Mittwoch, 26. April 2017

Muttergottes vom Guten Rat


 Plinio Corrêa de Oliveira

     
Heute feiern wir ein wunderschönes Fest, das Fest der Mutter Gottes vom Guten Rat. Es ist eine sehr schöne Anrufung. Das Fest wurde zu Ehren der Erscheinung des bekannten Bildes der Muttergottes mit dem Namen vom Guten Rat in der Kirche der Eremiten des hl. Augustinus in Genazzano, Italien, im 15. Jahrhundert eingeführt. 


Muttergottes vom Guten Rat in der Kapelle des St. Aloysius Kollegs in São Paulo - BR

Es gibt hier in São Paulo, in der Kapelle des Kollegiums Sankt Aloysius, der Jesuiten, eine schöne, ehrwürdige Kopie dieses Bildes. Die Patres erzählten eine schöne Geschichte, wie das Bild nach São Paulo gekommen ist. Jesuiten, die zur Mission nach Brasilien geschickt wurden, brachten dieses Bild mit sich, erlitten Schiffsbruch vor der Küste von São Paulo, konnten aber sich und das Bild auf wundersamer Weise retten. In meiner Schulzeit an diesem Kolleg förderten die Jesuiten die Andacht zur Mutter Gottes vom Guten Rat sehr. In der Tat, es ist eine sehr schöne Anrufung Mariens, weil sie auf eine sehr mütterliche Aufgabe hinweist, eine der sehr eigentlichen Aufgaben der Königin des Universums, die der Erteilung des guten Rates.

     Als Königin des Weltalls regiert Maria über alles. Und die eigentliche Aufgabe eines Herrschers ist nicht nur Befehle zu erteilen, sondern auch Ratschläge zu geben, beraten zu müssen. Es kann aber auch durchaus sein, dass gewisse Ratschläge der Muttergottes, Befehle sein können. Für diejenigen, die Maria wirklich lieben, gelten alle Ihre Ratschläge als Befehle.

     Das Reich und die Herrschaft Mariens ist eine Regierung der Liebe, eine Herrschaft in der jeder Ratschluss für den echt frommen Gläubigen, dem echten Diener seiner Königin, im Sinne des hl. Ludwig von Montfort, den Wert eines Befehls hat.

     Diese Anrufung der Mutter Gottes vom Guten Rat, sollten wir in allen schwierigen Momenten anwenden. Vor allem meine Lieben der jüngeren Generation, die so sehr immer wieder eines guten Rates bedarf. Bei den vielen Problemen, die im Leben auftauchen, sollte sie von dieser Anrufung reichlich Gebrauch machen.

     Was bedeutet eigentlich Mutter vom Guten Rat? Es ist Maria in der Eigenschaft einer Mutter, die ihrem Kind einen guten Rat gibt. Durch die Gnade erreicht Ihr Rat das Innere unserer Seele. Sie erreicht für uns Gnaden, die in der Tiefe unserer Seele wie gute Ratschläge wirken.

     In jeglicher Situation, in der wir uns befinden, ob in Zweifelslagen, Bestürzungen oder Ratlosigkeit, in einer Situation, in der ein Rat auch nicht so vonnöten erscheint und doch unsere Augen für etwas öffnet, was wir sehen müssten, bei jeder Gelegenheit ist die Anrufung der Muttergottes vom Guten Rat sehr wichtig, denn Sie ist die Geberin guter Ratschläge.

     Wie kommt der gute Rat in unsere Seele?

     Er kommt je nach dem Stand der Person vor allem durch die Stimme der Berufung, der wir gefolgt sind. Immer wenn wir etwas in unserem Inneren oder von außen hören, was auf die Richtung unserer Berufung hinweist, sollen wir dies als einen guten Rat aufnehmen. Immer wenn wir das Verlangen nach etwas Gutem verspüren, sollen wir es als einen guten Rat annehmen. Immer wenn die Stimme der Gnade in uns etwas schlimmes vorahnen lässt, sollen wir es als einen guten Rat annehmen. Immer wenn wir uns beeinflussen lassen und wir merken, dass es für das Heil unserer Seele beiträgt, sollen wir darin die Stimme eines guten Rates vernehmen.

     In einer Religionsgemeinschaft erhalten wir ständig guten Rat, wenn wir uns seelisch vereinen mit denen, die die Rolle des Planeten haben, um die wir wie Satelliten Kreisen. Ein Satellit verlässt nie seine Bahn, weil er in dieser, durch die Anziehungskraft, ständig um seinen Planeten kreist. So werden auch wir nicht aus der Bahn geraten, wenn wir innerlich mit denen vereint sind, die die Aufgabe haben uns zu beraten.

     Es geht nicht nur darum, einen Rat zu erbitten, sondern eine so tiefe und innige Seeleneinigkeit mit dem Vorgesetzten zu haben, dass wir eins sind mit ihm, den gleichen Geist, die gleiche Mentalität, den gleichen Willen haben, und in allem so vorgehen wie er es wünscht, bevor wir überhaupt gefragt haben, welche seine Wünsche uns gegenüber sind.

Die kleine Therese (rechts) und ihre Schwester Céline

     In dieser Hinsicht gibt es ein schönes Beispiel im Leben der hl. Theresia vom Kinde Jesu bezüglich ihrer Beziehungen mit ihrer ältren Schwester, Céline.

     Theresia war schon in den Karmel eingetreten und Céline betreute noch ihren schwerkranken alten Vater zu Hause. Beide, die sich von Kindheit an immer gut verstanden, begannen einen regen Briefwechsel. In diesem Briefwechsel vernimmt man eine innige Seeleneinigkeit, in der Céline die ehrenvolle Rolle der geistlichen Beraterin Theresias zukam. Man meint eine Art Verschmelzung zweier Seelen wahrzunehmen, in der beide sich von der gleichen Gnade ernährten. Es gibt Passagen in den Briefen Theresias, die von ungeahnter Schönheit in dieser Hinsicht sind.

     Das sind die Weisen durch die wir die guten Räte erhalten, die Maria uns gibt. Doch die kostbarsten, fruchtbarsten und gesündesten, unwägbaren Ratschläge, die in unsere Seele eindringen, sind gewisse gute Ratschläge, die wir in gewissen Stunden, durch gewisse Gedanken, Regungen, Vorschläge in unsere Seele vernehmen und merken, dass sie uns zur Heiligkeit anregen, die uns in unsere Berufung fester einbinden. Es sind Stimmen der Gnade, die uns zum Guten und zur Heiligkeit führen.

     Wir sollten jeden Tag, jede Stunde die Muttergottes um gute Ratschläge bitten. Sie möge mit ihren mütterlichen Räten unsere Herzen ständig auffüllen, so wären wir nicht nur in der größten Einigkeit mit Gott, sondern vor allem in der größten Einigkeit mit Ihr. Da Sie ja die Mittlerin aller Gnaden ist, wären wir somit auf dem sichersten Weg unsere Berufung und unsere Heiligung nach Gottes Plan zu verwirklichen.



     „Mutter Gottes vom Guten Rat“, eine ergreifende Anrufung, die meines Erachtens immer vorhanden sein sollte, wenn Ratlosigkeit in den schwierigen Tagen des heutigen Lebens uns befällt.




(Aus einem Vortrag - Santo do Dia - gehalten am 26. April 1966)

Freitag, 14. April 2017

Betrachtungen über das Leiden Unseres Herrn Jesus Christus, 7. Teil


von Plinio Corrêa de Oliveira

Dreizehnte Betrachtung



»Und als er ihn herabgenommen hatte, wickelte er ihn in Linnen und setzte ihn bei in einem ausgehauenen Grab, in dem noch kein anderer gelegen war« (Lk 23,53).

Herr Jesus, ich betrachte deinen vom Kreuz herabgenommen Leib, deine Menschlichkeit wie zerschmettert, und dein unendlich kostbares Blut, dass du während deinem Leidensweg vergossen hast. Oh, Mann der Leiden, deine Seele und dein Leib litten so viel wie ein Mensch nur hat leiden können.
Solange diese Welt existiert, wirst du unser Vorbild sein im Leiden mit all seinem Adel, Kraft, Ernsthaftigkeit, Süße und Erhabenheit sein. Dies ist ein Vorbild des Leidens, nicht nur rational betrachtet, sondern auch aus der unendlichen Perspektive des Glaubens; ein Leid, das theologisch verstanden wird, als notwendige Buße und ein wesentliches Mittel der Heiligung.

Durch die unendlichen Verdienste deines kostbarsten Blutes, gib unseren Geist die notwendige Klarheit, die Rolle des Leidens in unserem Leben zu verstehen und gib uns die notwendige Kraft, das Leiden wirklich zu lieben.
Die Menschheit kann sich nur aus der enormen Krise retten, in der sie sich befindet, wenn sie die Rolle des Leidens und des Geheimnisses des Kreuzes versteht. Es ist nur dieses Verständnis von Leiden, das auch diejenigen vor der ewigen Strafe retten kann, die selbst in der Stunde des Todes, deiner Einladung, dich auf der Via Dolorosa zu begleiten, nicht nachgekommen sind.
Vermehre auf Erden die Seelen, die das Kreuz lieben. Dies ist die wunderbare Gnade, um die wir dich in dieser Karwoche in dieser Zeit der Dämmerung unserer Zivilisation bitten.

Betrachtungen über das Leiden Unseres Herrn Jesus Christus, 6. Teil


von Plinio Corrêa de Oliveira

Elfte Betrachtung


»Und um die neunte Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: „Eli, Eli, lama sabachtani“, das heißt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“« (Mt 27,46)

Unser Herr schrie von der Höhe des Kreuzes. Dieser herzzerreißende Schrei war auf das äußerste Gefühl der Verlassenheit zurückzuführen, in dem Gott scheinbar das Fleischgeworden Wort versetzt hatte. Die Seele des Erlösers erlitt eine geistige Qual, die durch den Mangel an göttlichem Trost verursacht wurde.
Allerdings wurde der schrecklichste Schmerz durch die Betrachtung der Sünden verursacht, die er vor sich hatte. Er sah nicht nur die Sünden der Menschen um ihn herum und von allen, die Ihn verlassen hatten, sondern auch die Vergehen gegen Gott, die in der Zukunft begangen werden würden.
Weil das fleischgewordene Wort alles sehen konnte, hat diese Voraussicht auch ihn in Seiner Via Dolorosa, seinem schmerzhaften Weg, Leiden verursacht. Die ganze Geschichte der Menschheit lief vor seinem erschöpften, von Blut getrübten Blick ab, in einem Leib, in dem das Leben sich langsam zurückzog. Wahrscheinlich war der göttliche Heiland von dem Anblick der ungeheuren und allgemeinen Unordnung unserer Tage überwältigt, was zu jenem qualvollen Schrei führte: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“
Die göttliche Vorsehung hat es so angeordnet, dass wir heute diese tragische Szene bezeugen. Dabei lädt uns unser Erlöser ein, unsere Augen zu öffnen und diese Situation zu betrachten, wie er sie im Garten von Gethsemane vorausahnte, gemessen an all der Grausamkeit seines Leidenswegs.
Die göttliche Vorsehung hat es bestimmt, dass wir Zeugen sind der tragischen Geschehnisse der heutigen Zeit. Damit lädt der Erlöser der Menschheit uns ein, unsere Augen zu öffnen und diese gegenwärtige Situation zu betrachten, und so wie er im Garten von Gethsemane das Ausmaß aller Grausamkeiten seiner Passion voraussah.

Zwölfte Betrachtung


»Einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite und sogleich kam Blut und Wasser heraus« (Joh 19,34).

Unser Herr war schon gestorben, als der Soldat, mit Namen Longinus, seine Seite durchbohrte. Auf diese Weise vergoss das Heiligste Herz Unseres Herrn den letzten Tropfen Blut, den letzten Tropfen Wasser, für unsere Erlösung. Was für eine außerordentliche Gnade! Welche äußerste Güte! Welches extreme Mitgefühl!
Das ganze Blut im Leib Unseres Herrn Jesus Christus wurde vergossen, um zu zeigen, dass er uns alles gegeben hat. Er tat dies, ohne einen einzigen Tropfen zurückzuhalten, wegen seines unermesslichen Wunsches, uns zu erlösen. Ein Tropfen seines Blutes hätte genügt, um die Welt zu retten, doch er hat sein ganzes Blut vergossen, so dass die letzten Tropfen mit Wasser gemischt waren. Er wollte nichts zurückhalten, um uns zu erlösen.
Mein Gott, wie oft habe ich das Herz Jesu durchbohrt wie die Lanze des Longinus? Es kann durch schwere Sünde gewesen sein. Aber sicherlich durch meine chronische Gewohnheit der Gleichgültigkeit, das ist der Grund, dass ich mich nicht ändere, dass ich keine Fortschritte mache und dass ich keine Fortschritte machen will. Ich sehe andere vorwärts schreiten, aber ich möchte nicht belästigt werden.
Nach der Tradition soll Longinus blind auf einem Auge gewesen sein. Ein bisschen Wasser, das aus der Seite Unseres Herrn floss, fiel auf sein Auge, und es wurde geheilt, und später wurde er ein Heiliger. Wer weiß, vielleicht werde ich auch diese Gnade bekommen, ein Heiliger zu werden. O Herr, im Augenblick deines Todes, ich flehe dich an, mir diese Gnade zu gewähren.

Betrachtungen über das Leiden Unseres Herrn Jesus Christus, 5. Teil


von Plinio Corrêa de Oliveira

Neunte Betrachtung


»Als sie an den Ort kamen, der „Schädelstätte“ genannt wird, kreuzigten sie ihn dort« (Lk 23,33)

Vor der Kreuzigung können wir uns die unendliche Schönheit unseres Herrn, die Schönheit seines Körpers und die Helligkeit seines heiligen Antlitzes vorstellen, wo die ästhetischen Prinzipien des Universums innewohnten. Die Anmut Seiner Gesten, die Eleganz seiner Haltung, die Nüchternheit seiner Sitten und Güte müssen eine starke Anziehungskraft ausgeübt haben. Als er sprach, wer könnte sich den Ton seiner Stimme, seine Modulation und die einzigartige Ausdruckskraft vorstellen?
Als er aber ans Kreuz genagelt wurde, war er entstellt, ohne Schönheit und eine einzige, große, blutige Wunde. Er war das große unschuldige Opfer selbst. Er hatte nie gesündigt. Er war die Personifizierung der Tugend. Er hatte nie die Notwendigkeit, sich für etwas zu entschuldigen, aber trotzdem tat er dies ohne Maßen.
Warum? Wegen der Schwere unserer Sünden. Wir sollten tiefe Traurigkeit und Bedauern über seinen Anblick, den Unschuldigen, fühlen, der die Sünden mit dem Sünder trug. Er, der der reinste war, der heiligste, trug sie für mich! Das sollte uns zu einem großen Vertrauen führen. Jemand, der zu einem solchen Preis erlöst wurde, braucht nur um die notwendige Gnade zu bitten, um die Tugend zu praktizieren und das Gute zu tun, was ihn zum Himmel führen wird.
Heute werden die Schmerzen unseres Herrn durch die Lästerungen und die Verachtung gegen die Katholische Kirche sowie die Götzendienerei einer heidnischen Gesellschaft verursacht: Egalitarismus, Sinnlichkeit, Aufstand, Unreinheit, Mord, Diebstahl, Ehebruch. Welches der Gebote Gottes wird heute nicht übertreten? Was ist meine Haltung angesichts dieser Situation?

Angesichts meiner Sünden und der Unzulänglichkeit meiner Sühne, muss ich mich niederknien, an meine Brust schlagen und mich fest entschließen, nicht mehr zu sündigen.

Zehnte Betrachtung


»Als nun Jesus seine Mutter sah und neben ihr stehend den Jünger, den er liebte, sagte er zur Mutter: „Frau, siehe, dein Sohn!“ Darauf sagte er zum Jünger: „Siehe, deine Mutter!“ Un von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. « (Joh 19,26-27)

Johannes, der Evangelist, war am Fuß des Kreuzes auch eine Art von Gipfel. Seine Liebe hatte einen Höhepunkt erreicht. Er war der Jünger, den Jesus lieb hatte.
Am heiligen Donnerstag hatte er seinen Haupt an der Brust unseres Herrn ausgeruht und hörte die Klopfen des heiligen Herzens Jesu, das da in Liebe für die ganze Menschheit schlug. Später in dieser selben Nacht, so wie die anderen Apostel, hatte er geschlafen und ist geflohen. Allerdings war er der jungfräuliche Apostel, der geliebte Apostel, aber jungfräuliche Seelen, finden auch in bedauernswerten Situationen die Mittel und Kraft, um ihre Pflicht zu erfüllen.
Das heißt, Gott schützt jungfräuliche Seelen. Gott zieht die Reinen an sich. So hat Johannes nicht nur die Ehre, der Jünger der Liebe zu sein, sondern auch gegenwärtig zu sein auf diesem Gipfel der Liebe, als unser Herr am Kreuz gestorben ist. Auf diese Weise vertrat er alle Apostel und rettete das Apostolische Kollegium vor völliger Schande.
Darüber hinaus erhielt er auf diesem Gipfel der Liebe den höchst erdenklichen Lohn, denn es kann kein größeres Geschenk geben für eine Person, als Unsere Liebe Frau als Geschenk zu empfangen. Als
unser Herr sagte: „Frau, siehe, dein Sohn“, und dann zu Johannes, „Sohn, siehe, deine Mutter“, erhielt er ein unschätzbar großes Geschenk.


Betrachtung über das Leiden - Einleitende Anmerkungen


Betrachtungen über das Leiden Unseres Herrn Jesus Christus, 4. Teil


von Plinio Corrêa de Oliveira

Siebte Betrachtung
 

»Da übergab er ihnen Jesus zur Kreuzigung, und sie übernahmen ihn und führten in fort« (Joh 19,16)

In früheren Zeiten war das Kreuz eine demütigende, schmerzliche Art, Kriminelle hinzurichten. So bedeutete das Wort „Kreuz“ das Gleiche wie „Schande“, genau wie das Wort „Handschellen“ uns heute an Gefängnis, Verurteilung und rebellische Gefangene erinnert. In jenen Tagen dachten die Menschen beim Wort Kreuz an einen Verbrecher, der so böse und verdorben war, dass nur durch den Tod durch die Kreuzigung sein Verbrechen wirklich vergolten werden konnte.
Das Kreuz war also ein Symbol der Qual und Schande. Indem Unser Herrn Jesus Christus an das Kreuz genagelt wurde, war die Absicht derer, die ihn zum Tode verurteilten, nicht nur, ihn zu töten, sondern ihn in der schändlichsten und unehrenhaftesten Weise zu töten, um seinen Ruf und seine Herrlichkeit völlig zu zerstören.
Was für ein Kontrast: Er, der Verurteilte, war in der Tat der Richter dieser schwersten Strafe. Obwohl scheinbar geschlagen, war Jesus der einzige Sieger. Das Kreuz ist das Holz der Niederlage, Schande und Schmerzen, aber es wurde zum Holz der Herrlichkeit. Wer durch das Kreuz zermürbt wird, der ist Sieger. Wer ohne das Kreuz siegt, ist der Verlierer.

Achte Betrachtung


»Er trug selber sein Kreuz und ging hinaus zu dem Ort, den man Schädelstätte (Kalvaria) nennt, auf hebräisch aber Golgota« (Joh 19,17)

Jeder von uns hat ein Kreuz zu tragen. Jeder von uns möchte etwas sein, was er nicht ist, etwas haben, was er nicht hat, um etwas erreichen zu können, was er nicht kann. Wir müssen aufhören zu sein, was wir nicht sind, zu haben, was wir nicht haben sollen, und das zu erreichen, was wir nicht erreichen können und dürfen. Das ist der Weg für uns alle.
Möge Unser Herr uns eine Liebe zu unserem Kreuz geben, so wie er es sein Kreuz liebte. Anstatt das Heilige Holz mit Widerwillen zu tragen, umarmte und küsste unser Erlöser es, weil er durch das Kreuz seine Sendung auf Erden erfüllte. Unser Kreuz besteht darin, unsere Mission zu erfüllen. Lasst uns es tränenreich umarmen, aber liebevoll. Und sagen wir, „ich werde niemals aufhören, um Kraft zu bitten, so werde ich in der Lage sein, mein Kreuz auf die Höhe meines Kalvarienbergs tragen!“.
Unser Herr ertrug jeden Schmerz, wie ein König, der auf den Weg zu seiner Krönung ist. Er tat dies mit Würde, mit Gelassenheit, standhaft und ohne zu zögern. Nichts wurde ihm, ob körperlich oder geistig, verschont. Er trat in die Tiefe des Leidens mit der Entschlossenheit eines Helden und erschien somit vor der Gerechtigkeit des Ewigen Vaters, umstrahlt vom Glanz seiner Schmerzen. So hat er die Menschheit gerettet: bei jedem Schritt ist das Schlimmste mit ihm geschehen, aber er hat alles vollständig angenommen, ohne jegliche Erleichterung zu verlangen. Er hat niemals jemanden gebeten, ihn zu bemitleiden. Das Leiden war dermaßen groß, dass manchmal seine Stärke ihn verlassen hat, aber er stand sofort wieder auf und ging weiter.
Dieser Gedanke hilft mir, meine Schwäche zu überwinden! Wenn ich Unseren Herrn Jesus Christus in seiner erhabenen Schönheit und Heiligkeit begegnen möchte, muss ich auch mein eigenes Kreuz umarmen.


Betrachtung über das Leiden - Einleitende Anmerkungen

Donnerstag, 13. April 2017

Betrachtungen über das Leiden Unseres Herrn Jesus Christus, 3. Teil


von Plinio Corrêa de Oliveira

Fünfte Betrachtung

»Darauf ließ Pilatus Christus wegführen und ihn geißeln.« (Joh 19,1)
Pilatus dachte, dass er, indem er Jesus geißeln ließ, die Juden befriedigen und so in der Lage sein würde, ihn frei zu machen. So ist es, wie die Schwachen immer denken: Kompromiss, dem Bösen nachgeben, um es zu beschwichtigen. Das macht es aber nur noch schlimmer.
Die Folterer banden seine Hände und brachten ihn an die Säule inmitten von Schlägen, Schützen und Gelächter. Seine Sanftmut, Güte und alles über sich ergehen zu lassen, kontrastiert mit dem brutalen, sinnlosen und grausamen Hass der Schergen. Oh dumme Illusion, dass er, indem er seine Hände fesseln lässt, nun bewegungslos dastünde! Es wäre genug für ihn zu sagen, „Stricke, lockert euch“ und sie würden zu Boden fallen! Hätte er es gewollt, könnten die Stricke auch zu Schlangen werden, um seine Übeltäter anzugreifen.
Das außergewöhnlichste ist, dass er sich selbst hingegeben hat, um gegeißelt zu werden. Wir können uns sein süßes Stöhnen vorstellen. Sein heiliger Körper, der sich in Schmerzen krümmt, sein anbetungswürdiges Fleisch, das von den Peitschen und Geißeln zerrissen wurde. Das war das Fleisch des Gottmenschen! Er stand da voller Würde, sanftmütig und ohne Protest und unterhielt sich mit dem ewigen Vater in seinem Herzen.
Wir können uns auch in diesem Augenblick den Sohn Gottes, den obersten Regierenden über alle Ereignisse, vorstellen, der an die gesegnete Zivilisation denkt, die eines Tages auf die Verdienste Seiner Leidenschaft aufgebaut werden würde. Ach, er sah auch, dass sich die christlichen Völker in einem gewissen Augenblick gegen ihn abwenden und von einer Anti-Zivilisation beherrscht würden. Weil diese Welt den persönlichen Gott verleugnen würde, würde sie auch die Persönlichkeit und Individualität des Menschen verleugnen.
In dieser dekadenten Antizivilisation würde die Menschheit die totale Gleichheit einfordern und so zu einer rebellischen kommunistischen Utopie versklavt werden. Diese Utopie würde das Eigentum und damit die Gerechtigkeit verleugnen; würde die Familie und damit die Reinheit verleugnen; würde die Religion verleugnen, und alles was heilig ist; würde die Tradition und damit die Geschichte verleugnen. Durch die Umkehrung aller Werte würde diese Zivilisation ein großes Chaos erzeugen, ein großes Vakuum, in dem die ehemaligen christlichen Völker ertrinken würden. Diese Zivilisation ist die Tyrannei der Materie, der Maschine, der Anonymität und des Atheismus, in ein Wort, die Herrschaft des Satans.
Unser Herr hätte sich wie der Prophet David beklagen können: „Was nützt denn mein Tod…?“(Ps 30,9) Was nützt denn mein Blut, das ich so großzügig und so reichlich vergossen habe?


Sechste Betrachtung


»Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen und setzten ihn auf sein Haupt, legten ihm einen purpurroten Mantel um.« (Joh 19,2)
Unser Gott, mit Dornen gekrönt! Ist dies nicht ein Beweis, dass Gottes Königtum ein Königtum des Leidens ist? Lasst uns Leiden annehmen: Demütigungen leiden; leiden an Ungerechtigkeit; leiden unter der unermüdlichen Anstrengung, Gutes zu tun; leiden unter Selbstverleugnung. Das Leiden aus dem Christentum zu entfernen, ist Christus beleidigen, der eine Dornenkrone angenommen hat. Christ sein und Angst haben, für Gott zu leiden, ist, Gott zu einem bloßen Bankier herabzusetzen, der unserer Gewinnsucht nachkommt oder zu einen einfachen Diener, der unseren Wünschen nachkommt. Das Leiden vom Christentum zu beseitigen, ist gleich, sein Rückgrat zu entfernen.

Sind wir nur Gutwetterfreunde? Es ist in der Tat nicht christlich, Angst zu haben, uns für Christus zu opfern, unser größter Freund. Lasst uns nicht die Gemeinheit begehen, Jesus auf Golgatha zu verlassen. Lasst uns nicht auf sein Gesicht schlagen, verwundet aus Liebe zu uns, indem wir sündigen. Lasst uns nicht herzlose Hyänen sein, sondern vielmehr „gütig und demütig von Herzen“ wie Er (Mt 19,2).

Betrachtungen über das Leiden Unseres Herrn Jesus Christus, 2. Teil

von Plinio Corrêa de Oliveira
 Dritte Betrachtung


»Als es Morgen war, fassten alle Hohenpriester und Ältesten des Volkes den Beschluss gegen Jesus, ihm den Tod zu überliefern« (Mat 27,1).

Das jüdische Volk sehnte sich nach dem Kommen des Messias. Als er aber kam, verfolgten sie ihn. Er machte Wunder und die Menschen applaudierten. Aber die priesterliche Klasse, die die höchste politische Klasse war, hatte Angst: „Wer ist dieser Mann, der die begeisterte Gunst des Volkes gewonnen hat? Was wird mit unserer Macht passieren? Er ist eine Gefahr für uns!“
In einer heute oft benutzten Methode begann die Verfolgung mit Verleumdungen und Fangfragen, die gemacht wurden, um Fallen zu stellen; Fragen die im Laboratorium der Falschheit entworfen wurden.
Die erste und größte aller Revolutionen brach während der Karwoche aus. Eine Revolution ist definitionsgemäß eine Revolte jener, die lieben und gehorchen sollen, stattdessen aber gegen legitime Autorität rebellieren. Unser Herr besaß jedes mögliches Maß an Macht und Autorität über die Menschlichkeit. Die Sendung der Juden war, Ihn als den Gottmenschen anzuerkennen und sich seiner süßen Herrschaft zu unterwerfen. Sie haben das Gegenteil getan. Sie haben ihn weder anerkannt noch bewundert oder sich ihm unterworfen. Und diese Gesinnung der Seele war auf schlechten Willen und Neid zurückzuführen. Sie wollten sein Gesetz nicht, weil sie korrupt waren und Unser Herr lehrte Strenge. Sie lehnten sich gegen ihn auf und töteten ihn. Die Revolution der Karwoche war die größte aller Revolutionen, weil die Auflehnung gegen eine so hohe Autorität nicht wieder passieren kann.
Möge der Gedanke an unseren verachteten Erlöser uns mit Anbetung und Mitgefühl für ihn erfüllen, ebenso wie Empörung gegen die Revolution, die zu seiner Kreuzigung führte.
Pilatus war ein Gouverneur ohne Rückgrat und wählte den „Dialog“, anstatt Christus zu verteidigen.

Pilatus war ein Gouverneur ohne Rückgrat
er suchte den „Dialog“ mit dem Mob,
anstatt Jesus zu verteidigen
Vierte Betrachtung

»Sie ließen ihn gefesselt abführen und übergaben ihn dem Statthalter Pilatus.« (Mat 27,2)
Pilatus war ein Gouverneur ohne Rückgrat. Obwohl er wusste, dass die Menge den römischen Soldaten nicht widerstehen würde und deshalb auf einen leichten, glänzenden Sieg zählen konnte, wollte er unbedingt keine Gewalt anwenden, um zu tun, was richtig und gerecht war.
Stattdessen trat Pilatus in den Dialog mit dem Mob und schlug vor: „Wen soll ich nach eurem Willen euch freigeben, den Barabbas oder Jesus, der Messias genannt wird?“ (Mat 27,17)
Barabbas war ein bekannter Chef einer aufrührerischen Bande von Verbrechern. Er war der schlimmste Verbrecher, voller Unehre und Boshaftigkeit. Jesus war das äußerste Symbol der Würde und stellte das Beste im jüdischen Volk dar. Er war ein Nachkomme Davids, der bedeutendsten Gestalt des Alten Testaments. Er hatte allen Menschen nur Gutes getan.
Zentrist, wie er war, dachte Pilatus, dass die Juden niemals Barabbas Jesus bevorzugen würden. Er verstand nicht, dass, wenn man nicht Jesus folgt, unbedingt Barabbas wählt. Pontius Pilatus verurteilte ihn nur wegen des politischen Manövrierens der Priester. Sie schrien zu ihm: „Wenn du diesen freilässt, bist du nicht Freund des Kaisers“ (Joh 19,12). Es wäre für Pilatus leicht gewesen, sich gegen diese Anklage zu verteidigen. Doch angesichts der Möglichkeit, sein Amt als Gouverneur von Judäa zu verlieren, hatte Pilatus feige Jesus dem Tod ausgeliefert.
Als Ergebnis seines abscheulichen Ehrgeizes hat Pontius Pilatus die größte Ungerechtigkeit der Geschichte begangen.


Betrachtung über das Leiden - Einleitende Anmerkungen