. Von allen Seiten empfingen wir Beweise seiner Güte. Es fehlte uns jedoch das persönliche Glückserlebnis seiner Zärtlichkeit, nie hatten wir seinen göttlich tiefen, ernst verständnisvollen, edel liebevollen Blick auf uns ruhen sehen. Nie hatten wir den Klang seiner Stimme vernommen. Die Menschwerdung verwandelt sich für uns in die überschwängliche Freude dieser ersten Begegnung, in das Glück des ersten Blickes, in die zärtliche Wahrnehmung des ersten Lächelns, in die Überraschung und den Trost der ersten Augenblicke vertrauten Beisammenseins. Und deshalb wird an Weihnachten jedes Gefühl ausladender, jede Freundschaften großzügiger, jede Güte gegenwärtiger in der Welt.

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Die Weihnachtsfreude geht jedoch mit einem Ausdruck großer Feierlichkeit einher. Wir können zwar sagen, daß Weihnachten einerseits das Fest der Demut ist, andererseits ist es aber auch eine Feier. Tatsächlich ruft uns die Menschwerdung das Verständnis eines Gottes ins Gedächtnis, der in der innigsten und tiefsten Verbindung, die es in der ganzen Schöpfung gibt, das Elend der menschlichen Natur angenommen hat. So wie es, von Gott her gesehen, zum Ausdruck einer fast unermeßlichen Herablassung kam, so wurde hinwiederum dem Menschen eine fast unsagbare Erhöhung zuteil. Unsere Natur erfuhr eine Ehre, wie wir sie uns nie hätten vorstellen können. Unsere Würde nahm zu. Wir wurden rehabilitiert, geadelt, glorifiziert.
Deshalb haben die Weihnachtsfesttage irgendwie etwas diskret und vertraut Feierliches an sich. Man schmückt das Heim wie sonst nur an den wichtigsten Feiertagen, jeder trägt seine schönsten Kleider und begegnet den andern mit besonderer Höflichkeit. Im Lichte der Krippe verstehen wir, was für eine Ehre und Seligkeit es ist, nach Natur und Gnade Geschwister Jesu zu sein.
In der weihnachtlichen Freude klingt auch irgendwie der Jubel des begnadigten Gefangenen, des geheilten Kranken mit. Es ist ein Jubel der Überraschung, des Wohlbefindens und der Dankbarkeit.
Jesus Christus ist gekommen, um uns zu zeigen, daß die Gnade uns die Pfade der Tugend erschließt, so daß wir nun in die Lage versetzt werden, schon auf Erden die wahre Freude zu verspüren, die nicht von den Ausschweifungen und Verwirrungen der Sünde, sondern von Ausgeglichenheit, Strenge, Zufriedenheit und Askese ausgeht. Weihnachten läßt uns die Freude an der nun ausübbaren Tugend fühlen, die hier auf Erden eine Vorwegnahme der himmlischen Glückseligkeit ist.

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Es gibt kein Weihnachten ohne Engel. Wir fühlen uns eins mit ihnen und nehmen an der ewigen Freude teil, die sie erfüllt. An diesem Tag versuchen unsere Lieder die ihrigen nachzuahmen. Wir sehen den Himmel vor uns offen stehen, und die Gnade trägt uns schon jetzt einer übernatürlichen Ordnung entgegen, in der die Freude alles übersteigt, was das menschlichen Herz sich ausdenken kann. Denn wir wissen nun, daß mit Weihnachten die Niederlage der Sünde und des Todes ihren Anfang genommen hat, wissen, daß es der Beginn eines Weges ist, der uns Auferstehung und Himmel entgegen führen wird. An Weihnachten singen wir von der Freude der erlösten Unschuld, von der Freude der Auferstehung des Fleisches, von der Freude der Freuden, die in der ewigen Anschauung Gottes liegt.
Wenn daher die Glocken in einigen Tagen der Christenheit das heilige Weihnachtsfest verkünden, wird wieder einmal heilige Freude auf Erden herrschen. 

  (Freie Übersetzung aus „Catolicismo“, Dezember 1951)

Mittwoch, 13. November 2013

Die Abhandlung von der wahren Andacht zu Maria vom hl. Ludwig Maria Grignon von Montfort - VI. Teil



WESEN DER VOLLKOMMENEN ANDACHT ZUR HEILIGSTEN JUNGRAU
ODER
DIE VOLLKOMMENE WEIHE AN JESUS CHRISTUS

In diesem Kapitel erklärt der hl. Ludwig in was die vollkommene Andacht zu Maria  besteht. Bevor wir dies kommentieren, ist es angebracht einige Begriffe in Erinnerung zu rufen.


Der bedingungslose Sinn jeder wahren Andacht


Gewisse Taten bittet uns Gott sie zu vollbringen. Andere aber befiehlt er uns sie zu tun. So, z.B., befiehlt er uns die zehn Gebote zu befolgen. Doch die Praxis einiger Tugenden ist nicht dem Gehorsam oder der Pflicht unterworfen, sondern nur dem Rat oder dem Vorschlag. Er bittet lediglich darum, das wir sie praktizieren. Unsere vollkommene Weihe der Muttergottes oder an Gott – was ja dasselbe ist, denn die Weihe an sie wird ja nur vollzogen damit wir und ihm vollständiger weihen – bedeutet eine vollständige Hingabe unserer selbst. Sie beinhaltet also die Bereitschaft, in allen Dingen nicht nur das zu tun, was uns befohlen wird, sondern auch das, was nur empfohlen wird.

Sich weihen bedeutet sich hingeben, das ist alles. Der, der sich geweiht hat, behält nichts für sich zurück. Wenn er etwas für beansprucht, hat er sich nicht oder nur teilweise, unvollständig geweiht.

Wenn der hl. L von Weihe der Muttergottes spricht, versteht er nicht nur, dass wir alles geben sollen, was unser ist, sondern auch, allem zu ihren Gunsten und in ihren Händen entsagen, selbst das, was uns aufgetragen wurde nicht zu entsagen. Es geht nicht darum nur das zu opfern, was wir durch die Zehn Gebote verpflichtet sind, sondern allem zu entsagen, was einem Menschen möglich ist.

Der hl. L zeigt in dieser Weihemethode alles auf, was der Mensch der Muttergottes zur Verfügung stellen kann und empfiehlt es zu tun. Dies ist sehr wichtig für die vollkommene Andacht, denn es bedeutet sich ganz hingeben. Was nutzt es, wenn jemand einen Brief beendet mit "Dein ergebener Freund" und wir ihm später um einen Gefallen bitten, den er uns verweigert? Da geht es nur um eine reine Formel. Die Andacht bedeutet eine vollkommene Hingabe, eine totale Weihe.

Die wahre Andacht zur Muttergottes besteht nicht aus intensiven nervösen Schwingungen vor einem Bild, sondern einer ernsthaften, tiefen, dauerhaften und folgerichtigen Übergabe unsererselbst und alles was wir sind und haben in ihre Hände. (121 bis 126)

Hier tauchen zwei Probleme auf:

a) wie wird diese Hingabe vollzogen?

b) warum wird sie der Muttergottes gemacht und nicht direkt zu Jesus?

Im 4. Kapitel erklärt der hl. L auf welche Weise diese Hingabe vollführt wird: "Um Maria ganz geweiht zu sein, müssen wir ihr schenken: 1. unseren Leib mit allen seinen Sinne und Gliedern; 2. Unsere Seelen mit allen ihren Fähigkeiten; 3. unser Hab und Gut – was wir Vermögen nennen -, das gegenwärtige und das zukünftige; 4. unsere inneren und geistlichen Güter, nämlich unsere Verdienste, unsere Tugenden und unsere guten Werke in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Mit einem Wort: Alles, was wir in der Ordnung der Natur und der Gnade besitzen und besitzen werden, schenken wir Maria" (121)


Die Folgen der Weihe


Um zu verstehen, was dieser Schritt, den wir mit dieser Hingabe tun, bedeutet, und was der hl. L unter "Weihe" versteht, wollen wir sie in ihren Folgen analysieren.

"Unseren Leib mit allen seinen Sinnen und Gliedern" – Wenn wir der Muttergottes unseren Leib mit allen seinen Sinnen und Gliedern schenken, ist das erste, was wir in diesem Leib tun müssen, ihren Willen durchzuführen. Wir begreifen also sofort, dass wir unseren Leib nicht als ein Werkzeug der Sünde gebrauchen können.

Was man also als erstes von dem, der sich der Muttergottes weiht, bezüglich des Leibes verlangt, ist natürlich die Reinheit. Es wird überhaupt keinen Sinn haben, wenn wir sagen, unser Leib gehört ihr, wir aber gerade das Gegenteil tun, von dem, was sie von uns will. Es wäre, als wenn wir jemanden eine Münze geben und sie dann wieder abnehmen, um etwas für unseren eigenen Gebrauch zu kaufen. Das ist Diebstahl an dem, den wir beschenkt haben.

Das reicht jedoch nicht. Um unseren Leib ganz der Muttergottes zu schenken, müssen wir ihn so behandeln, wie sie es will. Das heißt, wir müssen ihn ganz in ihren Dienst stellen; ihn würdig behandeln und gebrauchen, als etwas, was wir ihr schon geschenkt haben, und unter ihrer besonderen Macht steht.
Außerdem, wer sich Maria mit dieser Weihe geschenkt hat, muss von gewissen Haltungen und Benehmen Abstand nehmen, die einem würdigen Gebrauch des eigenen Leibes widersprechen. Zum Beispiel, die Art sich zu präsentieren. Wir wissen, dass unser Leib die Folgen der Erbsünde in und an sich trägt. Das muss uns in uns das entsprechende Schamgefühl hervorrufen. Wir dürfen also nicht unseren Leib im nackten oder halbnackten Zustand zur Schau stellen. Es sind Haltungen, die nicht dem Respekt, dem wir uns selber entgegenbringen sollen und der Würde eines Leibes entsprechen, der der Muttergottes geschenkt wurde.
Wenn wir also unseren Leib Maria geschenkt haben, so muss er auch ein Werkzeug sein, das für sie im Sinne des Apostolats eingesetzt wird. Er muss bereit sein alle Erschöpfungen auf sich zu nehmen, die Gefahr von Krankheiten angesteckt zu werden, durch Geißelung zerrissen zu werden, wenn es notwendig ist. Er muss bereit sei alles notwendige anzunehmen, damit Maria gedient wird. Das ist in Wahrheit die Bedeutung, unseren Leib Maria zu schenken.
Mehr noch: Wenn wir in unsere Art uns zu kleiden, mehr oder weniger revolutionäre Kleidung tragen können, so müssen wir die tragen, die am nächsten übereinstimmt mit den Leitlinien der GR. Da unser Leib Maria gehört, würdigen wir sie, indem wir uns angemessen kleiden.
Dies sind folgerichtige Handlungsweisen der vollkommenen Hingabe der Königin der GR.

Im Lichte dieser Auffassung kann man die Größe und die Würde aller Opfer- und Heldentaten gut verstehen. Man versteht, was ein Kämpfer ist, der in den Kampf zieht mit der Bereitschaft zu sterben, weil der Körper, den er verliert, das Blut, das er vergießt, gehören ihm nicht mehr, da sie ja der Mutter Gottes in einem mutigen Weiheakt und einer großherzigen Hingabe übertragen wurden.
Dies ist die Art, auf der wir die vollkommene Weihe leben sollen: Bereit unser eigenes Leben zu entsagen, wenn es der Gottesmutter gefällt.
Die vollkommene Weihe unseres Leibes geht noch weiter. Wir müssen bereit sein, wenn es Maria so will, die Hässlichkeit der Schönheit vorzuziehen, die Krankheit der Gesundheit, die Verstümmelung der Unversehrtheit und sogar anzunehmen, dass Krankheit uns heimsucht, um für die katholische Kirche zu sühnen. Es ist klar, dass wir keine unklugen Opfer bringen sollen. Aber wir sollten diese seelische Bereitschaft schon hervorbringen. Unser Leib soll der hl. Jungfrau zur Verfügung stehen, und unsere Worte ihr gegenüber sollten die gleichen sein, die sie bei der Verkündigung sprach: "Ecce ancilla Domini, fiat mihi secundum verbum tuum" (Lc., I, 38). "Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort". Jedem von uns geschehe nach dem Wort Gottes. Was sie von uns will, sei von sofort an geopfert, von sofort an angenommen, in dem Maße der Kräfte, die sie uns dafür bereitstellt. Unser Leib wurde ihr geschenkt, ihr übergeben.

Wenn wir diese Weihe in dieser Tiefe leben, wird sie natürlich äußerst ernst und erhaben werden. Die Andacht des hl. Grignion ist an sich sehr ernst und erhaben. Niemand sollte seine Methode übernehmen, ohne über alle Konsequenzen, die sie mit sich bringt, nachzudenken. Und sie ist äußerst erhaben weil sie äußerst ernst ist. Was nicht sehr ernst ist, ist auch nicht bewundernswert.

"Unsere Seele mit allen ihren Fähigkeiten" – Zunächst muss gesagt werden, dass der Muttergottes unsere Seele schenken, bedeutet sie dem katholischen Glauben zu schenken. Unsere Seele wird in dem Maße Maria gehören, wie sie der Kirche und dem Papst gehört.


Doch das reicht nicht. Um Maria zu gehören, muss unsere Seele dieses innere Gleichgewicht besitzen, das den ihr wahrhaft geweihten Seelen eigen ist. Wir müssen immer daran denken, dass all das, was außerhalb der natürlichen Ordnung, Sünde ist, und alles, was mit ihre übereinstimmt, Tugend ist.

Also ist jeder Vorgang in unserer Intelligenz und jeder Willenskat oder Regung des Gefühls, die im Widerspruch zur natürlichen Ordnung stehen, eine Unvollkommenheit. Wir werden nur dann wahrhaftig Eigentum der Muttergottes sein, wenn in unserer Seele zwischen Intelligenz, Wille und Gefühl dieses wahre Gleichgewicht der wirklich tugendhaften Seelen herrscht.

"Unser Hab und Gut – was wir vermögen nennen – das gegenwärtige und das zukünftige" – Hier muss man unter Vermögen auch alles das mit einbeziehen, was es mit sich bringt: gesellschaftliches Ansehen, Beziehungen, Einflüsse, kurz, alle Vorteile dieser Welt.

Es ist nicht leicht, bei dieser Weihe des Vermögens an Maria die letzten Konsequenzen zu ziehen. Nichts ist betrügerischer und gefährlicher wie eine gewisse "Spendermentalität". Unsere Schwächen kommen mehr zum Vorschein wenn wir geben, als wenn wir empfangen. Bekommen ist einfach, Geben ist schwierig.

Haben wir Geld und weihen uns nach dem Sinn des hl. L der Muttergottes, müssen wir bedenken, dass es, soweit es unsere Standespflichten erlauben, Maria gehört. Jedesmal also wenn wir unser Geld für einen Guten Zweck des Apostolats ausgeben, tun wir, was wir versprochen haben und machen kein Geschenk. Dieses haben wir schon ein für allemal getan, wir lösen hier nur ein Versprechen ein.

Die "Mentalität des Spender" sagt das Gegenteil: "Dies ist von nun an dein. Doch merke: wäge das Geschenk ab, sei dankbar, beuge dich; wenn du das anrührst, denke daran, wie ich gütig bin; erwähne das ab und zu, mach einen kleine Hinweis, um mich zu trösten, denn, sollte ich dies nicht vernehmen, bin ich nicht geneigt, weiteres zu geben". Es gibt nichts schockierenderes! Es ist das Elend der "Spendergesinnung".

Vielmals sehen wir das bei Spendern einer Pfarrei. Wenn der Pfarrer nicht aufgeht in Dankeserweisen, den Spender nicht an seinem Geburtstag gratuliert, ihm nicht Festtagsgrüße schickt und ihm nicht zu fühlen gibt, dass er äußerst mildtätig gegen Gott ist – der eine Art Bettler ist, der ihm viel schuldet -, werden keine weiteren Wohltaten folgen.

So dürfen wir nicht sein gegenüber den Anliegen der Kirche. Noch viel weniger gegenüber der Wahrheit, die der Kern der Kirch ist. Wir müssen betrachten, wenn wir diese Weihe vollzogen haben, dass, was wir gegeben haben, uns nicht mehr gehört. Und wenn wir uns selbst mittels dieser Weihe Maria geschenkt haben, um so mehr übergaben wir ihr, was unser Eigen ist. Es wäre absurd zu sagen: "Mein Gott, meine Finger sind dein, die Ringe aber sind mein." Es ist also ein Entsagen, eine Weihe, die Übergabe des eigenen Sein mit all seinen Konsequenzen, die diese Schenkung enthält.

Unsere inneren und geistlichen Güter, nämlich unsere Verdienste, unsere Tugenden und unsere guten Werke – Dieser Verzicht ist unter Umständen noch schwieriger. Zunächst müssen wir bereit sein, das innere Gut unserer eigenen Seele zu veräußern, welches eines der wertvollsten inneren Güter ist. So wie es Augenblicke gibt, in denen wir das Leben unseres Körpers wohl empfinden, so empfinden wir auch manchmal die Regungen unserer Seele als angenehm. Wir müssen bereit sein, auf aller inneren Wonne und selbst auf geistliche Tröstungen zu verzichten, wenn es zum größeren Vorteil der Kirche und Bereicherung ihres kostbaren Schatzes ist.

Der hl. L empfiehlt uns, wir sollen sogar zu noch etwas höherem bereit sein. Nach der katholischen Lehre geschieht die Wiedergutmachung unserer Sünden, durch Anordnung der Vorsehung Gottes, teils in diesem Leben teils im Fegefeuer in Teilen, die nur Gott wirklich kennt. Doch eines wissen wir: für die Sünden, die wir begangen haben, wenn wir sie auch bereut haben und sie uns vergeben wurden, werden wir Sühne leisten müssen. Gott nimmt aber auch unsere guten Werke in Betracht, um einen Teil der verdienten Strafen zu entlassen.

Trotz gegenteiliger Meinung von liberalen Katholiken, sind diese Strafen im Allgemeinen furchtbar. Schon die Lasten dieses Lebens, der Verlust des Vermögens, die Schwierigkeiten in der Familie, Unglück, Unannehmlichkeiten jeder Art können Sühneleiden sein, für das vollbrachte Übel.

Im Fegefeuer ist das Leiden wegen unserer Sünden jedoch viel schlimmer. Die Kirchenlehre über das Fegefeuer ist etwas ganz anderes von dem, was wir gewohnt sind zu hören. Das Fegefeuer ist furchtbar. Es ist nicht ein frommer Streich Gottes auf dem Weg der Seele in den Himmel, wo es ein bisschen brennt und aus dem man halbwegs unverletzt herauskommt, so als wäre es nur ein wenig wärmer als ein normales Bad.

Heutzutage wird sogar angenommen, das Fegefeuer sei eher etwas symbolisches, ein Ort in dem die Seele sich missmutig langweilt, weil sie nicht in den Himmel darf, so wie jemand der schon lange auf einen Bus wartet. Da vergehen manchmal einige Jahre bis er kommt, aber die Verbrennung sind nicht schlimmer als ein Sonnenbrand.
Dies ist nicht, was die katholische Kirche lehrt. Wir wissen, dass es im Fegefeuer brennt und dass tatsächlich das Leiden dort furchtbar ist. Doch Gott in seiner Güte mindert im Allgemeinen die Leiden in dieser Welt und in der anderen.

Der hl. Ludwig empfiehlt uns, einen Akt zu vollbringen, der der feinste Faden der Hingabe ist, wo sie am herzzerreißendsten ist; einen Akt mit dem wir den Verdiensten unserer guten Werke entsagen. So setzen wir uns aus, die Strafen zu bekommen. Die wir für unsere Sünden verdienen. Wenn wir uns vornehmen eine Gewissenserforschung zu machen, werden wir sehen, wie viel Strafen uns bereit stehen. Nun, mit dieser Weihe geben wir unser Einverständnis, Maria möge unsere Verdienste gemäß der größeren Ehre, Intentionen und Interessen der Kirche anwenden. Wir verzichten sogar auf das, was unsere guten Taten an Sühnewert für uns selber und an Verdiensten vor den Augen Gottes haben könnten.

Dem, was wir nicht entsagen

Es gibt jedoch etwas, auf das wir nicht verzichten können: Es ist der Grad der Glorie, der uns im Himmel bereitsteht als Lohn für unsere Taten. Wir können nicht zugunsten anderer auf den Grad der Verherrlichung verzichten, der uns bereitsteht. Da würde die Gerechtigkeit Gottes eingreifen. Doch außer dieser Vorherbestimmung, können wir auf alles Weitere verzichten.

Doch ist, auf jeden Fall dieser Verzicht etwas Furchtbares. Denn, z.B., wer diese Erwägungen mit andächtigem Geist liest, kann Verdienste erreichen, die ihm das Leben müheloser machen. Doch als Sklave der Muttergottes, nützen ihm diese Verdienste nichts. Nachdem er diese Lektüre beendet hat, kann er eine Strafe erleiden, zur Sühne für die Sünden, die er begangen hat, denn die Verdienste der Lektüre wurden nicht ihm selbst angerechnet, sonder jemanden anders, den er gar nicht kennt. Als Sklave Mariens, schenkt er ihr sogar dies.

Wir verstehen, dass eine Rückversicherung für die Werke der Frömmigkeit, Ablässe usw. sehr nützlich sein kann.
Dieses Sklavenopfertum ist in der Tat sehr hart. Der hl. L spricht jedoch weiter vorne über die Großzügigkeit Mariens. Er überträgt dazu ein Sprichwort bretonischer Bauern auf die Güte der Muttergottes: "por un oef Elle donne un boef" – für ein Ei gibt Sie ein Ochs. Wenn wir ihr also alles bis aufs äußerste geben, welcher Lohn steht uns da bereit? Er ist unermesslich, denn es ist sicher, dass Sie sich nie an Freigebigkeit übertreffen lässt. Und wenn unsere Freigebigkeit von der Größe eines Berges ist, wird Ihre die Größe des Universums haben, neben der unsere Freigebigkeit nur ein Sandkorn ist.

Es gibt also jeglichen Grund, dies Weihe zu vollziehen: Gründer der Liebe und Gründe der Hoffnung. Denken wir an die Opfer die Kain und Abel Gott dargebracht haben. Das Opfer des Abel war ehrlich und deshalb Gott wohlgefallen. Das des Kain, da er unehrlich war, hat Gott abgelehnt. Wir sollten, im Rahmen unserer menschlichen Schwächen diese Weihe vollziehen, uns aufopfernd wie das Opfer des gerechten Abel. Nicht auf der Art des Kain sollen wir es tun, nur zur unserer eigenen Zufriedenheit. Die Ernsthaftigkeit und Wichtigkeit dieser Weihe erlauben es nicht, sie in diesem Sinne zu vollziehen.

Der hl. Ludwig erinnert noch daran, dass es gewisse Personen gibt, für die wir aus Standespflicht beten müssen. Es ist klar, dass Maria das will, und wir könne es in aller Ruhe tun, ohne zu fürchten in Konflikt mit dem Geist der Weihe zu treten. Wenn wir unsere Verdienste in den Meinungen anderer aufopfern wollen, können wir Maria bitten, sie in diese Richtung zu verwenden, denn auf das Recht zu Bitten haben wir ja nicht verzichtet. Es wäre, wie wenn jemand uns eine Bibliothek schenken, und sofort um die Ausleihung eines Buches bitten würde. Wir haben Ihr alle unsere Verdienste geschenkt, und bitten Ihr sogleich etwas davon. Wird Sie sich weigern unsere Bitte anzuhören?

Samstag, 21. September 2013

Katholischer Journalismus



Zur Einführung seines Kommentars über die am 15. Mai 1956 veröffentlichte Enzyklika „Haurietis aquas“ von Pius XII. beschreibt Prof. Plinio Corrêa de Oliveira wie die wahre Einstellung eines katholischen Redakteurs gegenüber den Relativismus eines Nichtglaubenden sein sollte.

Zum Anlass des hundertsten Jahrestages der Einsetzung des liturgischen Festes des Heiligen Herzen Jesu veröffentlichte Papst Pius XII. die Enzyklika „Haurietis aquas“ (15. Mai 1956), über den wahren Sinn, Wichtigkeit und Aktualität dieser Andacht. Im Laufe seines Pontifikates veröffentlichte dieser Papst unzählige Dokumente, die große Aufmerksamkeit verdienen. Doch wir können sagen, dass ohne Zweifel diese Enzyklika in der Geschichte seines Pontifikates eines der leuchtendsten und wichtigsten Zeichen sein wird.
Wenn wir auch jedes päpstliche Lehrdokument mit Respekt und Freude aufnehmen, so bringen wir heute eine ausführliche Zusammenfassung dieses hervorragenden Dokumentes mit einem besonderen Gefühl des Wohlgefallens. Denn das Thema der Enzyklika befindet sich im Kern aller Probleme, die wir teils implizit, teils explizit des öfteren behandelt haben.
Eine Beobachtung, die die Lektüre unserer Zeitung (Catolicismo) nahelegt, ist, dass sie äußerst bemüht ist in der genauen und vollständigen Beachtung aller Gebote der katholischen Doktrin, sowie eine uneingeschränkte und gewissenhafte Zustimmung jedem Lehrakt der Heiligen Kirche entgegenbringt. Diese ständige Sorge um eine tiefbeständige Treue und Genauigkeit scheint vielen unklug oder gar unsympathisch. Sie meinen, dass die Pflicht zu Mitleid und Erbarmen, der Geist der Milde und der Gnade gegenüber den Ungläubigen, denen es so schwer fällt – gerade in unseren Tagen – den wahren Glauben anzunehmen, und gegenüber den Gläubigen, deren Beharrlichkeit immer größere Kämpfe erfordert, den katholischen Journalisten zu einer äußerst versöhnlichen Haltung verleiten sollte.
Statt den Irrtum und das Böse zu geißeln, sollte er eher über beide schweigen. Statt die Fahne der Vollkommenheit auszubreiten und die Leser auf die hohen, schwer zu erklimmenden aber betörenden Gipfeln der hohen Ideale hinzuweisen, sollten sie nur das notwendige zu ihrem Heil lehren. Dies würde sie zu Predigern einer minimalistischen Korrektheit machen, die nichts anderes ist als billige Mittelmäßigkeit. Wer sich die Aufgabe eines katholischen Redakteurs so vorstellt, wird unsere Haltung als kompromisslos, intolerant und unverständlich ansehen.
Wir sind die ersten, die es einsehen, dass diese Einwände, wenn sie nicht stimmen, sie jedoch viel Wahrheit enthalten. Auf den ersten Blick sticht hervor, dass die katholische Lehre sehr schwer zu praktizieren ist. Die Kirche hat wiederholt gelehrt, dass kein Gläubiger aus eigenen Kräften dauerhaft die Gesamtheit der Gebote befolgen kann. Daher scheint es vernünftig zu sein, jede Vollkommenheit in der Befolgung der Gebote als übertrieben anzusehen.
In Wahrheit findet sich die Lösung des Problems in einer anderen Gedankenordnung. Wenn es wahr ist, dass das Unvermögen der menschlichen Natur die Befolgung der Gebote dermaßen erschwert, dann müssen wir auch die unendliche Barmherzigkeit Gottes in Betracht ziehen. Nicht um damit zu folgern, dass Gott es mit der Sünde nicht so genau nimmt, Er, der die unendliche Vollkommenheit ist. Die Barmherzigkeit Gottes kann nicht darin bestehen, dass Er uns in unserem Verderben hilflos darben lässt, sondern darin uns daraus herauszuholen. Angesichts der Blinden, Aussätzigen, Lahmen, die Er auf seinen Wegen begegnete, beschränkte Er sich nicht auf ein Lächeln und weiterzugehen. Nein, Er heilte sie. Angesichts unserer Sünden will seine Barmherzigkeit uns von diesen liebevoll befreien und uns auf seine Schulter tragen. Was wir von der Barmherzigkeit Gottes erwarten, sind die notwendigen Hilfen, die uns befähigen, das Gesetz der Moral zu erfüllen. Dazu haben wir die Gnade, die uns durch die unendlichen Verdienste Jesu Christi erreicht wurde. Die Gnade befähigt unseren Verstand zum Glaubensakt. Sie verleiht unserem Willen eine solche Kraft, dass es ihm möglich wird, die Gebote zu befolgen. Die große Gabe Gottes für die Menschen – wir sagen es noch einmal – besteht nicht in der Gleichgültigkeit gegenüber unseren Fehlern, sie nicht zu tadeln und teilnahmslos uns in sie versinken zu lassen. Die große Gabe ist, uns die übernatürlichen Mittel zu geben, um die Sünde zu meiden und die Heiligkeit zu erlangen. Daher auch die große Verantwortung derer, die diese unschätzbare Gabe ablehnen.
Das ausdruckvollste Symbol dieser barmherzigen Liebe Gottes, der Menge seiner Vergebungen und der Beharrlichkeit mit der Er ständig die Menschen zur Reue auffordert, die notwendigen Gnaden zu erbitten, für die Übung der Tugenden, um durch das Gebet alle notwendigen Mittel zu erlangen zur Änderung seines Charakters, ist das Heiligste Herz Jesu. Im Heiligsten Herz Jesu also erhält jede echte Kompromisslosigkeit gegenüber dem Bösen ihre Norm und Erklärung. Für einen katholischen Journalisten besteht die Güte nicht darin, den Sünder im Glauben zu belassen, dass sein Seelenzustand zufriedenstellend ist. Dem Sünder muss das ganze Grauen seiner Bosheit klargemacht werden, damit er sich von ihr absagt. Er muss auf die Gipfel der Vollkommenheit hingewiesen werden, damit er sie zu erreichen wünscht. Denn alles ist ihm möglich, wenn er beharrlich um die Gnade Gottes bittet und mit dieser kooperiert. Auf diese tiefe und freudige Überzeugung, dass der Mensch mit der Gnade alles vermag, begründet sich die heilige Tugend der christlichen Kompromisslosigkeit. Jeder Akt der Barmherzigkeit ist eine große Gabe, beinhaltet aber auch eine große Verantwortung. Da der Mensch durch Gebet und durch die Treue zur Tugend die Gebote praktizieren kann und soll, gibt es offensichtlich für ihn keine Entschuldigung, wenn er in der Sünde verharrt. Pius XII. zeigt wie die Gnaden im Übermaß aus dem süßesten Herzen Jesu strömen. Gerade deshalb besteht die Formel für ein erfolgreiches Apostolat nicht im Verschweigen der im Menschen innewohnenden Bosheit, sondern in der Aufforderung sich an der göttlichen Quelle rein zu waschen, aus der die Ströme der Gnade entspringen. Dies ist die Aufgabe des katholischen Journalismus.
Nach der Veröffentlichung dieses monumentalen Dokumentes, das die Christenheit dem Heiligen Vater schuldig bleibt, fühlen sich unsere Herzen von dem aufmunternden Wunsch entbrannt, es möge mit der gleichen Tiefgründigkeit, mit der gleichen obersten Autorität, mit der ebenso tiefen Frömmigkeit dieser Enzyklika ein Dokument entstehen über den Kult zum Unbefleckten Herzen Mariens. Dies wäre eine harmonische und vollkommene Ergänzung des Briefes „Haurietis aquas“. 

(Aus „CATOLICISMO“ Nr. 68 - August 1956 - freie Übersetzung aus dem Portugiesischen)

Freitag, 16. August 2013

Der Glockenklang der Tradition

Auszug aus der Schlussrede von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira eines Wochenseminars der brasilianischen TFP für katholische Jugendliche am 15. Januar 1970


Viele Male wurde mein Name heute Abend hier genannt und war oft Gegenstand von wohlgemeinten Erwähnungen, dass es nicht Gerecht wäre, wenn ich ihnen nicht einiges über mich sagen würde.

Sie haben meine Schriften gelesen, sie haben mich vielfach sprechen gehört, sie hören mich noch in diesem Moment. Sie haben niemals von mir gehört – ihr, meine Freunde und Mitstreiter von jeher, die ihr seit 30 und 40 Jahren mit mir zusammenarbeitet, oder ihr, meine jungen Freunde, die ihr mich praktisch heute erst habt kennengelernt –, niemals haben sie von mir diesen Satz gehört: "Ich habe eine Lehre hervorgebracht; ich habe einen Gedanken aufgebaut, eine Schule gegründet, ich habe dies oder jenes erfunden". Der Gerechtigkeit verpflichtet muss ich sagen,sagen, dass alles, was ich in meinem Leben unternommen habe, habe ich in der Freude und in jubelnder Begeisterung meiner Seele – mit Anerkennung und Dankbarkeit – immer vorgestellt und angepriesen als die Lehre der Heiligen,
Römisch-Katholischen und Apostolischen Kirche zu sein. Denn wenn etwas in mir an Gutes zu finden ist, dann kommt es einzig und allein von der Tatsache, dass die Muttergottes mir diese Gnade geschenkt hat – da fehlen mir die Worte, um Dank zu sagen; und ich hoffe, dass ich die Ewigkeit an Ihrer Seite verbringen kann, um Ihr dafür zu danken –, dass ich in der Heiligen Katholischen Kirche getauft wurde und ein Kind der Kirche bin. Die Lehre, die ich vortrage, ist eine Darlegung der Lehre der Kirche. Manchmal eine sehr mühsame Darlegung, weil die Gegenstände aus verschwiegenen Winkeln hervorgeholt wurden, wo so manche Schönheit der Kirche schlummert. Es ist wahr, dass es eine Art archäologische Arbeit war, um in den Tiefen dieses Schweigens – was eigentlich nie hätte verschwiegen werden sollen – das zu entdecken, was ich als katholische Lehre vortrage.
Lesen sie meine Bücher, hören sie meine Vorträge und Reden – die ja alle elektronisch aufgenommen worden sind –, niemals werden sie etwas anderes von mir hören. Sie werden sagen, dass darinnen vielfältige Beobachtungen der Realität enthalten sind, dass da viel Scharfblick in der Art wie die TFP die Ereignisse sieht, vorhanden ist; dass die Art mit der sie Probleme löst sehr originell ist. Und ich sage ihnen, es ist wahr, aber sie werden es hundertmal von mir wiederholt hören, dass wir alles der Tatsache verdanken, dass wir – ich – uns von der katholischen Lehre haben durchdringen lassen. Es ist die katholische Einstellung bezüglich vieler Aspekte des menschlichen Lebens, die sich in Formeln und Lebensstile kristallisieren, aus Traditionen zusammenfügen, was genau das hervorbrachte, was wir den Stil der TFP nennen.
Ich bin nichts und möchte weiter nichts sein als eine Glocke, doch noch weniger als eine Glocke: ein Echo der großen Glocke, welche die römisch-katholische und apostolische Kirche ist. Ich möchte den Klang dieser Glocke weitertragen nicht als Amtsträger, nicht als Meister, sondern als treuer Jünger, von Freuden erfüllt weil Jünger der Kirche. Ich möchte diese Lehre, die auf so vielen Kathedern, auf so vielen Kanzeln, in so vielen Beichtstühlen verschwiegen wird, weitertragen. Wir sind das Echo, das inmitten der Schlacht den Klang der Glocke weiter trägt bis in die Ferne, um ihn überall zu Gehör zu bringen. Treu auch dann – oh Schmerz! – wenn die Glocke schweigt, denn das Echo bleibt auch dann, wenn die Glocke verstummt ist. Treu auch dann, wenn die Glocke wie verrückt schlägt, wenn sie ihre Berufung als Glocke verrät.
Dies ist die Treue des Echos; es stirbt nur dann, wenn es aufhört den Klang zu wiederholen. Mein Wunsch ist es, unaufhörlich zu wiederholen, zu wiederholen, das, was ich gehört habe, was ich von der Heiligen Katholischen Kirche gehört habe.
Diese Treue, die ich ihr bis heute gehalten habe und die mir die Muttergottes –so hoffe ich – bis in meinen letzten Tagen gewähren wird, diese Treue, wem verdanke ich sie? Erlauben sie mir, ihnen kurz etwas Vertrauliches mitzuteilen:
In den Jahren 1919, 1918 oder 1920 – wie ist das lange her für viele, die hier sind, so weit entfernt wie die Zeit des Pharao Tutanchamun – lebte in São Paulo ein kleiner Junge, geboren in einer katholischen Familie, der auf seinem Zimmer ein Statue der Muttergotte hatte, jedoch ein nicht erklärbares Unbehagen gegenüber der Figur fühlte. Dieser Junge wurde in einem gewissen Moment einer harten Prüfung ausgesetzt. In der ausweglosen Situation, in der er sich
befand, ging er zur Pfarrkirche und betete vor der Statue Maria, Hilfe der Christen. In der Kapelle seiner Schule war ein anderes Muttergottesbild, das der Mutter vom Guten Rat, zu der er in Tagen seelischer Prüfungen betete. Die Schuld an der Prüfung lag an ihm selbst. Von ihm könnte man sagen, was der hl. Augustinus von sich sagte: "so klein und schon ein Sünder".
Der Junge erhob seine Augen zur Muttergottesstatue und ohne eine Vision oder eine Offenbarung zu haben, ohne etwas, was außerhalb der normalen Wege der Gnade ist, zu verspüren, begriff er doch, das Sie die Mutter der Barmherzigkeit ist, mit Ihr würde er zurechtkommen. Er nahm ein Vertrauen zu Ihr, das ihn für den Rest seiner Tage nie mehr verlassen hat. Sie lächelte ihm fortwährend zu und er machte es sich zur Pflicht immer und überall von Ihr zu sprechen und Ihr zu dienen, solange er lebe.

Dieser Junge, der Ihr alles schuldig ist, und in diesem Moment Ihr einen dankenden Akt der Verehrung erweist, wissend, dass in ihm nichts ist, dass Sie aber die Mittlerin aller Gnaden ist und wir Ihr alles zuerkennen müssen. Diesen Jungen sehen sie hier vor ihnen; er richtete ihnen gerade das Wort.

Freitag, 28. Juni 2013

Mariä Heimsuchung - Das Magnifikat





Plinio Corrêa de Oliveira
 
     Das Fest Mariä Heimsuchung ist verbunden mit dem Magnifikat, das die Muttergottes bei dieser Gelegenheit gesungen hat.

     Das Magnifikat scheint mir ein Meisterwerk von folgernden Überlegungen, die den Geist Mariens sehr klar anschaulich machen, das heißt, es zeigt uns die logische Struktur ihres Geistes. Es zeigt uns auf erstaunlicher Weise, wie sie im äußersten Zustand der Freude und Verzückung die rationale Struktur eines Gedankenganges beibehielt.

     Es ist schön festzustellen, wie sie alle Eigenschaften Gottes vor allem im Hinblick auf seine Macht und Größe besungen hat. Dies ist einer falschen süßlichen Frömmigkeit ganz fremd, die sich fast ausschließlich auf die Barmherzigkeit Gottes fixiert. Sicherlich müssen wir auch die Barmherzigkeit Gottes rühmen auf Ewig, denn ohne seine Barmherzigkeit wären wir nichts. Doch darf man nicht einer Einseitigkeit verfallen und damit die göttliche Macht und Größe beiseite lassen oder gar vergessen. Beides, Barmherzigkeit und Macht, muss man in gleicher Weise immer berücksichtigen.

     Und das sieht man im Magnifikat: Es spricht von Größe und Macht aber auch von der Barmherzigkeit, als eine der Äußerungen der Größe Gottes.

    
Ich werde also das Magnifikat unter diesen zwei Aspekten kommentieren: 1. Es ist in seinem Gedankengang ein äußerst rationaler und strukturierter Text, der eine These beinhaltet, ganz im Gegensatz zu einer nur emotionalen Frömmigkeit. 2. Die Hervorhebung der Größe Gottes, jedoch mit einem glühenden Hinweis auf seine Barmherzigkeit.


   Das Magnifikat hat die Eigenschaften einer These.

   Die ersten zwei Verse sind die These:

    „Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.“

   Dann kommen die Gründe.

   Erster Grund:

    „Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter!“

    Sie preist Gott, weil er ein großes Werk vollbracht hat: Aus einer einfachen, demütigen Magd hat er eine Königin gemacht, die alle Geschlechter seligpreisen werden. Dies ist eine Äußerung der Macht Gottes.

    Ein anderer Grund:

    „Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilige.“

    Er hat an ihr Großes getan, dies veranschaulicht  seine Größe. Deshalb preist sie den Herrn.

    Ein weiterer Grund:

    „Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.“
   
  Sie preist ihn, weil seine Barmherzigkeit sich über die Geschlechter, die ihn fürchten, hinweg ausbreitet. Auch dies ist eine Äußerung der Größe und der Barmherzigkeit Gottes.

    Man beachte, dass Gott sich nur derer erbarmt, die ihn fürchten, die also um seine Größe wissen und vor dieser Größe sich fürchten. Diese Furcht bedeutet nicht Ängstlichkeit sondern es ist eine ehrerbietige Furcht, Ehrfurcht genannt. Es ist die Furcht, die aus der Einsicht und Annerkennung der Größe, der Heiligkeit und der Güte Gottes kommt.

  Der nächste Vers gibt einen weiteren Grund, die Größe des Herrn zu loben:

    „Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten; er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind“.

    Gott ist groß und mächtig, nicht im Verhältnis zu denen, die ihn fürchten, sondern zu denen, die ihn nicht fürchten. Diesen gegenüber hat er die Macht seines Armes kund getan und zerstreut die Bösen, in deren Herzen sich hochmütige Gedanken bilden.

    Gott ist groß in seiner Fähigkeit diejenigen zu treffen, die ihn nicht fürchten.

    Hier offenbart sich die Größe Gottes in seinem Zorn, nachdem die Größe seiner Barmherzigkeit gelobt wurde.

    Wir sehen hier, wie dieser Lobgesang ausgeglichen ist, wie er die Größe Gottes in all seinen Eigenschaften verkündet. Wie ist das doch verschieden von der Einseitigkeit der süßlichen Frömmigkeit, die Gott nur unter der Sicht der Barmherzigkeit und der Nachgiebigkeit betrachtet, ohne den Ausdruck seiner Größe einzubeziehen.

    Ein weiterer Grund:

    „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“.

    Die Mächtigen von ihrem Thron stoßen, bedeutet nicht, jemanden, der auf eine Thron sitzt und Macht hat, herunterzustürzen und durch einen Niedrigen zu ersetzen. Dies wäre ein Unsinn, denn dieser Niedrige würde ja sofort mächtig sein und müsste ebenfalls dann gestürzt werden. Wenn der Vers sagen würde, er stürzt die Mächtigen vom Thron und macht alle gleich, dann hätte es einen schlechten Sinn, wäre aber doch sinnvoll.

    Aber diese Art von Riesenrad von der Erhöhung der Niedrigen und dem Sturz der Mächtigen, um dann die mächtig gewordenen Niedrigen wiederum zu stürzen, macht keinen Sinn. So darf das nicht verstanden werden.

    Wer ist dann der Mächtige und wer der Niedrige? Der Niedrige oder Demütige ist der, der sich so verhält wie Maria in diesem Lobgesang: Er erkennt Gott alles zu, sieht Gott als den Ursprung alles Guten, die Quelle aller Macht, ohne dem wir in der übernatürlichen aber auch in der natürlichen Ordnung nichts vermögen. Er ist die Mitte aller Dinge und der Herr, der über alles gebietet.

    Niedrig waren zum Beispiel die Mächtigen, von denen Maria abstammte und dadurch auch Jesus abstammte. David war ein mächtiger König, der in seiner Machtausübung starb. Er war aber demütig (niedrig), weil er ein Diener Gottes war und alles das einsah.

    Die Mächtigen, von denen im Lobgesang der Muttergottes die Rede ist, sind diejenigen, die das nicht einsehen, die meinen ihre Macht ohne den Beistand Gottes ausüben zu können.

    Deshalb stürzt Gott die Mächtigen und erhebt die Niedrigen. Dies ist ein Ausdruck der Größe Gottes, der über jede menschliche Macht lacht und spottet. (vgl. Ps 2,4)

    Er überträgt Macht dem Demütigen und dieser wird mächtig; er nimmt die Macht des Hochmütigen, der nur sich selbst vertraut, und er wird zu Nichts.

    Es ist die Größe Gottes, neben der menschliche Größen nichts sind.

    Nächster Vers:

    „Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.“

    Die Hungernden, die Armen im Geiste, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, diese beschenkt er reichlich mit Gaben. Die, die nicht nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, die den irdischen Gütern behaftet sind, lässt er leer ausgehen. Das heißt, die Reichen sind nichts für ihn. Gott macht aus Reiche Arme und aus Arme Reiche wie es ihm beliebt.

    Im nächsten Vers vernehmen wir einen weiteren Ausdruck von Gottes Größe: Den Schutz, den er dem auserwählten Volk verleiht.

    „Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unseren Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.“

    Das heißt, auch in dem, was Gott verspricht, ist er großzügig: Er erhält seinen Bund bis ans Ende.

    Wir stellten also fest, wie dieser Lobgesang eine These beinhaltet, die bis zum Schluss begründet wird und wie ausgeglichen die Größe und Barmherzigkeit Gottes besungen werden. Die Größe Gottes in seiner Barmherzigkeit; die Größe Gottes in seiner Gerechtigkeit; die Leere aller Menschen im Angesicht Gottes; die Herrschaft Gottes über das ganze Universum. Es ist eine Triumphhymne an die Größe Gottes.

    Als Elisabeth Maria begrüßte und sie als gesegnet unter allen Frauen und Mutter des Herrn preiste, zeigte sie, dass sie sich als ein Nichts vor der unendlichen Größe Gottes betrachtete. Sie gab dies auf hervorragende Weise in dem Lobgesang zum Ausdruck, mit einer Ausgeglichenheit der Gefühle, in einem rationellen Aufbau der Begründungen ihres Lobpreises, dass man ihn mit dem Argumentenaufbau der Summa Theologica des Thomas von Aquin vergleichen kann.

      Diesen Lobgesang dichtete sie unter Eingebung des Heiligen Geistes, als sie von Elisabeth gegrüßt wurde. Doch in ihren wenigen Äußerungen, die im Evangelium registriert sind, ist die rationale, logische Eigenschaft ebenfalls sichtbar. Als ihr, zum Beispiel, durch den Engel mitgeteilt wurde, dass sie die Mutter des Erlösers sein würde, antwortete sie mit einem reinen rationalen Einwand: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ Sie hatte ja das Jungfräulichkeitsgelübde abgelegt. Als der Engel ihr erklärte, wie es geschehen sollte, antwortet sie fast wie in einem Syllogismus: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort“.

      Ihre Antwort ist ein Folgesatz: Sie erwähnt ein Prinzip und die entsprechende Folgerung.

      Ebenso als sie den Knaben Jesus im Tempel wiederfindet: Ihre voll Kummer und Angst gestellte Frage, erfordert wiederum eine Erklärung: „Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht.“

      Hier verstehen wir, dass der katholische Geist rational sein muss, voller Vernunft, Denkvermögen und Dichte in allem, was er tut und sagt.


 
      Die Muttergottes, Sitz der Weisheit, steht für uns als Vorbild der Zweckmäßigkeit, der Erwägung und der Mäßigung im Denken und Sagen. Wenn wir das Magnifikat analysieren, werden wir sehen, dass es kein überflüssiges Wort enthält, kein Gedanke, der nicht am richtigen Ort wäre. Es ist ein vollendetes Kleinod, an dem jeder Stein seinen eigene Schliff hat, um insgesamt ein prachtvolles Bild zu geben.

  Hier haben wir ein Bild vom Geist Mariens, der viel erhabener ist, als die läppische Gefühlsduselei und leere Begeisterung einer sentimentalen Frömmigkeit. Es ist etwas, was aus der Vernunft entspringt und nicht aus dem Eifer der Gefühle oder einer unüberlegten Spontaneität.


      So verstehen wir auf beschreibender Art, dass, was wir auf anderer Weise über die Muttergottes wissen: Sie ist der Sitz der Weisheit. Wir verstehen nun auch, was es heißt, den Geist Mariens zu besitzen und ihr Diener oder Sklave (wie es der hl. Ludwig von Montfort bezeichnet) zu sein. Es bedeutet, sich bemühen diese Weisheit, diese Ausgewogenheit,  zu besitzen, bei der die Vernunft vom Glauben beherrscht und geleitet wird und die Gefühle im Dienste der Vernunft stehen. So dass die Gefühle schwingen, wenn es die Vernunft zulässt und ihr Schwingen einstellen, wenn die Vernunft es so befiehlt. Und wenn die Gefühle nicht mit der Vernunft zum Schwingen kommen, so ist es die Vernunft die obsiegt und nicht die Gefühle. Dies sind geistige Regeln für die Nachfolge Mariens aus ihrem geistigen Hauptwerk, dem Magnifikat.

      An einem anderen Punkt möchte ich noch erinnern: Als Maria Elisabeth begrüßte und das Kind (Johannes) ihre Stimme hörte, hüpfte es in ihrem Leib vor Freude.

      Welche Freude empfinden wir, wenn wir die Stimme Mariens in unserem Herzen hören?

      Bitten wir der Muttergottes, dass sie neben den Prüfungen, die sie uns schickt, uns an diesem Feste außer den Gnaden, die sie uns schenken möge, uns auch Worte vernehmen lasse, die unser Herz mit Freude erfüllen und uns ermutigen alle Kreuze zu tragen, die uns auferlegt werden, um aufrichtig für sie bis ans Lebensende zu leiden.

Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira, den er am 2. Juli 1963 hielt. Er wurde übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne seine Überarbeitung.
 





Mittwoch, 17. April 2013

Die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens


Plinio Corrêa de Oliveira


Eines der Merkmale der Verehrung, die wir unserer Lieben Frau schulden, besteht sicherlich darin, dass sie von großer Zärtlichkeit begleitet ist. Und doch besteht die Verehrung aus mehr als nur Zärtlichkeit, Überschwang und Gemütsbewegung.

Um beständig zu sein, ist es wichtig, dass die Marienverehrung auf präzise, exakte und logische Kenntnisse gründet. Nur aus der guten Kenntnis der Wahrheit kann eine dauerhafte und ehrliche Liebe hervorgehen. Die Frömmigkeit muss durch die eingehende Beschäftigung mit der katholischen Lehre bestärkt werden. In dieser wird sie nämlich ihr bestes Fundament und ihre wahre Wurzel finden.

Wenn die Kirche die Weihe von Völkern, Bistümern, Familien und Einzelpersonen an das Heiligste Herz Jesu oder an das Unbefleckte Herz Mariens fördert, so will sie damit erreichen, dass die auf diese Weise Geweihten Elemente, den Entschluss fassen, auf eine ganz besondere Art dem Herzen Jesu oder dem Herzen Mariens anzugehören, indem sie treuer die Gebote befolgen, sich die heiligen Herzen zum Vorbild nehmen und dafür im Gegenzug deren ganz besondere Gunst und Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die Weihe ist daher nicht einfach ein Ritus oder eine vage Formel, die im Augenblick frommer Gemütsbewegung ausgesprochen wird. Sie ist vor allem ein wohl durchdachter, bewusster, gewollter und tiefgreifender Akt, der mit dem Vorsatz einer vollkommeneren Eingliederung in das Leben und in die Lehre der heiligen katholischen Kirche verbunden ist, denn nur so ist es möglich, wirklich Jesus und Maria anzugehören.

Es ist leicht zu verstehen, dass eine solche Weihe sowohl von äußerst tugendhaften Menschen vorgenommen werden kann, als auch von solchen, die noch die ersten Gehversuche auf dem Weg zur Vollkommenheit im geistlichen Leben machen. Für die Einen wie für die Anderen ist der Weiheakt von großem Nutzen, weil er auf den, der ihn ausführt, den ganz besonderen Schutz der göttlichen Vorsehung herabruft und ihm damit außergewöhnliche Heilsgarantien versichert.

Viele Katholiken verstehen sehr gut, dass sich jemand dem Heiligsten Herzen Jesu weiht, denn diese vortreffliche Übung ist schon sehr häufig vollzogen worden und die Zahl der dem Herzen Jesu geweihten Familien ist heute - Gott sei Dank! - sehr groß. Sie tun damit ihren festen Vorsatz kund, ihr Leben dem des Heiligsten Herzens Jesu anzupassen und ein wahrhaft frommes, christliches Leben zu führen. Auf diese Weise heiligen sie ihre Standespflichten, indem sie diese im Geiste einer übernatürlichen, opferbreiten Einstellung leben. Für den Erfolg dieser Vorsätze und den Empfang aller damit verbundenen Gnaden empfehlen sie sich ganz besonders dem göttlichen Herzen, das die eigentliche Quelle  alles Guten ist.

Doch allgemein wird der Weihe zum Unbefleckten Herzen Mariens leider weniger Verständnis entgegengebracht. Vielleicht gibt es auch einige, die in den angesprochenen Weihen einen Widerspruch sehen: Wie kann man gleichzeitig zwei Herren angehören, zwei Herzen gehorchen? Widerspricht sich das nicht? Schließt da nicht eine Weihe die andere aus?

Nichts ist haltloser als das. In Wirklichkeit ist die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens eine Ergänzung der Weihe an das Heiligste Herz Jesu. Doch nicht eine überflüssige Ergänzung sondern zweifellos eine kostbare und bewundernswerte Ergänzung, die der Weihe an das Herz Jesu eine wunderbare Wirklichkeit und Vollkommenheit verleiht.

Das Herz Mariens ist par excellence das Reich des Herzen Jesu. Die Einigkeit dieser beiden Herzen ist so vollkommen, dass es Autoren gibt, die sie sozusagen zu einem einzigen Herzen verschmelzen, in dem sie vom Herzen Jesu und Maria sprechen. Die ganze marianische Frömmigkeit gründet auf diese Grundwahrheit, das Maria der Kanal ist, durch den man zu Jesus kommt, Sie ist das Tor, das Leben, der eindeutige Weg, auf dem wir mit höchster Sicherheit, schneller, leichter Unseren Herren Jesus Christus erreichen. So ist die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens das sicherste, leichteste und schnellste Mittel die Vollkommenheit der Weihe an das Herz Jesu zu erreichen.

Einen Weiheakt zu vollziehen ist sicherlich leicht. Sich aber ehrlich, ernsthaft und gewissenhaft weihen, ist jedoch viel schwieriger. Um die notwendigen Bedingungen für eine vollkommene Weihe an Jesus zu erfüllen, ist nichts besser, sicherer, zweckmäßiger als uns Maria zu Weihen.

Christozentrisch denken bedeutet in Jesus Christus die Mitte von allem zu betrachten. Doch der wahre Christozentriker aber weiß, dass es nur einen wahren Weg gibt, der zur Mitte führt; und dieser Weg ist Maria.



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Die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens ist aktueller denn je. Mehr denn jemals zuvor braucht die von Missgeschicken jeder Art geplagte Welt ein mütterliches Herz, dass sich ihrer erbarmt. Daher ist es mehr denn je nötig, dass wir uns an das Herz unserer Mutter wenden, dass wir es anflehen, seine empfindlichsten Fasern rühren, seine innigsten Saiten schlagen, um all seine Barmherzigkeit, all seine Liebe, all seine Hilfe zu erlangen.

Wenn Papst Pius XII. die ganze Welt dem Herzen Mariens geweiht hat, so lasst uns seine Geste nachahmen und gleichsam ergänzen, indem wir uns vorbehaltlos demselben Unbefleckten Herzen weihen. Auf diese Weise werden wir dem Wunsch des Papstes entsprechen und dem von der göttlichen Vorsehung festgelegten Weg folgen.


Legionário Nr. 575,  15.8.1943