Montag, 16. Juli 2012

Das Heiligste Herz Jesu


Das heiligste Herz Jesu
    

Immer wieder haben die Päpste empfohlen, die Menschheit möge die Verehrung, die sie dem Heiligsten Herzen Jesu erweist, verstärken, damit, die Menschen durch die Gnade Gottes erneuert und wissend, dass Gott das Zentrum ihrer Liebe sein muss, auf Erden wieder diese Ruhe der Ordnung herrsche, von der wir uns immer weiter entfernen, je mehr die Welt in die Anarchie fällt.

      So kann eine katholische Zeitung auch nicht das vor kurzem gefeierte Fest des Heiligsten Herzen Jesu unbeachtet vorübergehen lassen. Es ist nicht nur eine durch die Frömmigkeit normale auferlegte Pflicht. Es geht hier mehr als um eine Pflicht, die die gegenwärtige erschütternde Lage der Welt dringend von uns erfordert.

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      Es gibt wohl niemanden, der sich nicht beunruhigt fühlt durch die äußersten Grausamkeiten, zu die der heutige Mensch gelangen kann. Diese Grausamkeiten sehen wir nicht nur auf den Kriegsschauplätzen. Wir sehen sie auf jeden Schritt in den kleinen und großen Zwischenfällen unseres täglichen Lebens, wie allgemein die Menschen mit kaltem und hartem Herzen mit ihren Nächsten umgehen.

      Es sind Mütter, in deren Gemüt die Stärke der Hingabe und Liebe zu ihren Kindern abnimmt; es sind Ehegatten, die die gesamte Familie ins Unglück fallen lassen, nur weil sie ihren eigenen Instinkten und Leidenschaften nachgehen; Kinder, die gleichgültig gegenüber dem Elend oder der moralischen Verlassenheit ihrer Eltern, sich dem Genuss der Lustbarkeiten des Lebens hingeben; Unternehmer, die sich auf Kosten ihrer Angestellten bereichern, legen oftmals eine kalte und berechnete Grausamkeit an den Tag, richten ein viel größeres Unheil an, als die Wut, zu der sich die Kämpfenden in einem Krieg hinreißen lassen können. Wenn man auch die Grausamkeiten eines Krieges leichter erfassen kann, so haben doch die, die sie verüben wenn nicht eine Entschuldigung, doch wenigstens den mildernden Umstand, dass sie herausgefordert werden durch die Heftigkeit des Kampfes. Doch was in der Ruhe des täglichen Lebens ausgeheckt wird und sich abspielt, kann nicht immer diese mildernden Umstände genießen. Vor allem wenn es sich nicht um Einzeltaten handelt, sondern um eingefleischte Gewohnheiten handelt, die die schlechten Taten ins unendliche vermehren.

      Kriege, die heute geführt werden, verursachen einen hohen Grad an Grausamkeit. Sie sind aber längst nicht der einzige Ausdruck der gegenwärtigen moralischen Härte.

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      Wer von Grausamkeit spricht, spricht von Egoismus. Der Mensch schädigt seinen Nächsten aus Eigennutz, weil er Vorteile genießen will, zu denen er kein Anrecht hat. So besteht das einzige Mittel, um die Grausamkeiten zu besiegen, die Selbstsucht zu vertilgen.

      Nun lehrt uns aber die Theologie, dass der Mensch nur zu einer echten und vollständigen Selbstlosigkeit fähig ist, wenn seine Nächstenliebe auf die Liebe Gottes begründet ist. Ohne Gottesliebe gibt es keine beständigen und keine vollkommene menschliche Liebesbeziehungen. Oder liebt der Mensch Gott bis zur Selbstvergessenheit, und dann ist er in der Lage seinen Nächsten wirklich zu lieben; oder der Mensch liebt sich selbst bis zur Gottvergessenheit, dann aber wird er von seiner Selbstsucht gänzlich beherrscht.

      So kann man nur durch die Vergrößerung der Gottesliebe bei den Menschen ein tiefes Verständnis ihrer Pflichten gegenüber dem Nächsten erreichen. Der Kampf gegen den Egoismus ist eine Aufgabe, die notwendigerweise die, wie sich  der hl. Augustinus so schön ausdrückt, „Erweiterung der Räume für die Gottesliebe“ mit sich bringt.

      Das Fest des Heiligsten Herzen Jesu ist aber auf vorzüglicher Weise das Fest der Liebe Gottes. Die Kirche empfiehlt uns an diesem Fest die zärtliche und unveränderliche Liebe Gottes, der Mensch geworden und für uns gestorben ist, zu betrachten und sie zum Ziel unserer Gebete machen. Indem sie uns das brennende Herz Jesu mit einer Dornenkrone, mit der wir es durch unsere Verfehlungen umwinden, öffnet die Kirche uns die Voraussicht einer barmherzigen weiten Vergebung, einer unendlichen und vollkommenen Liebe, einer vollständigen und reinen Freude, welche die beständige Wonne des geistlichen Lebens aller wahren Katholiken sein soll.

      Lieben wir das Heiligste Herz Jesu! Bemühen wir uns, das diese Andacht in allen Wohnungen, in allen Bereichen und vor allem in allen Herzen wirklich (nicht nur durch einige Symbole) triumphiere. Nur so wird es uns gelingen die Menschen umzuwandeln.

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      „Ad Jesum per Mariam“. Durch Maria kommen wir zu Jesus. Da wir über das Herz Jesu schreiben, wie können wir nicht ein Wort kindlicher Innigkeit über jenes Unbefleckte Herz sagen, das besser als jedes andere den göttlichen Erlöser verstand und liebte? Möge die Muttergottes uns einige Funken Ihrer großen Verehrung zum Heiligsten Herzen Jesu erlangen. Möge sie in uns ein wenig von diesem Feuer der Liebe entzünden, in dem ihr Herz so eindringlich brannte. Das sind unsere Wünsche in dieser milden und trostreichen Oktav des Herz Jesu Festes.

Freie Übersetzung aus „O Legionário“, N.º 458, 22 de junho de 1941

Montag, 5. März 2012

Zwei Arten das ländliche Leben zu sehen

Plinio Correa de Oliveira
     
      Sechs Uhr Abends. Das Tageswerk ist vollbracht. Eine erhabene Ruhe umhüllt die weiten Felder. Sie lädt ein zur Rast und Einkehr. Eine goldene Abenddämmerung verklärt die Natur. Alles scheint einen fernen und milden Glanz der unbeschreiblichen Majestät Gottes wider zu geben. Leise ertönt in der Ferne das Läuten des Engel des Herren. Es ist die kristalline und materielle Stimme der Kirche, die zum Gebet ruft. Die Feldarbeiter beten. Es sind zwei junge Menschen, die Gesundheit ausstrahlen und denen man die lange Gewohnheit der Feldarbeit ansieht. Ihre Kleidung ist bäuerlich grob. Doch aus ihrem ganzen Wesen schimmert Reinheit, Erhabenheit und die natürliche Zartheit tief christlicher Seelen. Ihr bescheidener gesellschaftlicher Stand wird irgendwie durch ihre andächtige Haltung verklärt und beleuchtet und erweckt Ehrfurcht und Zuneigung. Ihren Seelen widerstrahlen die goldenen Strahlen der Sonne; doch einer in jeder Hinsicht viel höheren Sonne: der Gnade Gottes.

      Wahrlich, die Schönheit ihrer Seelen ist der Mittelpunkt des Bildes, der höchste Punkt der ästhetischen Empfindung. Die dargestellte Natur ist schön, aber sie dient nur als Umgebung, um die Schönheit dieser durch den Sohn Gottes erlösten Seelen zum Ausdruck zu bringen.

      Nichts weist bei diesen Bauernleuten auf Ruhelosigkeit oder Unwohlsein hin. Sie entsprechen ganz ihrer Umgebung, ihrer Arbeit, ihrem Stand. Welch andere Würde, welch anderes Schicksal könnte dieses Paar sich wünschen?

      Millet hat auf bewundernswerter Weise in seinem Gemälde die notwendigen Grundlagen zusammengeführt, um die Würde der Arbeit in einer gelassenen und glücklichen Atmosphäre der echten christlichen Tugend zu verstehen.

*     *     *
      Solche Augenblicke sind jedoch nicht die Regel des Lebens auf dem Lande. Millet hat hier, sagen wir, mit einem Schnappschuss, einen Höhepunkt materieller und moralischer Schönheit des Landlebens eingefangen. Aber nicht nur das. Sein Bild hat die Eigenschaft den Menschen Gelegenheit zu geben, das echte und häufige Aufflackern dieses christlichen Ausdruckes der Seelen und der Gegenstände in einer von der Kirche wirklich durchtränkten Umgebung zu sehen und zu bewundern.

      Die geistige Haltung, die Millet dem Betrachter seines Bildes mitteilt, ist ganz auf Gott und dem Abglanz der geistigen und materiellen Schönheit gerichtet, den Er auf die Schöpfung wirft.

      In einer psychologischen Kritik des Bildes, müsste man, um genau zu sein, ein gewisses Übermaß an Sentimentalität beanstanden.
*     *     *

      Könnte man, das ebenfalls im ländlichen Leben inspirierte Bild von Yves Alix, „Le maître des moissons“, in gleichem Maße loben?
      Der Maler hat hier, in seiner Sicht der landwirtschaftlichen Arbeit, nichts von dem beobachtet, gespürt und angenommen, was sie würdig macht von einem Kind Gottes verrichtet zu werden.

      In diesem Gemälde hat nicht der Geist die Materie unterworfen und sie geadelt, sondern die Materie ist im Geist eingedrungen und hat ihn erniedrigt. In den Körpern hat die materielle Arbeit eine so zu sagen ruchlose Brutalität eingeprägt. Den Gesichtsausdrücken entströmt eine Gesinnung die an Kneipen und Konzentrationslagern erinnert. Wenn die Personen im Hintergrund nicht so versteinert wären und weinen könnten, wären ihre Tränen aus Galle; wenn sie stöhnen könnten, wäre es wie das Knattern von Zahnrädern. Aus dem Mund der schreienden Person im Vordergrund entströmt die Traurigkeit, die Bosheit, die Kakophonie der Farben, der Formen und der Seelen. Man weiß nicht richtig, was er schreit, ob eine Drohung oder eine Gotteslästerung.

      Yves Alix vereinte, übertrieb und entstellte bis zum Wahnsinn die Ansichten, durch welche die Arbeit Sühne und Leiden und die Erde ein Verbannungsort ist. Mit einer gewissenhaften – und wie begeisterten – Treue bringt er zum Ausdruck, was die menschliche Seele am scheußlichsten und niedrigsten hat, um das Ganze als die reale und normale Sicht des täglichen geistigen und beruflichen Lebens der Arbeiter darzustellen.

      Und deshalb: Während das Meisterwerk von Millet ein Gebet aushaucht, entströmt dem Alptraum des Yves Alix der Mief der Revolution.

      Wenn Gott den Engeln erlauben würde, die Erde zu verschönern, würden sie es in dem Sinne tun, die schönsten Aspekte, die Millet beobachtete und zusammentrug, zu vermehren und dauerhaft zu machen. Würde Er den Teufeln erlauben, den Menschen und die Schöpfung zu verunstalten, würden sie Leib und Seele, Gegenstände, Personen und Ambiente wie im Gemälde von Yves Alix dargestellt, umwandeln.

(Aus „Catolicismo“ Nr. 9 – September 1951)      

Freitag, 2. März 2012

Eine Beobachtung des hl. Johannes Bosco erklärt
den Ursprung der Revolution

    Die Zeitschrift „Cruzado Español“ ehrte mich mit der Veröffentlichung eines großen Teils meiner Studie „Revolution und Gegenrevolution“. Dies zeigt mir, dass die Leser dieser Zeitschrift an diesem Thema interessiert sind. So möchte im folgenden Beitrag eine Frage behandeln – wenn auch etwas oberflächlich –,  die mit dem Thema meiner Studie in enger Beziehung steht. Leider kann ich sie hier nicht so ausführlich behandeln, wie ich es wünschte.

*    *     *

    Ich fange auf eine vielleicht unerwarteten Weise an.
    Als ich die Schriften des hl. Don Bosco durchblätterte, fand ich folgende merkwürdige Beobachtung: „Zunächst, was die Bösen betrifft, werde ich nur eines sagen, was vielleicht unglaubwürdig erscheint, aber doch reine Wahrheit ist, so wie ich sie beschreibe. Nehmen wir an, dass unter 500 Schülern einer Schule es einen gibt, der ein schlechtes Leben führt. Es kommt ein neuer hinzu, der ebenfalls verdorben ist. Beide kommen aus ganz verschiedenen Regionen, entfernte Ortschaften, sind sogar verschiedener Nationalitäten, haben unterschiedliche Kurse gemacht, haben sich nie gesehen und kennen sich gar nicht. Trotz all dieser Unterschiede könnt ihr sie am nächsten Tag oder sogar nach einigen Stunden in der Pause zusammen sehen; sie haben Freundschaft geschlossen. Es scheint als würde ein böser Geist ihnen verraten, wer mit der gleichen eigenen Schwärze befleckt ist, oder, es ist wie ein teuflischer Magnet, der sie zu eine engen Freundschaft zusammenführt. Das ,sage mir mit wem du gehst, und ich sage dir wer du bist‘ ist ein sehr leichtes Mittel die befleckten Schafe herauszufinden, bevor sie sich in reißende Wölfe verwandeln.“

    Das gilt vielleicht nicht für normale Schulen, doch dieses Zeugnis versetzt uns in die Gegenwart einer Tatsache, die nicht schwer zu beobachten ist, selbst unter Erwachsenen, in den Routineepisoden des Alltags oder sogar in großen historischen Ereignissen. Wenn das Böse eine gewisse Tiefe der Seele erreicht, bekommt diese einen Scharfblick, der es ihr erlaubt über gewissen Anzeichen, die anderen bedeutungslos erscheinen, schon von Weitem seinesgleichen zu erkennen. Der genannte Scharfblick verbindet sich mit einer anderen Eigenschaft: eine gegenseitige Anziehung, die sie schnell zu einem engen Miteinander vereint, trotz aller Unterschiede, die sie trennen könnten, wie Wohnort, Nationalität, Alter usw. Es ist leicht festzustellen, wie aus der Verbindung solcher Elemente, auf natürliche Weise eine Gruppe, sogar eine Strömung entsteht, die wie ein Tumor sein Gift verbreitet.

1. Das Miteinander hebt die Eigenschaften hervor – In der innigen Freundschaft der Gruppe bildet sich durch den gegenseitigen Wetteifer eine gänzlich entgegengesetztes Ambiente zur Umwelt in der sie sich befinden.

2. Die Hervorhebung der Eigenschaften erzeugt den Hass – Dieser Unterschied mit der Umwelt erzeugt notwendigerweise Antipathien, Reibungen, Hass gegen die Mehrheit. Dieser Hass kann sich aus Gründen der Zweckmäßigkeit verdeckt halten. Doch in manchen Fällen (nicht immer) erhöht die Notwendigkeit des Schweigens die vergiftende Wirkung.
3. Der Hass wiegelt zum Kampf auf – Dies ist eine zwingende Konsequenz. Wer sich nicht wohl fühlt in einer Umgebung, bemüht sich, sie zu verändern. Und wenn er Hindernisse vorfindet, bemüht er sich, sie zu beseitigen. Wenn sie sie nicht friedlich beseitigen lassen, kommt es zum Kampf.

4. Der Kampf führt zum Proselytismus und zur Vereinigung der Kräfte – Es ist natürlich, dass eine Gruppe schlechter Menschen die Gleichgesinnten anzieht wie ein Magnet, wie es der hl. Don Bosco beschrieben hat. Es ist aber auch ganz natürlich, dass durch die Tendenz alles lebendigen sich zu entfalten, sie auf der Suche nach neuen Soldaten für den Kampf ist, und die Zahl der Anhänger zu vergrößern versucht. Die Vereinigung der Kräfte kommt von einem natürlichen Gesetz, so dass es hierfür keiner Erklärung bedarf.

5. Aus der Dauerhaftigkeit dieser Bemühungen entsteht eine Organisation – Auch das ist einleuchtend. Elemente, die dauerhaft unter sich verbunden sind durch eine tiefe Affinität der Gedanken, Einheitlichkeit der Ziele und einen engen Zusammenschluss der Bemühungen, werden bald ein ideologisches System hervorbringen, ein gemeinsames Aktionsprogramm und -techniken aufstellen und ein leitendes Organ bilden. In diesem Moment ist der Weg vorgezeichnet, der von der einfachen Tatsache, dass einige "Böse" existieren, die ihre Existenz untereinander ahnen und sich zusammentun, bis hin zur Bildung eines Vereins, einer Organisation. Geheim wie die Freimaurer, Halbgeheim wie der Jansenismus oder der Modernismus es waren, offen wie der Protestantismus oder der Kommunismus, nimmt sich dieser Verein vor, auf allen Gebieten – auf ideologischem, der Kunst, sozialem, wirtschaftlichem usw. – seine Ziele zu erreichen. Mit einem Wort, unternimmt Revolution.

Der Hass gegen das Gute

    Der Motor all dieser Folgen von Phänomenen ist der Hass gegen das Gute. Dieser Hass wird geboren aus der Perversion, wenn diese einen bestimmten Tiefengrad erreicht hat.
    Ich bestehe auf diese Behauptung. Und ich weiß, wenn die Perversion eine gewisse Tiefe erreicht hat, erweckt sie diese mysteriöse Fähigkeit zum gegenseitigen Finden und Organisieren, die der hl. Don Bosco beschreibt und die der Ausgangspunkt jeder organisierten Revolution ist. Eine große Zahl Menschen sympathisiert mit den Guten; wenn sie eine Sünde begehen, fühlen sie Scham und Traurigkeit. Von diesen, solange sie nicht moralisch tiefer fallen, ist keine Verschwörung zu befürchten. In anderen Verletzt die Perversion schwer die Demut, bis hin zur zynischen Gleichgültigkeit gegenüber der Sünde, und sogar eine Rebellion gegen die Guten und das Gute.
    Man sage nicht, dass es einem rationellen Wesen nicht möglich ist, das Gute zu hassen. Es ist angebracht hier die „Unterscheidungen“ zu nennen, die das Thema beinhaltet. Erinnern wir nebenbei daran, dass, wenn es so wäre, hätten die bösen Engel, Gott, das höchste Gut, nicht gehasst. Außerdem kann diese Aversion, einer einfachen Antipathie entsprechen. Diese kann Missverständnisse, Reibungen, Zwischenfälle hervorrufen, ohne deshalb schon eine Verschwörung oder einen Kampf herbeizuführen. Es gibt aber auch Fälle, in denen eine sehr aggressive Haltung vorkommen kann. Hier scheint der Hass Kains gegen seinen Bruder Abel charakteristisch zu sein. Mehr noch der Hass des Sanhedrin gegenüber Unseren Herrn.
    Um von dieser erhabenen Tatsache zu einer gegenwärtigen zu kommen, erinnere ich mich einer Meldung, die ich kürzlich gelesen habe. In den USA überfiel eine Gruppe Play-girls eine junge Kollegin und versetzten sie in einem erbärmlichen Zustand. Von der Polizei befragt, erklärten die Missetäterinnen, eigentlich nichts gegen das Opfer zu haben. Der einzige Grund ihres gewalttätigen Verhaltens war, das ihre Kollegin dermaßen korrekt und beispielhaft in ihren Schulverpflichtungen, in ihrem Benehmen, in ihrer Kleidung war, dass die einfache Tatsache ihrer Gegenwart unausstehlich für sie war. Wenn wir uns diese temperamentale Haltung, nicht bei Furien ohne Vernunft und Gelassenheit vorstellen, sondern bei ausgeglichenen, klugen und eisernen Persönlichkeiten, werden wir das entdeckt haben, was eine mächtige und gefährliche Organisation hervorbringt, die das Ende einer historischen Epoche verursachen kann.
    All diese Erwägungen sind allgemein bekannt, vor allem wenn individuell analysiert. Doch präsentieren sie sich gewöhnlich vereinzelt und verwirrt. Werden sie aufgedeckt und in einem Block von Lehren und Beobachtungen zusammengeführt, vernehmen wir etwas neues. In wenigen Worten möchte ich aufzeigen, in was dieses etwas besteht.

Sympathie und Mitschuld der Gemäßigten

    Nachdem, was wir bis jetzt gesehen haben, wurden zwei Aspekte hervorgehoben: Einer bringt die Revolution hervor; der andere, angesichts der Revolution, zu welcher Handlung verleitet er?
    Anhand des Prinzips der Anziehungskraft des Bösen durch das Böse (simile simili gaudet), das eigentlich die Grunderklärung des vom hl. Don Bosco beobachteten Phänomens ist, kann man folgern, dass das subtile Böse vom mächtigeren angezogen, hypnotisiert und beherrscht wird. So erklärt sich, dass die gemäßigten Strömungen der Revolution niemals ernsthaft und durchhaltend gegen die extremen Strömungen kämpfen. Die Girondisten des 18. Jahrhunderts, die Anhänger der parlamentarischen Monarchie in England im 19., die Anhänger des Kerensky im 20. Jahrhundert, wenn sie vor die Revolution gestellt werden, gaben sie immer nach, selbst wenn sie mit Waffen gegen sie gekämpft hatten und sie für einige Zeit besiegt hatten. So besiegte die französische Bourgeoisie die Pariser Kommune und schien der Revolution einen Damm entgegenzusetzen. Doch sobald sie an die Macht kam, favorisierte diese gleiche Bourgeoisie den Vormarsch des revolutionären Prozesses. Mehr noch. Angesichts der Revolution und der Gegenrevolution, schweben die moderaten Revolutionäre ohne sich zu entscheiden und versuchen absurde Versöhnungen vorzuschlagen. Am Ende begünstigen sie systematisch die erste gegen die zweite.
    Wie erklärt sich das, wenn doch so oft die höchsten und offenkundigsten wirtschaftlichen Interessen, die ehrenhaftesten Auszeichnungen, die tiefe traditionelle Bildung, nahe und zärtliche verwandschaftliche und freundschaftliche Gründe die Moderaten dazu bringen sollten, sich der Gegenrevolution anzuschließen? Wie viele talentierte Menschen gab es in den Reihen der Mäßigen, die jede Intellektuelle Möglichkeiten hatten, einzusehen, dass ihr ewiges Nachgeben sie in den Abgrund führte, und mit ihnen ihre ganze Nachkommenschaft. Und doch gaben sie systematisch nach, als ob dieser Abgrund sie faszinierte. Warum?
    Die Antwort auf diese Frage würde den wesentlichen Grund der systematischen Siege der Extremisten im revolutionären Prozess erklären, denn diese waren immer oder fast immer eine Minderheit, mit wenig Glanz oder spärlichen finanziellen Mitteln ausgestattet. Ihre Siege waren in der Mehrheit der Fälle das Ergebnis der Schüchternheit, der Blindheit und der Resignierung der Mäßigen, die in der Regel reich, einflussreich,  zahlreich waren, aber stets zur Hilfe der Extremisten bereit. Sie bevorzugten eher alles, als die Reihen der GR ernsthaft zu unterstützen, die in der Regel ebenso nicht zahlreich waren und auch nur über karge Mittel verfügten.
    Sicher sind Untätigkeit und Angst die Eigenschaften der reichen Klassen und erklären in etwa dieses Phänomen. Für uns aber erklärt das nicht alles. Denn, auf der einen Seite sind nicht alle reichen Klassen schwankend und ängstlich. Zum Beispiel, war der europäische Adel in der Zeit der Kreuzzüge und der Reconquista von dieser Krankheit nicht befallen. Es sind also die dekadenten Eliten, die an diesem Übel erkranken.

Antipathie gegenüber der Gegenrevolution

    Doch auch die Angst der dekadenten Eliten erklärt nicht alles. Es ist offenbar, wenn sie auf der einen Seite Angst vor dem revolutionären Extremismus haben, so äußern sie beiläufig und unbeabsichtigt Sympathiegedanken für diesen Extremismus. Auf der anderen Seite zeigen sie gegenüber dem gegenrevolutionären Radikalismus keine Angst, aber systematische und nicht verheimlichte Antipathie. Diese so beständige und impulsive Sympathie und Antipathie spielen unweigerlich eine Rolle, die man nicht unterschätzen darf, wenn man die Haltung der revolutionären Gemäßigten in Betracht zieht.
    Wie erklärt sich diese Sympathie? Nach was richtet sie sich? Die Gemäßigten, die anscheinend dem Geld, der Gesundheit und den revolutionären Belustigungen sehr anhängen, befürchten nur wenige Ansteckungspunkte. Sind sie in diesem Fall uneigennützige Idealisten (im schlechten Sinn des Wortes)? Dem Anschein nach, nicht. Doch die Tatsachen, genau beobachtet, zeigen, dass sie in gewisser Weise es sind, und das dieser "Idealismus" eine tiefgründige Rolle in ihre Psychologie und in ihren Handlungen spielt. Auf welche Weise?
    Der revolutionäre Geist besteht aus einer schweren doktrinären und moralischen Missbildung. Trotz der Koexistenz in vielen Fällen mit unversehrten Bräuchen und eindeutiger Ehrlichkeit im Handeln. Der hl. Pius X. in seiner Enzyklika "Pascendi" richtet seine Aufmerksamkeit auf diesen Punkt, was die Modernisten betrifft. Wer diese Geisteshaltung besitzt, wenn auch nur durch Anteilnahme, fügt sich in die mysteriöse Dynamik des Bösen ein, die vom hl. Don Bosco beschrieben wird. Die revolutionäre Geistes-haltung, bringt selbst in gemäßigter Form diese Fähigkeit der Erkenntnis und der dynamischen Artikulierung hervor. Dieses Phänomen ist eine tiefe Antipathie, wenn auch diskret und fast unbemerkt, gegen alles was sich der Revolution entgegensetzt.
    Diese Antipathie hat die Eigenschaft, dass sie sich nie irrt: jede auch noch so subtile und verschleierte gegenrevolutionäre Äußerung wird von ihr ausgesondert, verworfen und angefeindet. Und deshalb, ohne dass dieses Opfer die Initiative ergreift ihre eigenen Interessen der Revolution zu opfern, akzeptiert sie sie jedoch ohne zu protestieren und tröstet sich vielleicht sogar dadurch, das ihre tiefe Antipathie zur Gegenrevolution durch die Fortschritte der Revolution Genugtuung erfährt.
    Diese Tatsache ist erstaunlich. Sie wäre nicht glaubhaft, wenn sie in der Welt nicht offensichtlich wäre. Wie viele aristokratische oder bürgerliche Sippen gibt es, die von der Revolution zerstört und vertrieben wurden, und auf jeglichen Kampf verzichten, aber resigniert, schier froh, dahinleben, in einer verborgenen und fast proletarischen Existenz, perfekt integriert in der modernen revolutionären Welt, dessen Opfer sie selbst sind. Ich denke hier an die unzähligen Russen im Exil und besonders an so viele Priester der schismatischen orthodoxen Kirche, die sich um nichts anderes kümmern, als um zu einer Einigung mit dem Kommunismus zu kommen. Mutlosigkeit? Zum Teil schon. Aber ohne Zorn, fast mit Freude, in der man klar das Lächeln einer geheimen, vielleicht unterbewussten Sympathie durchschaut. Man sieht hier klar, dass die Weltgeschichte nicht von Interessen regiert wird, und dass sie nicht hauptsächlich aus Interessenkonflikte besteht, sondern aus Prinzipien, einem Kampf zwischen Wahrheit und Irrtum, Gut und Böse zwischen Licht und Finsternis.

Die Rolle des Teufels

    Welche Rolle spielt der Teufel in diesem Kampf? Oder, wenigstens, wie wirkt er in dem vom hl. Don Bosco beschriebenen Phänomen?
    Im zitierten Text nimmt der Heilige die Mitwirkung des Teufels als plausibel an. Unserer Meinung nach sind wir überzeugt, dass sie immens ist. Doch dieser Aspekt des Themas ist nicht Teil dieses Artikels, in dem wir kurz die psychologischen Umrisse aus Sicht der natürlichen Ordnung skizzieren wollten, die autonom aktiv sind, auf die aber der Teufel seinen Einfluss ausüben kann und es sehr oft tut mit äußerster Wirksamkeit, um aus den Menschen gefügige Instrumente und Opfer der Revolution zu machen, deren Urheber er war und der wichtigste Faktor ihres Fortschreitens ist.

Montag, 27. Februar 2012

Ist das Ende der moralischen und geistigen Krise des Abendlandes in Sicht?


von Plinio Corrêa de Oliveira


       Papst Leo XIII. lehrt uns in seinem Rundschreiben „Annum ingressi sumus“, dass die heutige Welt mit ihrem Fortschritt, ihren Krisen, ihrem Reichtum und ihren Schwächen eine Frucht von zwei nicht nur verschiedenen, sondern sogar entgegengesetzten Einflüssen ist. Zum einen ist die von der Kirche aufgebaute christlichen Zivilisation auf dem Fundament des Glaubens, der Reinheit, der Disziplin und des Heldentums begründet, das die Missionare des Frühmittelalters in die Seelen der Barbaren eingepflanzt haben. Zum anderen ist da die skeptische, sinnliche, egoistische und stets zur Aufwiegelung bereite Welt, die ihren Ursprung hat in der protestantischen Reformation, sich weiter entwickelte in der Französischen Revolution und heute die Irrtümer der kommunistischen Auflehnung zu verbreiten versucht.

      Dieser tiefe Gedanke Leos XIII., der eigentlich das Leitmotiv beim Unterricht der mittelalterlichen, modernen und zeitgenössischen Geschichte in den katholischen Schulen und Universitäten sein sollte, erklärt das Wesentliche der großen Krise unserer Zeit.

Die christliche Auffassung von Gott und Schöpfung
     
      Gemäß der katholischen Lehre ist Gott ein persönliches, transzendentales Wesen, das Wesen par excellence, das in sich alle Vollkommenheit birgt. Alle anderen Wesen wurden aus dem Nichts von Gott geschaffen und würden zum Nichts zurückkehren, wenn Gott ihr Bestehen nicht ununterbrochen erhielte. Ihre Eigenschaften sind nicht mehr als eine Widerspiegelung seiner eigenen Vollkommenheit. Ihr einziges Ziel besteht darin, Gott zu dienen und ihn zu verherrlichen. Zwischen Gott und den Geschöpfen besteht also die größte Ungleichheit, die man sich vorstellen kann.
      Ihrerseits, sind die Geschöpfe unter sich ungleich. Die Engel sind reine Geister. Nach ihnen kommen die Menschen, die zugleich Geist und Körper besitzen; dann, in herabsteigender Rangordnung, die Tiere, die Pflanzen und die Mineralien. Jede dieser Kategorien weist ihrerseits eine Hierarchie auf. Die Engel sind in neun ungleichen Chören unterteilt. Die Menschen wurden zu einem unterschiedlichen Grad der Heiligkeit berufen und sind vor Gott unterschiedlich in den Reihen der glorreichen, sühnenden oder streitenden Kirche platziert, je nach dem wie sie der Gnade entsprochen haben oder entsprechen.
Auch wenn wir die Struktur der Kirche betrachten, wie viele Ungleichheiten kommen da zum Vorschein! Die Kirche setzt sich aus zwei extrem unterschiedlichen Teilen zusammen: Erstens, die Hierarchie, der die Aufgabe zukommt, das Volk zu führen, zu lehren und zu heiligen und zweitens, die Laien, die geführt, gelehrt und geheiligt werden.



Jesus Christus, der Gott-Mensch

      Beim betrachten dieser Ungleichheiten, darf man die göttliche und menschliche Person Unseres Herrn Jesus Christus nicht vergessen. Als Mensch gewordenes Wort Gottes ist Er über alle Geschöpfe erhaben, in seiner Menschlichkeit unterliegt Er der Natur der Engel, die ihn aber zugleich in seiner Göttlichkeit und Menschlichkeit anbeten.
Und die Jungfrau Maria, als Mutter des Gott-Menschen, obwohl sie Gott unendlich untergeordnet und auch, was die Natur betrifft, den Engeln unterlegen ist, verdient sie es, dass ihr gedient wird als Königin der Engel.



Die Tugend der Demut

      Die Demut ist die Tugend, die den Menschen dazu führt, die unendliche Überlegenheit Gottes und die begrenzte Überlegenheit der anderen Geschöpfe, sei es durch Talent, Schönheit, Reichtum oder Tugend, zu lieben.
      In einer Welt, in der Demut herrscht, ist die Hierarchie eine zu lieben würdige Selbstverständlichkeit. Hört aber die Demut auf zu bestehen, sind der Hass gegen die Hierarchie, der Durst nach Gleichstellung und folgend nach der Revolution unvermeidlich. Demut und Hierarchie, Hochmut und Auflehnung sind also zusammenhängende Begriffe.



Folgen des Hochmuts

      Als der Hochmut innerhalb der hierarchischen Kirche zum Ausbruch kam, erzeugte er den Protestantismus, der die freie Bibelauslegung einführte, das kirchliche Lehramt verneinte und aus jedem Menschen einen Papst für sich selbst machte. Es gab zwar weiterhin im Protestantismus Geistliche und Laien, der Unterschied zwischen ihnen aber war nur akzidentell. Einige Zweige des Protestantismus haben nicht nur den Papst durch den Bruch abgeschafft, sondern auch die Bischöfe; weiter andere auch die Priester. Die religiösen Ordensgemeinschaften wurden aufgelöst. Die Verehrung der Engel und Heiligen wurden abgeschafft und die Herrschaft Mariens über die ganze Schöpfung wurden verneint.
In einer zweiten Phase stürzte sich der gleichmacherische Hochmut auf die weltliche Hierarchie. Nach derselben revolutionären Logik wurden die Könige und die verschiedenen Abstufungen des Adels und der Aristokratie abgeschafft. Das "Dogma" der freien Auslegung rief das "Dogma" der Volksherrschaft hervor.
       Dies war die Arbeit der Französischen Revolution von 1789.
       Es blieb noch die Ungleichheit der Vermögen. Der marxistische Sozialismus und der Kommunismus übernahmen auf diesem Gebiet später dasselbe, was die protestantische und die Französische Revolution im kirchlichem und weltlichem Bereich unternommen hatten.
Es sollte auf der Welt keinen Gott, keinen Papst, keine Bischöfe, Priester, Könige, Herren und Obrigkeiten mehr geben.



Auflehnung gegen den Glauben

      Der Glaube, ein Hauptzug der christlichen Seele, ist auch, unter gewissen Aspekten, ein Akt der Demut. Der Mensch nimmt die offenbarten Wahrheiten an, nicht, weil er sie kraft seines Verstandes entdeckt hat, sondern weil Gott sie geoffenbart hat.
      Der Hochmut bäumte sich gegen die Offenbarung auf. Der Protestantismus entartete in Deismus, der Deismus in Pantheismus. Dieser ist die Behauptung, dass alles Gott sei. Wenn aber alles Gott ist, dann hätte die Gleichheit im ganzen Kosmos gesiegt. Denn, wenn alles aus der Natur her göttlich ist, dann ist alles wesentlich gleich.



Reinheit und freie Liebe

      Noch ein Wort über die Keuschheit.
      Nach der katholischen Morallehre ist der Geschlechtsverkehr nur innerhalb der monogamen und unauflöslichen Ehe erlaubt. Der Stand der vollkommenen Keuschheit, der von Klerikern und Ordensleuten streng bewahrt werden muss, ist auch bei den Laien sehr lobenswert. Hierin sieht man den Sieg der Disziplin über die Gefühle.
      Der Protestantismus, der Feind aller Bremsen, begann mit der Abschaffung des priesterlichen Zölibats und der Einführung der Ehescheidung. Luther ging sogar so weit, dass er die Polygamie zuließ, wenn es sich um Prinzen handelte. Die Französische Revolution hat die Ehescheidung in die Gesetzgebung der katholischen Länder eingeführt. Marx ging noch weiter: Er wollte die Eheschließung völlig abschaffen. Das war der Paroxysmus der Auflehnung gegen jegliche Autorität, gegen jedes Gesetz, gegen jeden Zügel (1).



Wer wird siegen?

Wer wird in diesem großen Kampf siegen?
Die Wolken, die vor uns stehen, sind keinesfalls rosig. Aber wir sind durch eine unbesiegbare Gewissheit beseelt, dass die Kirche nicht untergehen wird - was offensichtlich ist, wenn man das göttliche Versprechen in Erwägung zieht -, sondern zu einem Triumph kommen wird, der noch größer sein wird als der Sieg der Christen bei Lepanto im 16. Jahrhundert.
Wie? Wann? Die Zukunft gehört Gott allein. Was aber sicher ist, ist die Tatsache, dass der Heilige Geist weiterhin bewundernswerte geistige Kräfte des Glaubens, der Reinheit, des Gehorsams und der Hingabe innerhalb der Kirche hervorruft. Mit der Hilfe der Heiligen Jungfrau Maria werden sie, bei geeigneter Gelegenheit, den christlichen Namen mit Ruhm bedecken.



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(1) Jetzt werden sogar die letzten Schranken beseitigt, die die Menschen von den schlimmsten Sünden trennten. Durch die Abtreibung, die Euthanasie und das Klonen usurpiert der Mensch das Gott einzig und allein gehörende Recht auf Verfügung über das Leben. Durch die Legalisierung der Homosexualität vergewaltigt er die Ordnung der Natur, der alle Menschen folgen müssen. Und durch die esoterischen und satanischen Rituale, die sich rasant bei unserer Jugend verbreiten, beginnt er damit, den Teufel anstelle Gottes anzubeten.

Freitag, 17. Februar 2012

Das christliches Ideal der sozialen Vollkommenheit

Plinio Corrêa de Oliveira
Nehmen wir an, die Bevölkerung eines bestimmten Gebietes würde die Gebote Gottes treu beobachten. Welche Wirkung wäre hiervon auf die von ihr gebildete Gesellschaft zu erwarten? Was lässt sich von einer Uhr sagen, in der jedes Teil gemäß seiner Bestimmung und Zweck arbeitet? Oder wie steht es um ein Ganzes, dessen Teile als vollkommen bezeichnet werden dürfen?
Mechanische Vorgänge  zur Erläuterung soziokultureller Verhältnisse heranzuziehen, ist immer etwas misslich. Vergegenwärtigen wir uns deshalb unmittelbar das Bild einer von guten katholischen Christen getragenen Gesellschaft, so wie der heilige Augustinus es uns schildert: „Stellen wir uns ein Gemeinwesen vor, gebildet aus Soldaten, die in der Lehre Christi unterwiesen sind, aus (ebensolchen) Gouverneuren, Eheleuten, Eltern, Kindern, Arbeitgebern, Arbeitnehmern, Königen, Richtern, Steuerzahlern, Steuereinnehmern. Sollten es die Heiden da noch wagen zu behaupten, die christliche Lehre sei gegen die Interessen des Staates gerichtet? Im Gegenteil, sie werden ohne Zögern anerkennen müssen, dass sie, treu beobachtet, ein Behüter des Staates ist“ (Epist. CXXXVIII, 5 ad Marcellinum, cap. II, 15).


An einer anderen Stelle, wo er die heilige Kirche feierlich anredet, ruft der Kirchenlehrer aus: „Du leitest und lehrst die Kinder mit Zärtlichkeit, die Jugendlichen mit Strenge, die Greisen mit Ruhe, so wie es dem jeweiligen Alter an Leib und Seele zuträglich ist. Du unterstellst die Frauen ihren Männern durch einen keuschen, treuen Gehorsam, nicht um die Leidenschaft zu befriedigen, sondern um das menschliche Geschlecht zu vermehren und die häusliche Gemeinschaft zu bilden. Du räumst den Ehemännern Autorität über ihre Gemahlinnen ein, nicht um die Schwachheit ihres Geschlechtes zu missbrauchen, sondern damit sie den Gesetzen einer aufrichtigen Liebe folgen. Du unterwirfst die Kinder ihren Eltern durch eine sanfte Autorität. Du vereinst die Bürger mit den Bürgern, die Nationen mit den Nationen, die Menschen untereinander durch die Erinnerung an die ersten Eltern nicht nur zu einer Gemeinschaft, sondern auch zu einer Art Bruderschaft. Du weisest die Könige an, über die Völker zu wachen und schreibst diesen vor, ihren Regenten gehorsam zu sein. Du lehrst mit Sorgfalt, wem Ehre, wem Liebe, wem Ehrfurcht gebührt; wem Furcht, wem Trost, wem Ermahnung oder Ermutigung zukommt; wer Zurechtweisung, Tadel oder Strafe verdient, und du lässt alle wissen, dass nicht allen alles geziemt, dass aber allen Liebe und niemandem Ungerechtigkeit zu erweisen ist“ (De moribus ecclesiae, cap. XXX, 63).
Besser kann man das Ideal der vollkommenen christlichen Gesellschaft nicht schildern. Gibt es ein Gemeinwesen, das imstande wäre, Ordnung, Harmonie, Frieden und Vollkommenheit zu höheren Formen zu entwickeln? Eine kurze Erwägung soll diesen Gedankengang abschließen: wenn heute alle Menschen die Gebote Gottes beobachten würden, wären dann nicht in kurzer Zeit alle wirtschaftlichen, politischen und sozialen Probleme, die uns bedrücken, leicht zu lösen? Welches Ergebnis kann man dagegen für die Menschen erwarten, solange sie in ihrer gewohnten Vernachlässigung der Gebote Gottes verharren?
Hat die menschliche Gesellschaft schon jemals dieses christliche Ideal der Vollkommenheit verwirklicht? Ganz ohne Zweifel! Der unsterbliche Papst Leo XIII. sagt es uns:
„Nachdem die Erlösung bewirkt und die Kirche gegründet war, erschien auf der Welt etwas wie das Erwachen aus einer langen, alten, hoffnungslosen Apathie. Der Mensch erblickte das Licht der Wahrheit, nachdem er viele Jahrhunderte hindurch vergeblich gesucht und verlangt hatte. Vor allem wurde ihm deutlich, dass er für viel höhere und herrlichere Güter geboren war, als die vergänglichen und unzuverlässigen, die mit den Sinnen wahrnehmbar sind und auf die er bisher seine Gedanken und Sorgen konzentriert hatte. Er verstand nun, dass sein ganzes Leben, das oberste Gesetz und Ziel, dem sich alles unterordnen muss, von Gott kommt, und dass wir eines Tages zu ihm zurückkehren müssen.“
„Aus dieser Quelle, über diesem Fundament gelangte der Mensch wieder zum Bewusstsein seiner eigenen Würde. Die Entdeckung, dass soziale Brüderlichkeit (sprich Nächstenliebe) notwendig ist, ließ die Herzen höher schlagen. Infolgedessen erreichten Rechte und Pflichten ihre Vollkommenheit oder befestigten sich darin. Gleichzeitig erstarkte die Tugend auf verschiedenen Gebieten in solchem Maße, wie es der Philosophie der Antike nicht vorstellbar gewesen war: Die Pläne der Menschen und ihr Verhalten nahmen eine andere Richtung. Und indem die Erkenntnis des Erlösers sich ausbreitete, und seine sittliche Kraft das Innerste der Gesellschaft durchdrang, wurden Unkenntnis und Laster des Altertums verscheucht und so jene Umwandlung bewirkt, die zur Zeit der christlichen Kultur das Angesicht der Erde vollständig erneuerte“ (Leo XIII., Enzyklika "Tametsi futura prospicientibus" vom 1. November 1900).

(aus „Der Kreuzzug des 20. Jahrhunderts“ in „Catolicismo“, Januar 1951)

Wenn die Seele nach Gott strebt, ist das Altern keine Dekadenz

Plinio Corrêa de Oliveira

Wie gewaltig täuscht sich die moderne Welt, wenn sie das Altern als eine bloße Dekadenz betrachtet. Wenn man die geistigen Werte mehr als die leiblichen zu schätzen weiß, bedeutet das Altern ein Wachsen in dem, was im Menschen das edelste ist, die Seele. Obwohl das alt werden die Dekadenz des Körpers mit sich bringt, der nur das Materielle Element der menschlichen Person ausmacht. Und welch eine Dekadenz! Es kann gut sein, das der Leib an Schönheit und an Kraft verliert, aber er wird bereichert mit der Transparenz einer Seele, die sich im Laufe eines ganzen Lebens zu wachsen und zu entwickeln wusste. Transparenz, die die erhabenste Schönheit darstellt, die das menschliche Antlitz auszudrücken vermag.

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Die hl. Maria Eufrasia Pelletier wurde 1798 in der Vendée, Frankreich, geboren. Sie gründete eine Kongregation von Lehrerinnen und starb 1868. Ihr Fest wird am 24. April gefeiert.

Nichts dessen, was Anmut bedeutet, hat ihr in der Jugend gefehlt: Die Vollkommenheit der Gesichtszüge, die Schönheit der Augen und der Haut, die Vornehmheit der Physiognomie, der Adel in der Haltung, die Frische und die Grazie der Jugend. Mehr noch, der Glanz einer strahlenden, logischen, kräftigen, reinen Seele, kam stark in ihrem Antlitz zum Ausdruck. Sie ist eigentlich der prächtige Typ einer christlichen jungen Frau.


* * *
Nun sehen wir sie im Alter. Vom Reiz der früheren Jahre blieb nur ein vages Parfüm. Aber eine andere, höhere Schönheit strahlt aus diesem bewundernswerten Antlitz. Der Blick hat an Tiefe gewonnen; eine edle und unerschütterliche Gelassenheit scheint in ihm etwas von dem erhabenen und endgültigen Adel der Seligen in der himmlischen Glorie anzukündigen! In ihrem Gesicht haben die harten Kämpfe des geistigen und apostolischen Lebens einer Heiligen ihre Spuren hinterlassen. Es hat etwas Starkes, Vollkommenes, Unveränderliches erreicht: Es ist die Reife im schönsten Sinn des Wortes. Der Mund ist eine gerade, dünne, ausdrucksvolle Linie, die das typische Merkmal eines eisernen Charakters darstellt. Ein großer Friede, eine Güte ohne jegliche romantische Schwärmerei und Illusion, geprägt durch einen gewissen Rest der vergangenen Schönheit, strahlen noch von dieser Physiognomie aus.

Der Leib ist der Dekadenz verfallen, aber die Seele ist dermaßen gewachsen, dass sie schon ganz in Gott ist, was die Worte des hl. Augustinus in Erinnerung ruft: „Unser Herz, o Herr, wurde für Dich geschaffen und es findet erst dann Frieden, wenn es ruht in Dir.“

Wer würde es wagen zu behaupten, dass das Altern der hl. Maria Eufrasia gleich einem Prozess der Dekadenz war?
(freie Übersetzung aus „Catolicismo“, November 1952)

Donnerstag, 16. Februar 2012

Heiligstes Herz Jesu

Das Abbild der Gewissheit

von Plinio Corrêa de Oliveira

Was offenbart diese Herz Jesu Statue unseren Augen? Wenn der Betrachter von einer Gnade berührt wird, zeigt sie deutlich die Gewissheit, dass Unser Herr Jesus Christus Gott ist.

Unser Herr ist in dieser Figur so hervorragend dargestellt, so aufrecht; seine Büste und seine Haltung so männlich, so ernst; Eigenschaften eines jeden, der an alles mit Ernsthaftigkeit denkt, um die Wahrhaftigkeit der Dinge zu ergründen. Sie ist das eigentliche Abbild der Gewissheit. In ihrer Gesamtheit offenbart sie die Weite der großen Anschauungen des Universums und der ganzen Schöpfung.

Das Haar scheitelt den Kopf in zwei Teile, als ob es eine universale Symmetrie in der Welt hervorheben wollte, in der man alles unter zwei verschiedene aber doch zusammenhängende Aspekte sehen kann, die eine höhere Harmonie darstellen.

Das Haar fällt glatt und sanft auf die Schultern in einer vollkommenen, tadellosen, mühelosen Ordnung, eine einladende und freundliche Ordnung.

Der Blick, der sich dem Betrachter zuwendet, ist erfüllt von Überzeugungen und Betrachtungen, die eine kostbare Ansammlung von Gewissheiten gebildet haben, die sich mit weiteren Gewissheiten aus seinen Folgerungen verbinden.

Dies alles geschieht auf einer so hohen und außergewöhnlichen Ebene, sodass Er sich zugleich als wahrer König und wahrer Meister offenbart.

Der eigentliche König ist Er. Nicht weil Er die Gewohnheit hat zu befehlen, und auch nicht weil andere ihm ein Befehlsrecht zuerkennen, sondern durch sein eigenes Wesen selbst. Er ist König in seinem Wesen, unabhängig von dem, was andere denken oder nicht denken, wollen oder nicht wollen.
Er ist der König par excellence, der eine vollkommene, vollständige Lehre lehrt, anhand der man nichts weiter sagen kann als nur: „Ja, ich bete Dich an!“

(Auszug aus einem Vortrag von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira vom 14. März 1993. Ohne Revision des Autors.)

Tradition, Familie, Privateigentum

von Plinio Corrêa de Oliveira

Wenn ich mich nicht irre, stammt von Emile Faguet folgende Erzählung: es gab einmal einen jungen Mann, der durch einen schweren Liebeskummer entzweit war. Er liebte seine anmutige Frau aus ganzem Herzen. Zugleich zollte er seiner Mutter große Verehrung und tiefen Respekt. Jedoch, die Beziehung zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter war sehr gespannt und aus bloßem Neid entwickelte die schöne aber böse junge Frau einen unbegründeten Haß gegen die alte und verehrungswürdige Dame. Eines Tages zwang die junge Frau ihren Gatten: er sollte nach Hause zu seiner Mutter gehen, sie töten, ihr Herz ausreißen und es mitbringen. Wenn er dies nicht täte, würde seine Frau ihn verlassen. Nach großem Zögern gab der junge Mann nach und tötete seine Mutter, die ihm das Leben schenkte. Er riß das Herz aus ihrer Brust, wickelte es in ein Tuch und rannte nach Hause. Auf dem Heimweg stolperte er und es fiel auf den Boden. Da hörte er eine Stimme, die voller Sorge und Zärtlichkeit aus dem mütterlichen Herz kam: “Hast du dich verletzt, mein Sohn?”

Mit dieser erfundenen Geschichte wollte der Autor hervorheben, daß die mütterliche Liebe das Erhabenste und Berührendste ist. Ihrer vollkommenen Hingabe, ihrer totalen Unentgeltlichkeit und ihrer Fähigkeit zum Verzeihen sind keine Grenzen gesetzt.. Die Mutter liebt ihren Sohn, wenn er gut ist. Jedoch, sie liebt ihn nicht nur deshalb, weil er gut ist, sondern auch wenn er sogar ein böser Mensch ist. Sie liebt ihn ganz einfach, weil er Fleisch von ihrem Fleisch und Blut von ihrem Blut ist. Sie liebt ihn freigiebig, ohne irgendeine Dankbarkeit zu erwarten. Sie liebt ihn in der Wiege, wenn er die empfangene Liebe nicht verdienen kann. Sie liebt ihn im Laufe seines Lebens, wenn er Glück und Ruhm erlangt oder sich in den Abgrund des Unglücks und sogar des Verbrechens stürzt. Er ist ihr Sohn und damit ist alles gesagt.

Diese Liebe, die der Vernunft nicht widerspricht, ist in den Eltern auch etwas Instinktives. Und als solche hat sie etwas gemeinsam mit der Liebe der Tiere zu ihren Jungen, die ihnen die Vorsehung gab. Um die Erhabenheit dieses Instinkts zu ermessen, genügt es in Erwägung zu ziehen, daß die zärtlichste, die reinste, die höchste und die herrlichste Liebe, die je auf Erden existierte - die Liebe des Menschensohnes zu den Menschen - von Jesus mit dem Instinkt der Tiere verglichen wurde. Vor seinem Leiden und Tod am Kreuz weinte Jesus über Jerusalem, indem er ausrief: “Jerusalem, Jerusalem, ... wie oft wollte ich deine Kinder sammeln, wie eine Henne ihre Küchlein unter ihre Flügel sammelt, aber ihr habt nicht gewollt!” (Mt, 23, 37)


Ohne diese Liebe gibt es keine Vater- oder Mutterschaft, die dieses Namens würdig ist. Wer diese Liebe in ihrer erhabenen Freigebigkeit verneint, verneint auch die Familie. Es ist diese Liebe, die die Eltern dazu führt, ihre eigenen Kinder mehr als andere Kinder zu lieben. Aus diesem Grund wünschen sie innigst, ihren Kindern eine gute Erziehung angedeihen zu lassen, damit diese ein stabiles Leben führen und sich eines moralen und sozialen Aufstiegs erfreuen können. Dafür arbeiten, kämpfen und sparen die Eltern. Sie werden dazu geführt durch ihren Instinkt, ihre Vernunft und sogar durch die Regel des Glaubens. Den Kindern eine Erbschaft zu hinterlassen, ist ein natürlicher Wunsch der Eltern. Die Rechtmäßigkeit dieses Wunsches zu verneinen käme der Behauptung gleich, daß den Eltern gegenüber, die Kinder und ein Fremder gleichen Rang haben. Das würde bedeuten, die Familie zu vernichten.

Ja, das Erbe ist eine Institution, in der Familie und Privateigentum zusammentreffen.
Und nicht nur die Familie und das Privateigentum, sondern auch die Tradition. In der Tat, unter den vielfältigen Formen von Erbschaft ist die des Geldes nicht die kostbarste. Es ist offensichtlich, daß die Erbanlagen in einem Geschlecht, sei es vom Adel oder vom Volk, oft gewisse optische oder seelische Züge prägen. Diese Züge stellen einen Zusammenhang zwischen den Generationen dar und beweisen, daß die Ahnen gewissermaßen in den nachfolgenden Generationen weiterleben. Es obliegt der Familie, die sich ihrer Talente bewußt ist, im Laufe der Generationen den Stil des öffentlichen und privaten Lebens zu verfeinern, wodurch der ursprüngliche Reichtum der familiären Merkmale seinen wahrsten und gerechtesten Ausdruck erreicht. Dieses im Laufe von Jahrzehnten und Jahrhunderten verwirklichte Vorhaben ist die Tradition. Entweder eine Familie bringt ihre eigene Tradition als eine Schule des Seins, des Wirkens, des Fortschreitens und des Dienens für das Wohl der Heimat und der Christenheit hervor oder sie läuft Gefahr, Menschen zu erzeugen, die ihr eigenes Sein nicht definieren und sich nicht stabil und logisch in eine soziale Gruppe einfügen können.


Was ist eigentlich der Wert einen großen Reichtum zu erben, wenn man von den Eltern nicht eine Tradition, das heißt eine moralische und kulturelle Erbschaft – wenigstens im keimenden Zustand, wenn es sich um jüngere Familien handelt – erhält? Selbstverständlich eine Tradition, die keine beharrliche Vergangenheit ist, sondern das Leben, das ein Samenkorn von der ihm einhüllenden Frucht empfängt. Das bedeutet wiederum die Fähigkeit, zu keimen und etwas Neues hervorzubringen, das nicht das Gegenteil des Alten, sondern seine harmonische und bereichernde Entwicklung ist. So gesehen verbindet sich Tradition mit Familie und Privateigentum harmonisch bei der Bildung der Erbschaft und der familiären Fortdauer.


Dieses Prinzip gehört zum gesunden Menschenverstand. Und es ist so, weil die Dankbarkeit vererbt wird. Sie führt uns dazu, für die Nachkommenschaft der Wohltäter das zu tun, worum die Wohltäter uns bitten würden. Diesem Gesetz obliegen nicht nur die Personen, sondern auch die Staaten.


Es wäre ein krasser Widerspruch, wenn ein Land aus Dankbarkeit gegenüber einem großen Wohltäter dessen Federhalter, Brille oder Hausschuhe in einem Museum aufbewahren, aber zugleich diejenigen, das heißt seine Nachkommenschaft, die er mehr als seine Hausschuhe geliebt hatte, der Gleichgültigkeit, Vergessenheit und Armut preisgeben würde.



Es ist deshalb leicht zu erklären, warum der gesunde Menschenverstand die Nachkommen der großen Männer mit Hochachtung behandelt – auch wenn sie gewöhnliche Menschen sind. Aus diesem Grund haben z.B. in den Vereinigten Staaten alle Nachkommen von General Lafayette, der für die Unabhängigkeit kämpfte, das Recht auf die amerikanische Staatsangehörigkeit, egal in welchem Land sie geboren wurden. Und aus demselben Grund gab es während des Spanischen Bürgerkrieges ein schönes Ereignis: Die Kommunisten hatten den Herzog von Veraguas, den letzten Nachkommen von Christoph Kolumbus gefangengenommen und wollten ihn erschießen. Was geschah? Alle Republiken Lateinamerikas hatten einstimmig um seine Begnadigung gebeten. Denn sie konnten nicht mit Gleichgültigkeit der Erlöschung der Nachkommenschaft des heldenhaften Entdeckers Amerikas auf Erden zusehen.

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Diese sind die logischen Schlussfolgerungen des Bestehens der Institution der Familie und ihre Wiederspiegelung in Tradition und Privateigentum.

Unbillige und hassenswerte Privilegien? Nein. Sofern das Prinzip beachtet wird, nach dem die Erblichkeit weder irgendein Verbrechen zudecken, noch den Aufstieg neuer Talente verhindern darf, handelt es sich hier einfach um Gerechtigkeit.