Donnerstag, 29. September 2011

Christliche Fürsten und ihre Untertanen


Die Könige in Frankreich und überhaupt in Europa empfingen normalerweise die Menschen aus dem Volk in Audienzen. Sie knieten wohl nieder und küssten die Hände des Monarchen und sprachen mit ihm über ihre Sorgen und Nöten. Im Palast von Versailles kam jeder aus dem Volke herein, der es wollte, wie man heute nicht in das Haus eines Staatschefs kommt.

Der hl. Ferdinand von Kastillien, wenn er sich in einer Stadt aufhielt, suchte er ein Haus auf, welches ein Fenster in der Höhe zur Straße hatte, setzte sich dort am offenen Fenster hin und jeder der wollte konnte mit ihm sprechen.

Der hl. Ludwig von Frankreich ging regelmäßig nach Vincennes und setzte sich auf einen Thron unter einer Eiche um Klagen des Volkes anzuhören und Streitereien zu schlichten.

Die Könige von Frankreich wurden in einer fantastischen Zeremonie in der Kathedrale von Reims gekrönt. Draußen warteten an Skrofel (eine Hautkrankheit) erkrankte Menschen auf das Ende der Krönungszeremonie, um vom König gesegnet zu werden. Im vollen Ornat mit der Krone auf dem Haupt ginge er zu jedem einzelnen, berührte ich und sprach: Der König berührt Dich, Gott heile Dich. Und es gab immer wieder Fälle in denen der eine und der andere tatsächlich geheilt wurde.

Die Glaubwürdigkeit dieses Charismas war so verbreitet, dass, als König Johann der Gute in England gefangenen genommen und eingesperrt wurde, man zahllose Skrofulöse in das Gefängnis schickte, um vom König geheilt zu werden.

Das ist christliche Monarchie in ihrer Väterlichkeit und Güte.

Dieses Verhältnis von König zum Volk wiederholte sich in den Beziehungen zwischen Herren und Diener.

(Plinio Correa de Oliveira, Vorlesung über "Die drei Revolutionen")

Dienstag, 19. Juli 2011

Erster Markstein der gegenrevolutionären Wiedererstehung

Am 11. Februar (1958) jährt sich zum hundertsten Mal die erste Erscheinung der Muttergottes in Lourdes. In der Einfachheit seiner Grundlinien kennt wohl jeder dieses Ereignis. 1854 hatte der große Papst Pius IX. in der Bulle „Ineffabilis“ das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis Mariens verkündet. Vom 11. Februar bis zum 16. Juli 1858 erschien die Gottesmutter in Lourdes achtzehn Mal einem Mädchen aus dem Volke, Bernardette Soubirous, und erklärte ihr, sie sei die Unbefleckte Empfängnis. Damit nahmen die Wunder ihren Anfang. Und das staunenswerte Ereignis von Lourdes begann vor den Augen der ganzen Welt zu strahlen, bis auf den heutigen Tag. Das Wunder als eine Bestätigung des Dogmas, das war in wenigen Worten der Zusammenhang zwischen dem Ereignis des Jahres 1854 und dem des Jahres 1858.
19. Jahrhundert: ähnliche Probleme wie in unseren Tagen
Was aber dem großen Publikum weniger bekannt ist, ist die Zusammenhang zwischen diesen beiden großen Ereignissen und den Problemen der Mitte des 19. Jahrhunderts, die bezüglich den Problemen unserer Zeit sehr verschieden und doch sehr, sehr ähnlich sind.
Mit der Verkündigung des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis löste Papst Pius IX. auf der ganzen zivilisierten Welt ungleichen und tiefgehenden Widerhall aus.
Auf der einen Seite rief die Definition des Dogmas in einem großen Teil der Gläubigen eine außerordentliche Begeisterung hervor. Zu sehen, wie sich der Stellvertreter Christi in der Fülle und Majestät seiner Macht erhebt, um mitten im 19. Jahrhundert ein Dogma zu verkünden, bedeutete, mitzuerleben, wie eine wundervoll erhabene und kühne Herausforderung gegenüber dem triumphierenden Skeptizismus gesetzt wurde, der damals schon das Innerste der abendländischen Kultur zerfraß.
Der Liberalismus, die Plage des 19. Jahrhunderts
Darüber hinaus handelte es sich um ein Mariendogma. Nun tendiert aber gerade der Liberalismus, eine weitere Plage des 19. Jahrhunderts, naturgemäß zum Interkonfessionalismus, zur Beteuerung all dessen, was den verschiedenen Religionen gemeinsam ist (was im Grunde einem vagen Deismus gleichkommt), und zu einer Geringschätzung oder gar zu einer formellen Ablehnung all dessen, was sie trennt. So war also die Verkündigung des neuen marianischen Dogmas - wie es vor kurzem die Definition der Aufnahme Mariens in den Himmel für einige Kreise gewesen war - für die heimlichen oder erklärten Interkonfessionalisten von 1854 eine ernste, unerwartete Barriere für die Durchführung ihrer Absichten.
Das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis war ein tiefer Schock für den egalitären Geist der Revolution
Mehr noch, das neue Dogma als solches bedeutete für den wesentlich egalitären Geist der Revolution, der seit 1789 auf despotische Weise das Abendland beherrschte, einen tiefen Schock. Mitanzusehen wie ein einfaches Geschöpf so hoch über alle anderen Kreaturen erhoben wird, Kraft eines unschätzbaren Privilegs, dass ihm im ersten Augenblick seines Daseins gewährt wurde, musste und muss den Kindern der Revolution, die die absolute Gleichheit unter den Menschen als Prinzip aller Ordnung, aller Gerechtigkeit und alles Guten verkündeten, weh tun. Den Nichtkatholiken und den von dem Geist der Revolution 1789 mehr oder weniger angesteckten Katholiken war es eine schmerzliche Erfahrung, hinnehmen zu müssen, dass Gott ein so deutliches Element der Ungleichheit an derart hervorgehobener Stelle in seine Schöpfung eingefügt hat.
Schließlich ist die Natur selbst dieses Privilegs den liberalen Geistern unsympathisch. Wenn jemand die Erbsünde mit all ihren Folgen seelischer Unordnung und Erbärmlichkeit des Leibes in Kauf nimmt, muss er auch zugeben, dass der Mensch eine Autorität über sich braucht, der er sich zu unterordnen hat. Nun bedeutete aber gerade die Definition der Unbefleckten Empfängnis diesbezüglich eine implizite Bestätigung der kirchlichen Lehre.
Die unbefleckte Jungfrau hat der Schlange den Kopf zertreten
  Wenn dies auch schon viel bedeutet, so liegt jedoch nicht nur darin das, was wir das Salz des glorreichen Ereignisses der Dogmafestlegung zu nennen wagen. Es ist unmöglich uns der unbefleckten Jungfrau zu erinnern, ohne gleichzeitig an die Schlange zu denken, deren Kopf sie triumphierend und endgültig mit der Ferse zertreten hat. Der Geist der Revolution ist der Geist des Teufels selbst, und für einen gläubigen Menschen wäre es unmöglich, nicht wahrzunehmen, welch entscheidender Anteil dem Teufel in der Erscheinung und Ausbreitung der Irrtümer der Revolution von der religiösen Katastrophe des 16. Jahrhunderts bis zur politischen Katastrophe des 18. Jahrhunderts und allem, was ihr noch folgen sollte, zukommt. So ist der Triumph ihrer größten, unveränderlichen, unnachgiebigen Feindin bestätigt zu sehen, bedeutete für die Mächte der Finsternis die schrecklichste Demütigung. So erklärt sich das Konzert aus menschlichen Stimmen und satanischem Brüllen, das sich in der ganzen Welt wie ein ungeheures, stürmisches Gewitter erhob. Mitanzusehen, wie sich gegen diese Sturm unsagbarer Leidenschaften, drohenden Hasses, rasender Verzweiflung allein die furchtlose, majestätische Gestalt des Stellvertreters Christi, bar jeglicher irdischen Mittel, nur im Vertrauen auf die Hilfe des Himmels erhob, war für die wahren Katholiken eine Quelle des Jubels, der dem glich, den die Apostel verspürten, als sie im Sturm, der sich auf dem See Genesareth erhoben hatte, die göttlich mannhafte Gestalt des Heilands auftauchen sahen, wie er souverän den Winden und den Wassern Einhalt gebot: "Venti et mare oboediunt ei." (Mat. 8, 27).
Der Anfang vom Ende der Revolution
So wie sich alle Generäle und Gouverneure des Römischen Reiches von den Hunnen besiegen ließen oder die Flucht ergriffen, so waren auch die Unzähligen, die in der weltlichen Gesellschaft die Kirche und die christliche Zivilisation hätten verteidigen sollen, von der Revolution besiegt oder auf der Flucht vor ihr.
In dieser Lage war es Pius IX. voll edler, feierlicher Dramatik wie damals der hl. Leo der Große, der als einziger dem Feind entgegentrat und ihn zum Rückzug zwang.
Rückzug? Es scheint ein gewagter Ausdruck. Und doch ist er angebracht. Ab 1854 begann die Revolution ihre großen Niederlagen zu erleiden.
Es ist richtig, dass dem Anschein nach und auch in Wirklichkeit ihre Herrschaft sich über die Erde weiterentwickelte. Die Gleichmacherei, die Sinnlichkeit, der Skeptizismus errangen zusehends radikalere, weitergehende Siege. Es war jedoch etwas Neues aufgetaucht. Und dieses Neue beginnt nun trotz seines bescheidenen, unscheinbaren, unbedeutenden Aussehens, unaufhaltbar zu wachsen und wird schließlich die Revolution zerschlagen.
Die Kirche ist der Mittelpunkt der Geschichte
Um diesen grundlegenden Punkt zu begreifen, muss man die Rolle der Kirche in der Geschichte und die Rolle der Verehrung der heiligen Jungfrau Maria in der Kirche vor Augen haben.
Nach Gottes Plan ist die Kirche der Mittelpunkt der Geschichte. Sie ist die mystische Braut Christi, die er mit einziger, vollkommener Liebe liebt, und der er alle Geschöpfe unterordnen wollte. Selbstverständlich wird der Bräutigam seine Braut nie verlassen und stets eifrig um ihre Glorie bemüht sein.
Solange also das menschliche Element treu zu Christus hält, braucht die Kirche nichts zu fürchten. Selbst die größten Verfolgungen gereichen ihr zum Ruhm. Und selbst außerordentliche Ehren und Wohlstand werden im treuen Volke nicht das Pflichtbewusstsein und die Liebe zum Kreuz erlahmen lassen. Dies ist zur geistlichen Ebene zu sagen.
Wenn die Menschen auch auf der weltlichen Ebene ihre Seele dem Einfluss der Kirche öffnen, steht ihnen der Weg zu allem Wohlstand und aller Größe offen. Wenn sie sich aber ihrem Einfluss entziehen, begeben sie sich auf den Pfad aller Katastrophen und Greuel. Für ein Volk, das einmal zum Schoße der Kirche gehörte, gibt es nur eine normale Ordnung der Dinge: die christliche Zivilisation. Und das Lebensprinzip dieser über allen anderen stehende Zivilisation ist die katholische Religion.
Die Bedingungen für die Blüte der Kirche
Für die Kirche wiederum gibt es drei für ihre Blüte wesentliche Bedingungen, die alle anderen weit übertreffen. Ich habe schon oft von ihnen gesprochen, aber man kann nie genug auf ihnen bestehen.
Vor allen und über allen steht die eucharistische Frömmigkeit. Unser Herr, gegenwärtig im allerheiligsten Sakrament, ist die Sonne der Kirche. Von ihm kommen uns alle Gnaden zu. Doch diese Gnaden müssen durch Maria gehen. Denn sie ist die universale Mittlerin, über die wir zu Christus gelangen und Christus zu uns kommt. Die hingebungsvolle, aufgeklärte, kindliche Verehrung Marias ist also die zweite Voraussetzung für das Aufblühen der Tugend. Da Christus im Allerheiligsten Sakrament zugegen ist, aber nicht mit uns spricht, hören wir seine Stimme durch den Heiligen Vater. Daher ist der Fügsamkeit gegenüber dem Papst die rechte, logische Frucht der Verehrung der heiligen Eucharistie und der Gottesmutter.
Wenn also diese drei Andachten blühen, wird die Kirche über kurz oder lang triumphieren. Und, a contrario sensu, wenn sie abnehmen, wird über kurz oder lang auch die christliche Zivilisation zerfallen.
Die Unbefleckte Empfängnis
Seit längerem grassierte bereits in katholischen Kreisen in Europa und Amerika eine wahre Lepra, der Jansenismus. Dieser Häresie ging es gerade darum, die Kirche dadurch zu schwächen, dass sie die Andacht zum Allerheiligsten mit dem Anschein eines falschen Respekts untergrub. Sie verunsicherten die Menschen, die sich dem Tisch des Herrn nähern wollten, mit derart strengen Forderungen, dass leider eine sehr große Anzahl von Menschen, die sich durch sie beeinflussen ließen, praktisch nicht mehr die heilige Kommunion empfingen. Auf der andere~ Seite schürte der Jansenismus eine nachhaltige Kampagne gegen die Marienverehrung, da sie angeblich von Christus weg statt zu ihm führte. Schließlich kämpfte diese Häresie auch beständig gegen das Papsttum und besonders gegen die Unfehlbarkeit des Stellvertreters Christi.
Die Festschreibung des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis war der erste große Rückschlag, den dieser innere Feind erfuhr. Denn mit dem Dogma bildete sich ein unermesslicher Strom marianischer Frömmigkeit, der immer weiter anwächst.
Um zu beweisen, dass uns alles durch Maria zukommt, war es der Wille der Göttlichen Vorsehung, dass der erste große Triumph ein marianischer sei.
Lourdes, die dröhnende Bestätigung des Dogmas
Um seine Mutter aber noch mehr zu glorifizieren, hat Unser Herr Jesus Christus noch mehr getan. In Lourdes hat er zur dröhnenden Bestätigung des Dogmas etwas bis dahin nie Gesehenes vollbracht. Er führte sozusagen das ständige, immerwährende Wunder in der Welt ein. Bisher hatte es sporadische Wunder in der Kirche gegeben. In Lourdes aber geschehen die wissenschaftlich beglaubigsten und belegtermaßen übernatürlichen Heilungen seit hundert Jahren in einem wahrhaft ununterbrochenen Strahl vor den Augen einer konfusen, verwirrten Welt.
Die Unfehlbarkeit des Papstes
Von dieser Glaubensglut, die sich an der Festlegung des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis entzündet hatte, ging wie ein Feuer ein ungeheurer Drang aus, dem sich die besten, die gelehrtesten, die gebildetsten Söhne der Kirche anschlossen: der Wunsch nach Ausrufung des Dogmas von der Unfehlbarkeit des Papstes. Mehr als alle strebte danach der große Pius IX. Die Definition dieses Dogmas rief auf der Welt eine neue Welle der Papstverehrung hervor, die für die Gottlosen eine weitere Niederlage bedeutete.
Die heilige Eucharistie
Mit dem Pontifikat des heiligen Pius X. kam dann die Einladung an die Gläubigen, häufig, ja sogar täglich die heilige Kommunion zu empfangen und auch die Kinder zur Kommunion zu führen. Damit begann in der ganzen Kirche das glänzende Zeitalter der großen eucharistischen Triumphe.
Für die jansenistische Irrlehre war damit in katholischen Kreisen kein Raum mehr. Das Aufkommen des Modernismus und später des Neomodernimus konnte die großen Siege der Kirche gegen ihre inneren Feinde nicht mehr rückgängig machen.
Der Feind, stärker als je zuvor
Nun könnte man sich aber fragen, was das für Folgen für den Kampf der Kirche gegen ihre äußeren Gegner gebracht hat. Muss man nicht zugeben, dass der Feind stärker denn je ist, und dass wir uns einer von der Aufklärung seit Jahrhunderten erträumten Epoche des reinen, integralen wissenschaftlichen Naturalismus nähern, in der die materialistische Technologie vorherrscht, der Weltrepublik mit ihrer radikalen Gleichmacherei mehr oder weniger philanthropischer und humanistischer Eingebung, aus deren Bereich auch noch die letzten Reste einer übernatürlichen Religion verbannt werden müssen? Ist da nicht der Kommunismus, ist da nicht das gefährliche Abgleiten der westlichen, angeblich antikommunistischen Gesellschaft, die im Grunde auf das gleiche "Ideal" zusteuert?
Die ganze Welt stöhnt in Dunkelheit und Schmerz
Ja. Und die Gefahr ist sogar größer, als man gemeinhin denkt. Aber niemand beachtet eine Tatsache von grundlegender Bedeutung. Während die Welt auf die Verwirklichung dieses unheilvollen Plans vorbereitet wird, breitet sich nämlich ein ungeheures, unbeschreibbares Unbehagen in ihr aus. Oft ist es ein unbewusstes Unbehagen, das sich selbst im bewussten Zustand vage und undeutlich zeigt, das aber niemand zu bestreiten wagen würde. Man könnte sagen, dass der ganzen Menschheit Gewalt angetan wird, dass sie in eine Form hineingezwängt wird, die ihrer Natur nicht entspricht, und dass sie sich mit allen gesunden Fasern dagegen sträubt. Es gibt ein ungeheures Bedürfnis nach etwas anderem, von dem man noch nicht weiß, was es ist. Aber vielleicht ist es etwas Neues, seit im 15. Jahrhundert der Niedergang der christlichen Kultur seinen Anfang nahm, dass die ganze Welt nun in der Finsternis und im Schmerz stöhnt, genau wie es dem verlorenen Sohn geschah, als er fern vom Vaterhaus auf die tiefste Stufe der Scham und Armseligkeit gesunken war. Gerade in dem Augenblick, in dem die Bosheit zu triumphieren scheint, gibt es etwas Frustrierendes in ihrem scheinbaren Sieg.
Die Erfahrung lehrt uns, dass aus solcherlei Unzufriedenheit die großen Überraschungen der Weltgeschichte hervorgehen. In dem Maße, in dem die Verrenkung zunimmt, wird auch das Unbehagen größer. Wer kann schon behaupten, dass keine großartigen Überraschungen auf uns zukommen?
Am äußersten Ende der Sünde und des Schmerzes schlägt oft für den Sünder die Stunde der Barmherzigkeit ...
Meiner Meinung nach ist dieses vielversprechende Unbehagen das Ergebnis der wiedererstandenen katholischen Kraft auf Grund der großen Ereignisse, die ich oben aufgezählt habe; dieses Wiedererstehen hat sich vorteilhaft auf die noch übrig gebliebenen Reste von Leben und Gesundheit in allen kulturellen Bereichen der Welt ausgewirkt.
Die große Bekehrung
Es war sicher ein großer Augenblick im Leben des verlorenen Sohnes, als ein neuer Schimmer von Klarheit seinen vom Laster getrübten Geist erhellte, und sein Wille durch die Betrachtung des Elends, in das er gefallen war, und der Widerlichkeit all der Fehler, die ihn aus dem Vaterhause getrieben hatten, neue Kraft schöpfte. Von der Gnade berührt, stand er nun mit mehr Klarsicht als je zuvor vor der großen Entscheidung. Er konnte bereuen und zurückkehren, oder er konnte im Irrtum verharren und das tragischste Ende seiner Folgen auf sich nehmen. Alles, was ihm eine rechte Erziehung an Gutem eingepflanzt hatte, stand in diesem glücklichen Augenblick wieder wunderbar in ihm auf, während die Tyrannei der schlechten Gewohnheiten sich gleichzeitig vielleicht schrecklicher als je zuvor in ihm aufbäumte. In seinem Innern wurde eine Schlacht geschlagen. Er hat sich für das Gute entschieden. Das Ende der Geschichte kennen wir aus dem Evangelium.
Nähern wir uns nicht diesem Augenblick? Werden all die Gnaden, die dieser neue Aufschwung an Verehrung der Heiligen Eucharistie, der Jungfrau Maria und des Papstes für die Menschheit angehäuft hat, nicht ausgerechnet in den tragischen Momenten einer apokalyptischen Krise, die unabwendbar scheint, zur großen Bekehrung führen?
Die Lehre von Lourdes
Gott allein kennt die Zukunft. Aber uns Menschen ist es erlaubt nach den Regeln der Wahrscheinlichkeit unsere Vermutungen über die Zukunft anzustellen.
Wir leben in einer Stunde schrecklicher Strafen. Aber diese Stunde kann auch zu einer wunderbaren Stunde der Barmherzigkeit werden. Die Voraussetzung dafür ist, dass wir auf Maria, den Meeresstern, schauen, der uns inmitten der Stürme leitet.
Während Hundert Jahre hat uns die Gottesmutter aus Mitleid mit der sündigen Menschheit die erstaunlichsten Wunder erwirkt. Ist ihre Barmherzigkeit vielleicht erschöpft? Ist das Mitleid einer Mutter, der besten aller Mütter, am Ende? Wer würde es wagen, dies zu behaupten? Wenn jemand zweifeln sollte, würde ihm Lourdes als wunderbare Lektion des Vertrauens dienen. Die Gottesmutter wird uns zu Hilfe kommen.
Lourdes und Fatima
Sie wird uns zu Hilfe kommen. Dieser Behauptung ist teils richtig und teils falsch. Denn in Wirklichkeit hat sie bereits begonnen, uns zu Hilfe zu kommen. Auf die Definition der Dogmen von der Unbefleckten Empfängnis und der Unfehlbarkeit des Papstes sowie auf die Erneuerung der eucharistischen Frömmigkeit sind in den Pontifikaten, die auf Pius X. folgten, neue marianische Ereignisse gefolgt. Unter Benedikt XV. erschien Maria in Fatima. Genau an dem Tag, an dem Pius XII. zum Bischof geweiht wurde, am 13. Mai 1917, fand die erste Erscheinung statt. Unter Pius XI. verbreitete sich die Botschaft von Fatima sachte und sicher über die ganze Erde. Zum 75. Jahrestag der Erscheinungen von Lourdes ließ der Papst ein ungewöhnlich festliches Jubiläum feiern, zu dem er den damaligen Kardinal Pacelli als seinen Vertreter bei den Feierlichkeiten entsandte. Das Pontifikat Pius XII. hat sich durch die Verkündigung des Dogmas von der Aufnahme Mariens in den Himmel und die Krönung der Gottesmutter zur Königin der Welt verewigt. Bei dieser Gelegenheit krönte Kardinal Masella im Namen des Papstes die Statue der allerseligsten Jungfrau in Fatima.
Viele weitere Lichter bilden ein glänzendes Band, das von der Grotte von Massabielle zur Iria-Mulde führt.
Die Herrschaft des unbefleckten Herzens Mariens
Der vorliegende Artikel macht in Fatima halt. In ihren Erscheinungen hat die Gottesmutter die Alternative vorgezeichnet. Entweder wir bekehren uns, oder es erwartet uns eine schreckliche Strafe. Am Ende aber wird die Herrschaft ihres Unbefleckten Herzens errichtet.
Mit anderen Worten, das Herz Mariens wird auf jeden Fall triumphieren, ob es nun die Menschen mehr oder weniger Schmerzen kosten mag.
Dies aber besagt schließlich, dass nach der Botschaft von Fatima die Tage der Herrschaft des Bösen gezählt sind. Die Verkündigung des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis war der Anfang einer Reihe von Ereignissen, die zum Reich Mariens führen werden.
Freie Übersetzung aus „Catolicismo“ Nr. 86, Februar 1958

Freitag, 25. März 2011

In der Gesellschaft muß es Herrscher und Untertanen, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Reiche und Arme, Gelehrte und Unwissende, Adelige und Nichtadelige geben



Im Erlass „Fin dalla Prima“ vom 18. Dezember 1903, fasst der hl. Papst Pius X. in folgender Weise die Lehre Papst Leos XIII. über die sozialen Unterschiede zusammen:

„I. Die menschliche Gesellschaft – wie Gott sie eingerichtet hat – ist aus verschiedenen Elementen zusammengesetzt, so wie der menschliche Körper aus verschiedenen Gliedern besteht; sie alle gleich zu machen, ist unmöglich und würde die Zerstörung der Gesellschaft selbst bedeuten (Enzyklika Quod Apostolici muneris).

II. Die Gleichheit aller Gesellschaftsglieder besteht einzig darin, daß alle Menschen ihren Ur­sprung in Gott dem Schöpfer haben, daß sie durch Jesus Christus erlöst sind und genau nach dem Maß ihrer Verdienste und Vergehen von Gott ge­richtet und belohnt oder bestraft werden (Enzyklika Quod Apostolici muneris).

III. Daher kommt es, daß es den Anordnungen Gottes entspricht, wenn es in der menschlichen Gesellschaft Herrscher und Untertanen, Arbeit­geber und Arbeitnehmer, Reiche und Arme, Ge­lehrte und Unwissende, Adelige und Nichtadelige gibt, die alle, durch das Band der Liebe geeint, ein­ander beistehen, ihr letztes Ziel im Himmel und ihr leibliches und seelisches Wohlergehen hier auf Erden zu erlangen (Enzyklika Quod Apostolici muneris)“.


(Acta Sanctae Sedis [Rome: Ex Typographia Polyglotta, 1903-1904], Vol. 36, p. 341.)


in Plinio Corrêa de Oliveira, Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen von Papst Pius XII. (Wien, Österreich: Österreichische Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum, 2008), Dokumente V, S. 302.