Mittwoch, 31. Dezember 2008

Die Flucht nach Ägypten

Betrachtungen von Plinio Correa de Oliveira über "Die Flucht nach Ägypten" von Giotto.

Wir sehen auf dem Bild ein Fresko der Kapelle der Scrovegni des großen italienischen Meisters Giotto. Er stellt die Muttergottes dar, wie sie sich auf einem Esel auf der Flucht nach Ägypten befindet.
Trotz aller äußerlichen Zeichen der Armut ist die Haltung Marias, die einer Prinzessin. Besondere Aufmerksamkeit erregt ihre aufrechte Haltung: Der Rücken ist nicht im geringsten gebeugt. Der Kopf ist erhoben, wie um die Entschlossenheit zu bezeugen, mit der sie den Unbequemlichkeiten und Gefahren der Reise entgegentritt.
Der hl. Josef geht voran und wendet sich mit aufmerksamen Blick seiner Gemahlin und dem Jesuskind zu, um aufzupassen, dass ihnen nichts geschehe. Maria nicht, sie schaut nicht zurück. Sie gibt den Eindruck völlig dem hl. Josef zu vertrauen und sich ganz seinem und dem Schutz der göttlichen Vorsehung hinzugeben. Sie scheint im Gebet mit dem Kinde versunken, das sich wie schlafend an sie schmiegt. Die Haltung des göttlichen Kindes, wie sie Giotto darstellt, veranschaulicht die tiefe Vertrautheit, die zwischen dieser Mutter und diesem Sohn herrscht.
Und es nicht unerlaubt sich vorzustellen, dass sie selbst dem Sohn die Meinungen derjenigen anempfiehlt, die über die Jahrhunderte hinweg über diese Szene der Flucht nach Ägypten meditieren...
(Aus eine Vortrag im Jahre 1988)

Montag, 10. November 2008

"Die ewige Wiederkehr des König-Papstes"

Die Tageszeitung "La República", eine der größten Tageszeitungen Italiens, bezog sich in einem Artikel über das Königtum des Papstes, unter dem Titel "L'eterno ritorno del Papa Re" (28.09.08 S. 34), in dem auch der römische Adel behandelt wurde, auf das Werk von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira, über die moderne Rolle und Aufgabe des noch bestehenden Adels und der traditionellen Eliten. Der brasilianische, katholische Autor analysiert in seinem Werk die Ansprachen, die Papst Pius XII. an den Adel und an das Patriziat Roms in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gehalten hatte. "La República" kommentierte bezüglich der gegenwärtigen Mitglieder des römischen Adels:

"Es ist indessen wahr, dass die bedeutendste Figur jener Welt der Adeligen, Elvira Pallavicini, gebieterisch und unvorhersehbar in ihrem Rollstuhl, vor einigen Jahren verstorben ist. Die noch übrig gebliebenen Adeligen, Fürst Ruspoli Zapata (...) oder Fürstin Borghese (...), erscheinen nur noch in Talk-shows. Doch mit allem Respekt und Sympathie, mit Mühe, könnten sie zusammen mit den anderen Nachkommen der Colonna, der Massimo, der Orsini, Torlonia, Chigi, Buoncompagni in die Schemen eingefügt werden, in denen sie ein echter Meister des gegenrevolutionären Gedankenguts, wie Plínio Corrêa de Oliveira, in seinem Werk Adel und vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius XII. an das Patriziat und den Adel Roms aufgenommen hat."

Hier der Artikel im Original

Mittwoch, 5. November 2008

Buch über den Adel in Wien vorgestellt

(Im Bild oben: Graf Stolberg, SKKH Prinz Luiz von Orléans und Braganza - Chef des Kaiserhauses Braslien - und Herzog Paul von Oldenburg)

Zur Feier des 100. Geburtstags von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira wurde am 30. Oktober 2008 wurde im Palais Coburg in Wien die deutsche Ausgabe seines Buches "Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Papst Pius XII. an den Patriziat und den Adel Roms" präsentiert.

(Bild rechts: Ein zahlreiches Publikum, Mitglieder des österreichischen und deutschen Adels und ein Verteter des Apostolischen Nuntius zu Wien fand sich zur Präsentation ein)


Das Programm bestand aus Vorträgen von SKKH Prinz Luiz von Orléans und Braganza über „Adel und Eliten in der Gegenwart im Lichte von Revolution und Gegenrevolution“. Herzog Paul von Oldenburg schloss sich an und referierte über die „Notwendigkeit der Eliten für die Erneuerung der Christenheit“. Zum Abschluss sprach Prof. Roberto de Mattei aus Rom zum Thema „Revolution und Gegenrevolution dreißig Jahre danach (1977-2008)“.
(Bild oben: SKKH Prinz Luiz von Orléans und Braganza, Herzog Paul von Oldenburg und Prof. Roberto de Mattei)

















Klicken Sie auf die einzelnen Links, um Videos der Veranstaltung anzusehen

Vorstellung
Auszug Vortrag von SKKH Prinz Luis
Auszug Vortrag Herzog Oldenburg
Auszug Vortrag Prof Roberto de Mattei

Mehr Bilder hier

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Widerstandserklärung 1974



DIE ENTSPANNUNGSPOLITIK DES VATIKANS


GEGENÜBER DEN KOMMUNISTISCHEN REGIERUNGEN


Die TFP vor der Frage: Schweigen oder Widerstand leisten?



I. DIE TATSACHEN

Die Bevölkerung von São Paulo wurde gestern über die Tagespresse informier, welche Ergebnisse die Reise nach Kuba des Sekretärs des Rates für die öffentlichen Angelegenheiten des Vatikans, Msgr. Agostino Casaroli gebracht hat. Diese Ergebnisse hat Msgr. Casaroli selbst in einem Interview mitgeteilt (vgl. "O Estado de São Paulo" vom 7.4.74). Seine Exzellenz versicherte, dass „die in Kuba lebenden Katholiken unter dem sozialistischen Regime glücklich sind“. - Es braucht nicht gesagt zu werden, um welche Art von sozialistischem Regime es sich da handelt; denn es ist bekannt, dass das gegenwärtige Regime in Kuba kommunistisch ist.
Über dieses Regime des Fidel Castro führte Msgr. Casaroli weiter aus: „Die Katholiken, wie überhaupt das kubanische Volk, haben nicht die geringste Schwierigkeit mit der sozialistischen Regierung“.
Vielleicht mit dem Wunsch, diesen verblüffenden Äußerungen einen gewissen Hauch von Unparteilichkeit zu geben, bedauerte Msgr. Casaroli, dass die Zahl der Priester auf Kuba ungenügend sei: nur zweihundert. Er fügte hinzu, dass er Fidel Castro um größere Möglichkeiten für den öffentlichen Gottesdienst gebeten habe, und versicherte schließlich ganz unerwartet, dass „die Katholiken der Insel in ihrem Glaubenrespektiert werden, wie alle anderen Bürger auch“.
Schon bei einer kurzen Betrachtung dieser Erklärungen merkt man bestürzt, dass Msgr. Casaroli zugibt, dass die kubanischen Katholiken Einschränkungen in ihrem öffentlichen Gottesdiensten erleiden, und gleichzeitig behauptet, dass sie „in ihrem Glauben respektiert werden“. Als ob das Recht auf öffentlichen Gottesdienst nicht eine ihrer heiligsten Freiheiten wäre.
Wenn die nichtkatholischen Untertanen des kubanischen Regimes genauso respektiert werden wie die katholischen, muss man sagen, dass in Kuba niemand respektiert wird...
Worin besteht also dieses „Glück“"‚ das die kubanischen Katholiken nach Msgr. Casaroli geniessen? Es scheint das harte Glück zu sein, welches das kommunistische Regime allen seinen Untertanen gönnt, nämlich, den Kopf zu beugen. Msgr. Casaroli behauptet nämlich, dass "die katholische Kirche in Kuba und ihre geistlichen Führer stets bemüht sind, dem sozialistischen Regime, welches die Insel regiert, keine Schwierigkeiten zu machen".
Sieht man aber tiefer, so führen die Beobachtungen die der hohe Würdenträger des Vatikans auf seiner Reise gemacht hat, zu Folgerungen.
Wenn Papst Paul VI. heute mehr denn je zuvor die Wichtigkeit normaler materieller Lebensverhältnisse als eines Faktors betont, der die Ausübung der Tugend begünstigt, so ist nicht denkbar, dass Msgr. Casaroli die kubanischen Katholiken „unter dem sozialistischen Regime“ Fidel Castros für „glücklich“ halten kann, wenn diese im Elend versinken. Daher müssen wir annehmen, dass - nach den Aussagen Msgr. Casarolis - die Katholiken in Kuba eine wenigstens erträgliche wirtschaftliche Lage genießen.
Nun weiß aber jeder, das dies nicht stimmt. Und erst recht wissen es die Katholiken, die die Enzykliken von Leo XIII., Pius XI. und Pius XII. ernst nehmen, dass dies nicht so sein kann; denn diese Päpste lehren, dass das kommunistische Regime das Gegenteil der natürlichen Ordnung ist und dass der Umsturz der natürlichen Ordnung - in der Wirtschaft wie auf jedem anderen Gebiet - nur katastrophale Früchte tragen kann.
Wenn nun irgendwo auf der Welt kindlich-naive oder über die wahre Soziallehre der Kirche schlecht unterrichtete Katholiken die Ergebnisse von Msgr. Casarolis Erkundungen in Kuba lesen, werden sie zu einem der Wirklichkeit diametral entgegengesetzten Schluss kommen, nämlich, dass sie von der Einführung des kommunistischen Regimes in ihrem Land nichts zu befürchten haben. Denn in diesem falle werden sie ja vollkommen „glücklich“ sein, sei es in ihren religiösen Interessen oder in ihrer materiellen Situation.
Es ist schmerzlich, das sagen zu müssen, aber die offen zutage liegende Wahrheit ist diese: Msgr. Casarolis Kubareise endete mit einer Werbung für das Kuba Fidel Castros.
Dieses schreckliche Ereignis, wenn man es an sich betrachtet, ist ein Schritt in der Entspannungspolitik, die der Vatikan seit langem im Verhältnis zu den kommunistischen Regierungen betreibt. Verschiedene dieser Schritte sind der Öffentlichkeit wohl bekannt.
Einer davon war die Reise , die S.E. Kardinal Willebrands, der Präsident des Sekretariats für die Einheit der Christen, 1971 nach Russland unternommen hat. Der offizielle Anlass des Besuches war die Teilnahme an der Einführung von Bischof Pimen in das Amt des orthodoxen Patriarchen von Moskau. Pimen ist bei den Atheisten im Kreml der Vertrauensmann für religiöse Angelegenheiten. Schon der Besuch an sich war ein enormer Prestigegewinn für den ortodoxen Prälaten, der mit Recht als „bête noire“ aller nichtkommunistischen "Orthodoxen" der ganzen Welt angesehen wird. In einer Rede vor der Synode, die ihn gewählt hatte, behauptete Pimen, der Akt, durch den im Jahre 1595 die Ukrainer aus dem Schisma zur katholischen Kirche zurückgekehrt sind, sei ungültig gewesen. Mit anderen Worten heißt das: Er erklärte, dass die Ukrainer nicht der Jurisdiktion des Papstes unterstehen dürften, sondern der Pimens und seinesgleichen. Anstatt gegen diesen himmelschreienden Angriff auf die Rechte der katholischen Kirche und der Gewissen der ukrainischen Katholiken Stellung zu nehmen, hüllten sich Kardinal Willebrands und die Delegation, die ihn begleitete, in Schweigen. Wer schweigt, stimmt zu, lehrt das römische Recht. Entspannung...
Natürlich hat diese Kapitulation diejenigen unter den Katholiken, die mit beständiger Aufmerksamkeit die Politik des Vatikans begleiten, aufs tiefste betroffen. Der Schock war noch größer unter den Millionen ukrainischen Katholiken, die in Kanada, den USA und anderen Ländern verstreut sind. Und er hing zusammen mit den dramatischen Auseinandersetzungen zwischen dem Vatikan und S.E. Kardinal Slipyj, dem tapferen Ober-Erzbischof der Ukrainer, während der Bischofssynode in Rom im Jahre 1971.
In diesem Zusammenhang ist auch das Verhalten S.E. des Kardinals Silva Henriquez, Erzbischof von Santiago (Chile), ein weiterer Akt der Entspannung mit den kommunistischen Regierungen. Wie bekannt - und die chilenische TFP hat es in einem leuchtenden Manifest, das auch in der brasilianischen Presse veröffentlicht wurde, bewiesen - hat der chilenische Kardinal das ganze Gewicht des Einflusses und der Autorität seines Amtes eingesetzt, um den Aufstieg des Marxisten Allende zur Macht, seine feierliche Amtsübernahme und seine Aufrechterhaltung an der Regierung bis zu dem tragischen Augenblick, in dem der atheistische Führer Selbstmord beging, zu unterstützen. Mit einer Geschmeidigkeit, die nicht dazu beiträgt, ein gutes Bild von ihm zu geben, versuchte Kardinal Silva Henriquez, sich durch einige öffentliche Erklärungen dem Stand der Dinge, die dem Regime Allendes folgten, anzupassen. Seine ständigen Sympathieäußerungen für die chilenischen Marxisten hörten damit aber nicht auf. Vor kurzem noch zelebrierte S.E. in der Kapelle des erzbischöflichen Palais ein Requiem für die Seele eines anderen Kommunisten, des „Genossen“ Toha, Ex-Minister Allendes, übrigens ebenfalls ein unglücklicher Selbstmörder. Dem Akt wohnten Familienangehörige und Freunde des Verstorbenen bei (vgl. "Jornal do Brasil" vom 18-3-74).
Es ist nicht sicher, dass der Purpurträger wegen all dieser Handlungen und Stellungnahmen, die wahrlich geeignet sind, die Katholiken dem Kommunismus anzunähern, die geringste Mahnung erlitten hat. Sollte jemand geglaubt haben, dass er seine Erzdiözese deswegen verlieren würde, so hätte er bis jetzt umsonst gewartet. Kardinal Silva Henriquez bleibt ruhig weiter mit der Aufgabe betraut, die Seelen seiner bevölkerungsreichen und wichtigen Erzdiözese zu Christus zu führen.
Während dieser Erzbischof sein Amt weiterführen darf, wurde im Zuge der Entspannungspolitik ein ander seiner Erzdiözese enthoben. Es handelt sich um eine der faszinierendsten Persönlichkeiten der Kirche im 20. Jahrhundert, deren Name mit Verehrung und Begeisterung von allen Katholiken genannt wird, die sich treu an die traditionellen wirtschaftlichen und sozialen Lehren des Heiligen Stuhles halten. Mehr noch: der Name dieses Prälaten wird mit höchstem Respekt von Personen verschiedenster Religionen geachtet. Er ist sogar eine Blüte des Ruhmes der Kirche in den Augen derer, die nicht an sie glauben. Diese Blüte wurde vor kurzem gebrochen. Seine Eminenz Josef Kardinal Mindszenty wurde von der Erzdiözese Esztergom abgesetzt, um die Annäherung an die kommunistische Regierung zu erleichtern.
Wie man sieht, schließt sich die Reise Msgr. Casarolis nach Kuba - noch ganz abgesehen von dem Interview, das er gab, als er die Insel verließ -, wie ein Glied in eine Kette von Tatsachen, die sich seit Jahren ereignen. Wo wird diese Kette hinführen? Auf welche schmerzlichen Überraschungen und auf welche neuen Anschläge auf das Gewissen müssen sich diejenigen vorbereiten, die noch an der unabänderlichen sozialen und wirtschaftlichen Lehre Leos XIII., Pius XI. und Pius XII. mit all ihren Konsequenzen festhalten? Wir sind sicher, dass unzählige Katholiken, wenn sie diese Nachrichten wiederlesen, wenn sie von der Ratlosigkeit, dem Schmerz und Entsetzen Kenntnis nehmen, welche aus diesen Zeilen sprechen, ihr eigenes inneres Drama geschildert sehen: das innerste und schmerzlichste aller Dramen, denn es betrifft nicht nur soziale und ökonomische Fragen, sondern hat darüber hinaus wesentlich religiösen Charakter. Es bezieht sich auf das, was in der Seele eines romtreuen Katholiken das Fundamentalste, Lebendigste und Zärtlichste ist: seine geistliche Bindung an den Stellvertreter Jesu Christi auf Erden.
II. RÖMISCH-APOSTOLISCHE KATHOLIKEN

Die TFP ist eine bürgerliche und nicht eine religiöse Organisation. Ihre Direktoren, Mitglieder und Mitarbeiter sind jedoch ausnahmslos römisch-katholisch. Katholisch ist deshalb auch der Geist, der sie bei allen von der TFP unternommenen Kampagnen zum Wohl des Landes beseelt.
Die grundsätzliche antikommunistische Haltung der TFP ergibt sich aus den katholischen Überzeugungen derer, die ihr angehören. Weil sie Katholiken sind, sind die Direktoren, Mitglieder und Mitarbeiter der TFP im Namen der katholischen Prinzipien Antikommunisten.
Die Entspannungsdiplomatie des Vatikans gegenüber den kommunistischen Regierungen bringt indessen die antikommunistischen Katholiken in eine Situation, die sie von Grund her berührt - viel weniger als Antikommunisten denn als Katholiken. Denn man kann ihnen jederzeit einen sehr verwirrenden Einwand entgegenhalten: Führt ihr antikommunistisches Engagement nicht zu einem Ergebnis, das dem vom Stellvertreter Jesu Christi gewünschten genau entgegengesetzt ist? Und wie kann man einen folgerichtigen Katholiken verstehen, dessen Tätigkeiten in eine entgegengesetzte Richtung führen, als die des Hirten der Hirten? Diese Frage stellt alle antikommunistischen Katholiken vor die Alternative: den Kampf aufgeben oder die eigene Haltung erklären.
Den Kampf aufgeben können wir nicht. Und wir können es nicht, weil unser Gewissen als Katholiken es uns so gebietet. Denn wenn es Pflicht eines jeden Katholiken ist, das Gute zu fördern und das Böse zu bekämpfen, dann gebietet uns unser Gewissen, die traditionelle Lehre der Kirche zu verbreiten und die kommunistische Doktrin zu bekämpfen.
Über die ganze Welt hallt heute das Wort „Gewissensfreiheit“. Es ertönt im ganzen Westen und sogar in den Kerkern Russlands... und Kubas. Vielfach erhält dieser so oft verwendete Ausdruck sogar missbräuchliche Bedeutungen. Aber unter seinem am meisten berechtigten und geheiligten Sinngehalt befindet sich das Recht des Katholiken, im religiösen wie im bürgerlichen Leben nach den Richtlinien des eigenen Gewissens zu handeln.
Wir würden uns in der Kirche gefesselter fühlen als Solschenitzyn in Russland, wenn wir nicht im Einklang mit den Dokumenten der großen Päpste, die die Christenheit mit ihrer Lehre erleuchtet haben, handeln könnten
Die Kirche ist nicht, die Kirche war nie, die Kirche wird niemals solch ein Kerker für die Gewissen sein. Das Band des Gehorsams gegenüber dem Nachfolger Petri, das wir niemals zerreißen werden, das wir aus tiefster Seele lieben, dem wir unsere beste Liebe widmen, dieses Band küssen wir im Augenblick selbst, in dem wir, durch den Schmerz zermalmt, unsere Stellung bekräftigen. Und kniend, den Blick mit Verehrung auf das Bild Seiner Heiligkeit Papst Pauls VI. geheftet, bringen wir ihm unsere vollkommene Treue zum Ausdruck.
In diesem kindlichen Akt sagen wir dem Hirten der Hirten: Unsere Seele gehört Euch, unser Leben gehört Euch. Befehlt uns, was Ihr wollt! Befehlt uns nur nicht, dass wir die Arme verschränken vor dem roten Wolf, der uns angreift! Dem widersetzt sich unser Gewissen.

III. DIE LÖSUNG - BEIM APOSTEL PAULUS

Ja, Heiliger Vater - fahren wir fort -, der hl. Petrus lehrt uns, dass es wichtiger ist, „Gott zu gehorchen als den Menschen“ (Apg 5, 29). Ihr habt den Beistand des Heiligen Geistes und seid sogar - unter den vom Vaticanum I bestimmten Bedingungen - vom Privileg der Unfehlbarkeit gestärkt. Dies schließt nicht aus, dass in bestimmten Bereichen und Umständen die Schwäche, der alle Menschen unterworfen sind, Euer Handeln beeinflussen oder sogar bestimmen kann. Einer davon ist, und vielleicht sogar recht eigentlich, die Diplomatie. Und hier befindet sich Eure Entspannungspolitik gegenüber den kommunistischen Regierungen.
Was ist da zu machen? Die Zeilen der vorliegenden Erklärung würden nicht ausreichen, um die Liste all der Kirchenväter und -lehrer, Moralisten und Kanonisten aufzuzählen - viele von ihnen wurden zur Ehre der Altäre erhoben -, die die Rechtmäßigkeit des Widerstandes bestätigen. Ein Widerstand, der keine Loslösung ist, keine Empörung, keine Anmaßung, keine Unehrerbietigkeit. Er ist im Gegenteil Treue, Vereinigung, Liebe, Unterwerfung.
„Widerstand“ ist das Wort, das wir mit Absicht wählten, denn es wird in der Apostelgeschichte vom Heiligen Geist selbst verwendet, um die Stellungnahme des hl. Paulus zu charakterisieren. Als der erste Papst, der hl. Petrus, Disziplinarmaßnahmen hinsichtlich des Weiterbestehens aus der alten Synagoge überkommener Gebräuche im katholischen Gottesdienst ergreifen wollte, sah der hl. Paulus darin eine ernste Gefahr zur Verwirrung in grundsätzlichen Dingen und zum Schaden für die Gläubigen. Deshalb erhob er sich und „widerstand“ dem hl. Petrus „ins Angesicht“ ( Gal. 2, 11). Dieser sah in der feurigen und inspirierten Tat des Völkerapostels keinen Akt der Rebellion, sondern der Einigkeit und brüderlichen Liebe. Und im genauen Wissen darüber, worin er unfehlbar war und worin nicht, gab er den Argumenten des hl. Paulus nach. Die Heiligen sind Vorbilder für die Katholiken. In dem Sinne, in dem der hl. Paulus Widerstand leistete, ist unsere Lage eine des Widerstandes.
Und darin findet unser Gewissen Frieden.

IV. WIDERSTAND

Widerstehen bedeutet, dass wir den Katholiken raten werden, den Kampf gegen die kommunistische Doktrin mit allen erlaubten Mitteln fortzusetzen zur Verteidigung des Vaterlandes und der bedrohten christlichen Zivilisation.
Widerstehen bedeutet, das wir niemals unwürdige Mittel des Protestes anwenden werden; und noch weniger werden wir Haltungen einnehmen, die in irgendeinem Punkt von der Verehrung und dem Gehorsam abweichen, die man dem „Summum Pontifex“ in den Grenzen des kanonischen Rechts schuldet.
Widerstehen bedeutet aber auch, dass wir respektvoll unsere Ansicht in solchen Fällen, wie dem Interview von Msgr. Casaroli über das „Glück“ der kubanischen Katholiken, zum Ausdruck bringen.
1968 weilte Papst Paul VI. in der blühenden kolumbianischen Hauptstadt Bogotá beim 39. Eucharistischen Weltkongress. Einen Monat später sagte er in einer Ansprache von Rom aus an die ganze Welt, dass er dort „die große Notwendigkeit einer sozialen Gerechtigkeit“ gesehen habe, „welche unermessliche Gruppen armer Leute (in Lateinamerika) in gerechtere, leichtere und menschlichere Lebensumstände versetzt soll“ (Ansprache vom 28-9-68).
Das, in dem Kontinent, in welchem die Kirche größte Freiheit genießt.
Dagegen sah Msgr. Casaroli in Kuba nur Glück.
Vor diesem Hintergrund heißt widerstehen mit ruhiger und respektvoller Offenheit zum Ausdruck bringen, dass ein gefährlicher Widerspruch zwischen den beiden Äußerungen besteht und dass der Kampf gegen die kommunistische Doktrin weitergeführt werden muss. Dies ist ein Beispiel von echtem Widerstand.

V. DIE INNERE SITUATION DER WELTKIRCHE

Es ist möglich, dass für einige brasilianische Leser die vorliegende Erklärung überraschend kommt. Aber in dem äußersten Widerstreben, öffentlich - wie wir es heute auf uns genommen haben –, Stellung zu nehmen, hat die TFP bisher nicht bekannt gemacht, wie viel Zwiespalt und Uneinigkeit unter den Katholiken der verschiedensten Länder in Bezug auf die Entspannungspolitik des Vatikans mit den kommunistischen Regierungen um sich greift. Es würde dieses schon ausgedehnte Dokument allzu sehr verlängern, wollten wir es hier tun. Wir beschränken uns darauf, als höchst freimütige Erklärung unserer Haltung wiederzugeben, was gegenwärtig unter den deutschen Katholiken vor sich geht. Darüber äußerte sich der ehemalige deutsche Bundestagsabgeordnete Hermann M. Goergen, Katholik von nüchternem Denken und Verhalten, am 23.3.74 im „Correio do Povo“‚ Porto Alegre.
Er berichtet von der Veröffentlichung zweier Bücher deutscher Autoren über die Politik des Vatikans, nämlich „Wohin steuert der Vatikan?“ von Reinhard Raffalt und „Vatikan intern“‚ herausgegeben unter dem Pseudonym „Hieronymus“. Beide Publikationen fanden solchen Anklang, dass sie „bei den deutschen Intellektuellen und Politikern auf der Tagesordnung standen“. Herr Goergen hält das Werk des „Hieronymus“ für satirisch, überkritisch und übertrieben. Dagegen findet er das von Raffalt „nüchtern“‚ mit „wohlfundierten Thesen“‚ „aus einer tiefen Liebe zur Kirche“ entstanden. Und Raffalt erklärt: „Papst Paul VI. ist ein Sozialist.“
Herr Goergen fügt hinzu, dass kurz nach dem Erscheinen des erstklassigen Werkes von Raffalt eine deutsche Zeitung eine Karikatur veröffentlichte, die Paul VI. auf einem Spaziergang in Begleitung von Gromyko zeigt. Als sie an einem Bild, das den Kardinal Mindszenty darstellt, vorübergehen, sagt Gromyko zu Paul VI.: „Ja, ja! Ein jeder hat seinen Solschenitzyn “.
Herr Goergen berichtet weiter, das ein deutscher Jesuit, Oskar Simmel, in der traditionsreichen Wochenzeitung „Rheinischer Merkur“ - „konservativ und unnachgiebig als Verteidiger des Glaubens und der Päpste“ - eine Kritik veröffentlichte, die von Rom sogar als unehrerbietig angesehen wurde‚ mit dem Titel „Nein, Herr Papst!“ Weiter erklärt Herr Goergen zu der Absicht, Kardinal Mindszenty abzusetzen: „Eine wahre Welle der Unterstützung (für den Kardinal) durchlief die deutschen Katholiken.“ Die Frankfurter Allgemeine Zeitung sprach offen von den „christilich-marxistischen Träumen“ Papst Pauls VI. Und die Paulus-Gesellschaft, Sprachrohr des Dialogs zwischen Christen und Marxisten, verurteilte die Ostpolitik des Vatikans und enthüllte sie als macchiavellistisch, weil sie „der Welt einen römisch-sowjetischen Frieden aufzwingen will“. Angesicht dieser Sprache ergibt sich umso leichter, wie zurückhaltend die der TFP ist.
Wir können unseren Kommentar über den Artikel von Herrn Goergen nicht schliessen, ohne eine ernste Behauptung von ihm hervorzuheben: In Polen wie in Ungarn, in der Tschechoslowakei und in Jugoslawien haben die Kontakte und Verträge mit dem Heiligen Stuhl nicht verhindert, dass die religiöse Verfolgung intensiv weitergeführt wird. Das bestätigt auch in Bezug auf sein Vaterland Kardinal Mindszenty.
Dies erfüllt uns mit Bestürzung. Die Aussicht auf Milderung des antireligiösen Kampfes war das große (in unseren Augen ungenügende) Argument der Enthusiasten der vatikanischen Entspannung.
Die Praxis zeigt, dass solche Entspannung dieses Resultat nicht erreicht und nur die kommunistische Seite begünstigt. Kuba ist ein weiteres Beispiel dafür. Und ein maßgeblicher Förderer der Entspannung, wie Msgr. Casaroli, erklärt, dass in dem Verfolgungsregime die Katholiken glücklich leben. Da fragen wir, ob Entspannung nicht ein Synonym ist für Kapitulation.
Wenn dem so ist, wie soll und kann man der Entspannungspolitik keinen Widerstand entgegensetzen und sie öffentlich auf ihre große Unzweckmäßigkeit hinweisen?
Es ist ein weiteres Beispiel dafür, wie wir den Widerstand verstehen.

VII. SCHLUSSFOLGERUNG

Diese Erklärung war unbedingt notwendig. Sie hat den Charakter einer legitimen Verteidigung unserer Gewissen als Katholiken vor einem diplomatischen System, welches die Luft zum Atmen für sie unerträglich machte und das die antikommunistischen Katholiken in eine denkbar schmerzlichste Situation führt, nämlich die, ihren Standpunkt vor der öffentlichen Meinung nicht mehr erklären zu können. Wir wiederholen das als Epilog zum Abschluss dieser Erklärung.
Kein Schlusswort wäre indes vollständig, wenn es nicht die neuerliche Versicherung unseres uneingeschränkten und liebevollen Gehorsams, nicht nur gegenüber der Heiligen Kirche, sondern auch dem Papst, in allen Bereichen, welche von der katholischen Lehre vorgeschrieben sind, einschlösse.
Möge Unsere Liebe Frau von Fatima uns auf diesem Wege helfen, den wir aus Treue zu ihrer Botschaft gehen und in der Vorfreude, dass sich die von ihr ausgesprochene Verheißung erfüllen wird:
„Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren.“

São Paulo, den 8. April 1974

DER NATIONALRAT
DER BRASILIANISCHEN GESELLSCHAFT ZUR VERTEIDIGUNG VON
TRADITION, FAMILIE UND PRIVATEIGENTUM
Veröffentlicht in
„Folha de S. Paulo“, 10 de abril de 1974

Dienstag, 1. Juli 2008

Ein meisterhaftes Essay


Das Buch Revolution und Gegenrevolution
Im Jahre 1959 schreibt Plinio Corrêa de Oliveira Revolution und Gegenrevolution, eine Abhandlung, in der er die jahrhundertelange Krise des Westens, die mit dem Huma-nismus und der Renaissance begann, analysiert: Er beschreibt einen Prozess, der nach dem Protestantismus, der Französischen Revolution, der Russischen Revolution von 1917 und der Revolution von 1968 zurzeit die bitteren Früchte der postmodernen Gesellschaft hervorbringt. Diese sukzessiven Etappen sind Metamorphosen einer einzigen, gnostischen und egalitären Revolution, die die früher blühende christliche Zivilisation zerstört.
Unter den Persönlichkeiten von internationalem Ruf, die dem Autor ihre Unterstützung kund-getan haben, muß man ein Schreiben des H.H. Pater Anastasio Gutierrez CMF zitieren, eines berühmten Kirchenrechtlers, Mitbegründer des Institutum Juridicum Claretianum in Rom und Berater einiger Dikasterien des Vatikans:
„Revolution und Gegenrevolution ist ein meisterhaftes Werk, dessen Lehren verbreitet werden und in das Gewissen all jener eindringen sollten, die sich als wahrhaft katholisch fühlen. Alles in allem wage ich zu behaupten, dass es ein prophetisches Werk ist, im besten Sinne des Wortes. Ich schließe mit den Worten, dass man von dem Geist, in dem dieses Werk abgefasst ist, sehr beeindruckt ist: ein zutiefst christlicher Geist, der die Kirche leidenschaftlich liebt“.

Montag, 30. Juni 2008

Ein Mann des Glaubens, des Denkens und der Tat


Der Gründer der TFP

Geboren am 13. Dezember 1908 in São Paulo (Brasilien), wird Plinio Corrêa de Oliveira in sehr jungen Jahren Anführer der katholischen Bewegung. Er gründet die Katholische Studentenaktion und mit 24 Jahren wird er zum Abgeordneten der verfassungsgebenden Versammlung gewählt, an der Spitze der katholischen Wählerliga, die er organisiert hat. Als Journalist leitet er die halbamtliche Zeitung der Erzdiözese São Paulo, später gründet er die Zeitschrift Catolicismo. Als Anwalt, dann als Universitätsprofessor hat er den Lehrstuhl für moderne und zeitgenössische Geschichte an der päpstlichen katholischen Universität São Paulo inne. Sein großes Werk ist die Brasilianische Gesellschaft zum Schutze von Tradition, Familie und Privateigentum (TFP), die er im Jahre 1960 gründet, sowie die Inspiration anderer TFP-Vereinigungen weltweit.
Plinio Corrêa dc Oliveira wird sein ganzes Leben ein streitender Katholik sein; ein leidenschaftlicher Katholik, der seinen Feuereifer dem Kampf gegen den Feind der Kirche widmet: die Revolution.


Sein erstes Buch Als Vorsitzender der Katholischen Aktion der Erzdiözese von Säo Paulo schreibt er 1943 sein erstes Buch "Zur Verteidigung der katholischen Aktion"; es ist ein Alarmruf gegen die progressistische und linksradikale Infiltration - bereits in den 40er Jahren! - in der Katholischen Aktion. Das Buch erhielt ein Vorwort vom damaligen Apostolischen Nuntius in Brasilien, Msgr. Bento Aloisi Masella, dem späteren päpstlichen Kardinalkämmerer der Heiligen Kirche. 1947 erhielt der Autor des Buches ein Lobesbrief von Msgr. Giovanni Battista Montini, damals Substitut des Staatssekretärs und späteren Papst Paul VI, der ihm im Namen Papst Pius XII. die höchste Anerkennung für seine Darstellungen zukommen lässt.

Donnerstag, 1. Mai 2008

Geistliches Testament von Prof Plinio Corrêa de OlIveira

Plinio Correa de Oliveira
am Grabe des hl. Ludwig von Montfort
 in Saint Laurent sur Sèvres
„Stets war die Gottesmutter das Licht meines Lebens“

„Im Namen der heiligsten und ungeteilten Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist, und der seligsten Jungfrau Maria, meiner Mutter und Herrin. Amen.“
Ich, Plinio Corrêa de Oliveira, ehelicher Sohn von Dr. João Paulo Corrêa de Oliveira und seiner Ehefrau Lucilia Ribeiro dos Santos Corrêa de Oliveira, beide bereits verstorben, Brasilianer, geboren am 13. Dezember 1908 in der Stadt São Paulo, Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates, ledig, Rechtsanwalt und Universitätsprofessor, wohnhaft in der genannten Stadt, beschließe, im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte frei und unaufgefordert, das vorliegende Testament abzufassen und auf diese Weise darüber zu verfügen, was mit meinem Vermögen nach meinem Tode zu geschehen hat, und weitere Bestimmungen meines letzten Willens im nachstehende Sinne zu treffen:
Ich erkläre hiermit, dass ich im römisch-katholischen apostolischen Glauben gelebt habe und in diesem auch zu sterben gedenke; ihm hänge ich mit allen Kräften meiner Seele an. Es fehlen mir die Worte, um der Gottesmutter auf angemessene Weise für die Gnade zu danken, dass ich seit meinen ersten Lebenstagen und, so hoffe ich, bis zu meinem Tode in der heiligen Kirche leben durfte, der stets meine ganze Liebe galt, gilt und bis zu meinem letzten Atemzuge gelten wird. Sodass ich alle Menschen, Institutionen und Lehren, die ich während meines Lebens geliebt habe und die ich gegenwärtig liebe, nur deshalb geliebt habe beziehungsweise liebe, weil sie mit der heiligen Kirche übereinstimmten oder übereinstimmen, und in dem Maße, in dem sie dies taten oder tun. Gleichermaßen habe niemals Institutionen, Menschen oder Lehren bekämpft, es sei denn, weil und in dem Maße sie der heiligen katholischen Kirche entgegenstanden.
Ebenso danke ich der Gottesmutter – wenn es mir auch nicht möglich ist, genügend Worte dafür zu finden – die Gnade, die „Abhandlung von der wahren Andacht zur allerseligsten Jungfrau“ vom hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort gelesen und mich ihr als Sklave auf immer geweiht zu haben. Die Gottesmutter war stets das Licht meines Lebens, und ich erhoffe von ihrer Barmherzigkeit, dass sie mein Licht und meine Hilfe bis zum letzten Augenblick meines Daseins sein möge.
Voller Ergriffenheit danke ich der Gottesmutter auch die Tatsache, dass mich meine Mutter, Dona Lucilia, auf die Welt gebracht hat. Ich habe sie, so gut ich es vermochte, verehrt und geliebt, und selbst nach ihrem Tode ist kein Tag vergangen, an dem ich ihrer nicht mit unbeschreiblicher Sehnsucht gedacht hätte. So bitte ich sie auch, sie möge mir bis zum letzten Augenblick mit ihrer unaussprechlichen Güte beistehen. Ich hoffe, sie dereinst im Himmel in der leuchtenden Schar der Seelen anzutreffen, die die Gottesmutter auf ganz besondere Weise geliebt haben.
Ich bin mir bewusst, mit der Gründung und Leitung meiner geliebten und glorreichen TFP (Brasilianische Gesellschaft zum Schutze von Tradition, Familie und Privateigentum) meine Pflicht erfüllt zu haben. Im Geiste küsse ich ihre Standarte, die im Saal des Reiches Mariens[1] steht. So eng fühle ich mich seelisch mit allen Mitgliedern und Mitarbeitern der brasilianischen TFP sowie mit denen der übrigen TFPs weltweit verbunden, dass ich hier unmöglich irgendeinem im Besonderen meine Zuneigung zum Ausdruck bringen kann. Die Gottesmutter aber bitte ich, alle und jeden einzelnen segnen zu wollen. Nach meinem Tode hoffe ich, in ihrer Nähe für alle beten zu können und ihnen so wirksamer zu helfen als während meines irdischen Lebens.
Denen, die mir Grund zur Klage gegeben haben, verzeihe ich aus ganzem Herzen. Ich wünschte, dass mein Tod für alle eine Gelegenheit sein möge, die Gnade zu empfangen, die wir den Grand Retour[2] nennen.
Ich habe keinerlei Richtlinien im Hinblick auf diese Möglichkeit zu geben, denn die Gottesmutter wird dies besser bewerkstelligen, als ich es vermöge. Auf jeden Fall bitte ich alle und jeden innigst und auf den Knien, die Gottesmutter ihr ganzes Leben lang mit allen Kräften zu verehren. (...)“
São Paulo, 10. Januar 1978



[1] Der Autor bezieht sich auf den nobelsten Raum im Sitz des Nationalrats der brasilianischen TFP in São Paulo. (Anm. des Übers.)
[2] Anmerkung der Redaktion: Der Ausdruck Grand Retour (Große Umkehr) wurde 1942 in Frankreich geprägt. In dem genannten Jahr begannen nämlich die Pilgerfahrten von vier Nachbildungen des bekannten alten Bildes Unserer Lieben Frau von Boulogne, die in fünf Jahren sechzehntausend Pfarreien, ungefähr die Hälfte aller Pfarreien des Landes, besuchten. So groß war der Gnadenstrom, den diese Bewegung auslöste, dass es zu einer eindrucksvollen geistigen Erneuerung im Volke kam. Diese nannte die Bewegung von Anfang an spontan und treffend Grand Retour, dass heißt, Rückkehr Frankreichs zur Marienverehrung.
An dieser Stelle ist es auch angebracht, an einen Auszug aus der Rede Pius‘ XII. während einer Audienz für eine Pilgergruppe des Grand Retour am 22. November 1946 zu erinnern:
„Seid jener treu, die euch bis hierher geführt hat (...) Die unabdingbare Voraussetzung zum Ausharren in dieser Weihe (an das Unbefleckte Herz Mariens) besteht darin, ihren wahren Sinn zu erfassen, sie in ihrer ganzen Reichweite zu verstehen und treu alle damit verbundenen Pflichten zu übernehmen.
Wir können an dieser Stelle nur noch einmal in Erinnerung rufen, was wir dazu an einem unserem Herzen nahestehenden Jahrestag gesagt haben: ‚Die Weihe an die Gottesmutter ... ist eine vollkommene Hingabe seiner selbst für das ganze Leben und alle Ewigkeit; es ist nicht eine rein formelle oder gefühlsmäßïge Hingabe, sondern eine effektive, ausgeführt in der Stärke des christlichen und marianischen Lebens.‘ (aus der Rede vom 21. Januar 1945 an die Marianische Kongregation)
Prof. Plinio Corrêa de Oliveira und die Mitglieder der TFP benutzen den bedeutungsvollen französischen Ausdruck, um damit eine tiefgehende geistliche Erneuerung zu bezeichnen, eine Art Bekehrung, die die Gottesmutter ihren treuen Kindern angesichts der dramatischen, großartigen Ereignisse schenken wird, die von ihr in Fatima vorausgesagt wurden.